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17 September 2014, 22:01

Experten zum Fall MH17

Experten zum Fall MH17
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STIMME RUSSLANDS Der Münzenbergsaal im Verlagsgebäude des "Neuen Deutschland" war gestern Abend ordentlich gefüllt, als zu einer Podiumsdikussion zum Absturz des Flugzeuges MH17 geladen wurde. Mit dabei Bolle Selke, um heute für uns davon zu berichten.

Sage und schreibe 130 Leute versammelten sich am 16.09. zu einem öffentlichen Forum unter dem Titel: "298 Menschen getötet - für „Menschenrechte“ und „Neuordnung der Welt“?" Das war die Frage, die als Aufhänger für die Veranstaltung zum Absturz des Malaysian Airlines-Fluges MH 17 über der Ukraine gestellt wurde. Auf dem Podium saßen als Fachleute unter anderem Lufthansa-Flugkapitän a.D. Peter Haisenko und Oberst a.D. Bernd Biedermann, die in der ersten Hälfte der Veranstaltung den Absturz der Maschine anhand der vorliegenden Indizien sachgemäß beurteilten. Einig war man sich über den Zwischenbericht, welcher am 9. September vom holländischen Sicherheitsboard veröffentlicht worden ist.

Kapitän a.D. Haisenko: „Dieser Zwischenbericht ist das Papier nicht wert, auf dem er gedruckt worden ist.“

„Dieser Bericht, der lügt nicht, überhaupt nicht, er sagt nämlich gar nichts, der kann gar nicht lügen.“ 

Einigkeit herrschte auch darüber, dass die Indizienlage für eine schlüssige Bewertung des Absturzes zu knapp ist. Hier stellt sich jedoch die Frage, warum das so ist. Laut Kapitän Haisenko sollte nämlich allein der Flugschreiber, welcher in Holland vorliegt, ausreichen, um ein ziemlich genaues Bild des Herganges zu zeichnen: 

„Der Flight Recorder nimmt alles auf, was das Flugzeug technisch tut: was der Motor leistet, wie der Innendruck war, wie die Höhe war, welche Stellungen die Steuerruder hatten, welche Stellungen die Steuerruder im Cockpit hatten, also restlos alles, was da passiert. Wenn man diesen Flight Recorder an einen Simulator anschließt, dann kann dieser Simulator exakt das nachzeichnen, was in diesem Flugzeug passiert ist.“ 

Diese Angaben fehlten aber im Zwischenbericht. Eine andere Erklärung, als dass diese Ungenauigkeit des Berichtes politisch gewollt ist, fällt schwer. Flugkapitän a.D. Peter Haisenko brachte trotzdem einige Beweise vor, die auf einen Luft-Luft-Angriff schließen ließen und somit direkt das ukrainische Militär als Verantwortlichen benannten. Einer der Beweise war ein Foto vom Cockpit des Flugzeuges, das auch im Münzenbergsaal vorlag, allerdings sofort nach Erscheinen aus dem Internet gelöscht worden war. Kapitän a.D. Haisenko hatte sich das Foto in weiser Voraussicht auf seine Festplatte heruntergeladen: 

„Man kann hier eines deutlich sehen, es sind an diesem Bild weitgehend runde Löcher vorhanden, und zwar nach innen gebogen, ich interpretiere das als Einschüsse. Und dann hat man auf diesem Bild aber auch Metallteile, die nach außen gebogen sind. Das heißt, hier muss etwas vom Cockpitinneren nach außen gelangt sein, und ich habe mir das nicht einfach gemacht, habe lange darüber nachgedacht, was da passiert sein kann. Der einzig mögliche Schluss, den ich aus diesem Bild und vier, fünf weiteren, die ich noch gefunden habe, ziehen konnte, ist, dass dieses Flugzeug unter heftigem Beschuss stand.“ 

Indirekt wurden auch weitere Experten, die sogar an der Abschussstelle vor Ort waren, als Kronzeugen zu Rate gezogen: 

„Ich habe dann auch den Bericht von dem Herrn Bociurkiw gefunden, das ist ein OSZE-Mitarbeiter aus Kanada, ein gebürtiger Ukrainer, der hat im amerikanischen Fernsehen berichtet, was er ein oder zwei Tage vor Ort gesehen hat, und er hat eben auch Teile dieses Cockpits gesehen, die mittlerweile weitgehend vor Ort verschwunden sind – wo immer sie hingeräumt worden sind –. und der sagte, klar, was er dort gesehen hat, "was very, very heavy machine gun fire".“

Also sehr, sehr schweres Maschinengewehrfeuer, dass diese Teile getroffen hat, zu dieser Schlussfolgerung ist Kapitän a.D. Haisenko auch aufgrund seiner Beobachtungen gekommen. Maschinengewehrfeuer in der Höhe, in der sich die MH-17 befunden hat, kann nur von einem anderen Flugzeug stammen. Die einzigen Flugzeuge, die aber vor Ort gewesen sein könnten, um die MH 17 zu beschießen, sind ukrainische Su-25-Kampfflieger. 

Die in den westlichen Medien vorherrschende Erklärung des Absturzes ist aber, dass die Boeing MH 17 von Aufständischen mit einer sogenannten BUK-Rakete vom Boden abgeschossen worden ist. Diese Theorie wurde von Oberst a.D. Biedermann weitestgehend entkräftet:

"Wenn eine solche Flakrakete startet, dann gibt es einen Knall, der kilometerweit nicht zu überhören ist, weil schlagartig Tonnen von Schubkraft frei werden und innerhalb von Sekunden die Flakrakete auf Überschall beschleunigt wird, dann wackelt die Erde, erstens. Zweitens ist die Flugbahn einer solchen Flakrakete unübersehbar zu erkennen, weil sie einen Kondensstreifen hinterlässt. Also, Leute, die auf diesem Territorium leben oder lebten, hätten das unbedingt bemerken müssen, nichts von alledem ist irgendwo bestätigt worden.“ 

Aufgrund der an diesem Abend präsentierten Fakten sind Oberst a.D. Biedermann und Kapitän a.D. Haisenko unabhängig voneinander zu derselben Schlussfolgerung gekommen: 

„Deshalb haben wir, ich aus meiner Sicht und der Kapitän a.D. aus seiner Sicht, gesagt, diese erste Variante, die in den Medien vertreten wurde, immer wieder aufgewärmt wurde, hatte nur ein Ziel, nämlich eine eindeutige Schuldzuweisung an die Seite, die man als Schuldigen sehen wollte.“ 

Wie es aber dazu kommen konnte, dass die westlichen und vor allem die deutschen Medien die Theorie des Abschusses durch Aufständische so bereitwillig, trotz der mangelhaften Beweislage, aufgenommen haben, darüber berichtete an dem Abend Hubert von Brunn, selbst Journalist mit langjähriger Erfahrung in den verschiedensten Medien: 

„Wir müssen eins ganz klar festhalten, kriegerische Auseinandersetzungen sind immer auch Propagandakriege, und jede Seite benutzt die Medien, auf die sie Zugriff hat, für sich. Um sich selbst möglichst gut darzustellen und die andere möglichst böse. Das ist so, das war immer so in der Neuzeit.“ 

Mit dieser Fülle an Informationen endete gerade einmal die erste Hälfte des Abendprogramms. Das Angebot des öffentlichen Forums wurde auch bereitwillig angenommen, und es gab eine Menge an Wortmeldungen, einerseits Fragen, aber andererseits auch Teilnehmer, die ihre eigenen Beobachtungen mitteilen wollten. 

In der zweiten Hälfte kamen dann Dr. Walter Rösler von der Akademie der Wissenschaften der DDR, Wolfgang Grabowski vom Arbeitskreis Frieden der Rosa-Luxemburg-Stiftung e.V. und Wilfried Handwerk vom Deutsch-Ukrainischen Wirtschaftsverein e.V. zu Wort. Es wurde ein klares Bild vom politischen Klima in der Ukraine und in den USA. gezeichnet. Einem Klima, in dem der Abschuss eines Passagierflugzeuges durch das Militär und eine anschließende Vertuschung durch die Medien durchaus denkbar wäre. Eindeutige Antworten konnte die Veranstaltung nicht liefern, aber sie wurde in vollstem Maße dem von Organisator Johannes Schäfer eingangs ausgegeben Leitzitat gerecht, nach Immanuel Kant: „Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen.“

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