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27 August 2014, 19:42

Poroschenko-Putin: Das ist ja ein schöner Friedensplan!

Poroschenko-Putin: Das ist ja ein schöner Friedensplan!

STIMME RUSSLANDS Wir schauen in die Weltnachrichten: Der russische Präsident Putin trifft sich mit dem ukrainischen Staatspräsidenten Poroschenko. Es geht um nicht mehr oder weniger als um Krieg oder Frieden zwischen Ost und West! Trotz aller westlichen Medien-Unkenrufe, die den russischen Präsidenten weiter als „Aggressor“ bezeichnen, stimmt Putin dem Friedensprozess zu. Doch nur wenige Stunden später gibt Nato-Chef Rasmussen die Stationierung ständiger Truppen in Osteuropa bekannt! Klingt so ein Friedensplan?

Wir kommen gleich auf die aktuellen Pläne der Nato. Doch vorher muss die Frage erlaubt sein, was eigentlich noch passieren muss, bis Wladimir Putin der Kragen platzt: Warum, so fragt man sich verzweifelt, legt der Westen es immer wieder gezielt auf Provokationen an und sorgt nicht lieber durch eine eindeutige Haltung für friedliche Signale? Nein, natürlich ist der russische Präsident kein Engel, denn es gibt keine Engel, die Regierungsgeschäfte im großen Stil übernehmen würden, und zwar nirgendwo auf der ganzen Welt. Und nein, hier geht es auch nicht um platte „Putinversteherei“, sondern um rein sachliche Fakten. Und die zeigen klar, dass der russische Präsident und sein Land viel eingesteckt haben in den letzten Jahren, dennoch ist der Mann erstaunlich beherrscht geblieben:

Nehmen wir die Vereinbarung in Sachen Nato-Osterweiterung nach Beendigung des Kalten Krieges, die westliche Raketenschilde in Richtung des strategischen Atomwaffenarsenals Russlands grundsätzlich ausschließt. Was geschah? Die amerikanischen Pläne für eine Verteidigung Europas sahen trotzdem Anlagen in Tschechien vor, in Polen, Rumänien und Bulgarien, außerdem Radarstationen in der Türkei. Also fanden sie statt, die Stationierungen amerikanischer Raketen und entsprechender Anlagen genau in diesen Ländern! Von Seiten der Nato und der US-Regierung besteht man nach wie vor darauf, das System diene klar dem Schutz Europas vor möglichen Angriffen durch Iran und Nordkorea. Doch sie richten sich nicht gegen den Iran. Vielmehr wurde Schritt für Schritt eine existenzielle Bedrohung für Russland geschaffen.

Man beachte dieses kurze Video, in welchem ein deutschsprachiger Mainstream-Journalist in diesem Zusammenhang gegenüber dem russischen Präsidenten von einer Abwehrmaßnahme gegen den Iran, und nicht etwa Russlands, zu sprechen versucht. Der Lachanfall Wladimir Putins darauf lässt das Gesicht des Medienmannes ausrutschen, dieser Interviewausschnitt dürfte wohl in die Geschichte der „deutsch-russischen Freundschaft“ eingehen.

Schon im Februar 2007 betonte Putin als Gast der internationalen Münchner Sicherheitskonferenz in einer bemerkenswerten Rede, dass die angekündigte US-Raketenabwehr in Polen und der Tschechischen Republik keinesfalls defensiv, sondern vielmehr offensiv ausgerichtet sei. Sie richte sich eben nicht gegen den Iran, sondern gegen Russland. Wörtlich sagte Putin:

„Das bedeutet, dass die Nato ihre Stoßkräfte immer dichter an unsere Staatsgrenzen heranbringt… …es ist offensichtlich, dass der Prozess derNato-Erweiterung keinerlei Bezug zur Modernisierung der Allianz selbst oder zur Gewährleistung der Sicherheit in Europa hat. Im Gegenteil, das ist ein provozierender Faktor, der das Niveau des gegenseitigen Vertrauens senkt. Nun haben wir das Recht zu fragen: Gegen wen richtet sich diese Erweiterung? Und was ist aus jenen Versicherungen geworden, die uns die westlichen Partner nach dem Zerfall des Warschauer Vertrages gegeben haben?“

Putin hatte mit dieser Erklärung die Militärstrategie der USA offengelegt. Seit dieser Zeit übrigens sprechen westliche Medien von einem neuen Kalten Krieg zu Russland. Doch wer hat den Initialfunken entfacht? Wohl kaum die Russen.

Doch die westlichen Provokationen gegen Russland hörten einfach nicht auf: Ob es sich um wiederholte „Revolutionen“ in der Ukraine handelte, die zum großen Teil nachweislich vom Westen finanziert wurden, oder um diverse Putschversuche, bei denen, wie jüngst geschehen, ordnungsgemäß gewählte Präsidenten wie Wiktor Janukowytsch einfach vom Hof gejagt wurden. Von den unüberlegten Sanktionen gegen Russland fangen wir hier erst gar nicht an, auch nicht von dem merkwürdig ungleichen Kampf um die Krim. Und jetzt also, so berichtet die britische Zeitung „Guardian“ unter Hinweis auf einen Sprecher des Generalsekretärs, teilt der oberste Chef der Nato mit, dass bereits in den nächsten Stunden Truppen an den Grenzen der osteuropäischen Länder untergebracht werden könnten. Jeder „potentielle Aggressor“ solle wissen, dass wenn er „auch nur an einen Überfall auf einen Nato-Verbündeten denke, er es mit den Soldaten nicht nur dieses Landes, sondern auch mit den Militärs der Allianz zu tun haben“ werde, so Fogh Rasmussen.

Trotz all dieser Angriffe auf Frieden und Stabilität in Russland ist Wladimir Putin immer wieder zum Einlenken bereit gewesen. Denn natürlich weiß er, dass nicht nur Russlands Schicksal und das der Ukraine auf dem Spiel stehen, sondern der Frieden für die ganze Welt. Natürlich hat der russische Regierungschef auch längst Gegenmaßnahmen in Betracht gezogen und vorbereitet. Zum Beispiel setzt er durch die Mitgründung der BRICS-eigenen Bank den Dollar als Leitwährung unter Druck, eine schmerzliche Aussicht für die US-Administration und alle, die dazu gehören. Zum Beispiel erließ er auch heftige Sanktions-Gegenmaßnahmen, vor allem gegen die vom Handel abhängigen europäischen Länder. Die Polen müssen ihre reichhaltige Apfelernte jetzt selbst verputzen, was bekanntlich ja gesund sein soll, während die Holländer in Tomatensauce ertrinken, nachdem sie die Früchte im Ganzen nicht mehr loskriegen. Die westlichen Medien haben ihre verharmlosende Haltung gegenüber den russischen Gegenmaßnahmen unterdessen fast eingestellt, zu deutlich sind überall die Einbrüche erkennbar.

Wer gestern noch, vor dem Treffen am 27. August 2014, die offiziellen Medien gelesen hatte, der musste davon ausgehen, dass es schwierig werden würde für die Stabilität Europas. Man sprach überall bereits von Krieg, hatte kein Vertrauen in Putin. Doch was geschah? Das Gegenteil. Fast kleinlaut meldeten die Mainstreams danach, dass Russland den Friedensprozess doch „unterstützen“ wolle. Obwohl Putin niemals etwas anderes signalisiert hatte. Doch wer stand dem russischen Präsidenten bei dem wichtigen Treffen eigentlich gegenüber?

Der ukrainische Milliardär Petro Poroschenko ist ein Mann, der zweifellos die Interessen der westlichen Welt vertritt, und der erst vor wenigen Monaten in die ukrainische Regierung gesetzt wurde. Sein persönlicher Reichtum geht in die Milliarden, Poroschenko häufte, nach offiziellen Angaben, dieses Geld erst in den letzten Jahren an, zum Beispiel als Kakaobohnenhändler, als „Schokoladenkönig“. Er ist aus dem Holz eines echten Oligarchen geschnitzt, saß von 2007 bis 2012 im Notenbank-Aufsichtsrat, war Direktor der Nationalbank der Ukraine, war Generaldirektor der Aktiengesellschaft Börsenhaus „Ukraina“, und steht seinem langem der geschlossenen Aktiengesellschaft Ukrprominvest vor, ein Investment-Mischkonzern, der u.a. für Schiffs-und Rüstungsbau verantwortlich zeichnet. Auch kontrolliert Poroschenko eine Mediengruppe mit Fernseh-und Radiosendern, darunter der nicht unbedeutende Fernsehsender Kanal 5, sowie einige Nachrichtenmagazine. Wie praktisch.

Wer meint, dass es bei dem Treffen zwischen Putin und Poroschenko um echte Chancen für den Weltfrieden gegangen sei, der sollte sich alle geschilderten Zusammenhänge (es sind längst nicht alle) noch einmal genau betrachten. Würde Petro Poroschenko, wird die derzeitige ukrainische Regierung, den gewünschten Anschluss vieler Ukrainer an Russland je tolerieren?

Petro Poroschenko leitet übrigens eine von ihm selbst gegründete gleichnamige Stiftung. Diese Petro-Poroschenko-Stiftung ist eng zusammengeschlossen mit dem European Policy Centre in Brüssel, dessen Vorsitzende Poroschenkos Frau ist. Hier beschäftigt man sich „mit Angelegenheiten der europäischen Union“ und „hat sich verpflichtet, die Europäische Integration voranzutreiben, sowie die Diskussion und weiteres Nachdenken über die aktuellen und zukünftigen Fragen und Probleme der Europäischen Union zu fördern.“

Wenn es einen Kriegsfunken geben sollte in der nächsten Zeit, der so aussehen könnte, wie vom derzeitigen Nato-Chef Rasmussen beschrieben, dann müssen wir lernen, genau hinzuschauen. Wir sollten nicht vergessen, wie viele „Falsche Flaggen“ schon für einen Kriegseintritt zahlreicher Länder dieser Erde im zurückliegenden Jahrhundert gesorgt haben. Derzeit erscheinen die Chancen für wahren Frieden zwischen West und Ost nicht sonderlich stabil. Doch an wem liegt das?

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