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17 September 2014, 22:18

Umstrittener Besuch von Staatschef aus Katar in Berlin

Umstrittener Besuch von Staatschef aus Katar in Berlin
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STIMME RUSSLANDS Deutschland und das Emirat Katar wollen ihre Wirtschaftsbeziehungen ausbauen. Dazu ist der Staatschef Katars, Scheich Tamim Bin Hamad Al Thani, heute und morgen zu Besuch in Berlin. Gesprächsthema ist möglicherweise auch der Kampf gegen den IS im Irak und Syrien. Über die Hintergründe des Besuches spreche ich jetzt mit Hendrik Polland von der STIMME RUSSLANDS-Redaktion.

Die Kanzlerin hat erst im vergangenen Jahr weitere Investitionen Katars in Deutschland willkommen geheißen. Dieser Punkt dürfte wohl sehr weit oben auf der heutigen Gesprächsliste stehen. Welche Bedeutung hat Katar bisher für die deutsche Wirtschaft?

So wie es aussieht, eine hohe. Katar ist laut eigener Aussage der größte arabische Investor in Deutschland. Das Land ist beispielsweise zu 17 Prozent mit seinem Geld an dem Automobilhersteller Volkswagen beteiligt. Im Baukonzern Hochtief steckt Katar mit etwa 12 Prozent drin, in der Deutschen Bank und in Siemens mit jeweils 5,8 und 5,1 Prozent. Insgesamt macht das ein bisheriges Investitionsvolumen von 14 Milliarden Euro aus. Katar wird für Deutschland aber auch als Lieferant von Flüssiggas immer wichtiger. Denn Deutschland sucht langfristig nach Alternativen zu Gas aus Russland. Katar hat weltweit die drittgrößten Vorkommen an Flüssiggas. Deshalb sollen die Beziehungen in dieser Hinsicht ausgebaut werden. Dazu kommt noch ein Punkt, der oft in der Kritik steht. Katar ist für Deutschlands Rüstungsindustrie der wichtigste Abnehmer. Allein von Januar bis Juni des vergangenen Jahres hatte die Bundesregierung Ausfuhrgenehmigungen in Höhe von 635 Millionen Euro erteilt. Sehr begehrt sind dabei wohl Leopard-Kampfpanzer. 

Die Beziehungen zu Katar sind umstritten. Was sind die häufigsten Vorwürfe? 

Katar ist in den letzten Monaten vor allem wegen anscheinend menschenunwürdiger Arbeitsbedingungen auf den Großbaustellen in die Kritik geraten. In Katar entstehen gerade neue Gebäude und Stadien für die geplante Fußball-Weltmeisterschaft in acht Jahren. Dort ist die Rede von Ausbeutung und wenig vorhandener Sicherheit. Und davon sind vor allem die Gastarbeiter betroffen. Die Zahl der Toten soll deshalb schon in den Hunderten sein. Anfang des Jahres waren es mehr als 190. Mittlerweile kommt ein weiterer wesentlicher Kritikpunkt hinzu. Katar wird unterstellt, dass es Terrororganisationen wie die Hamas und auch den IS zum Beispiel finanziell unterstützt. Deshalb melden sich wegen des zweitägigen Besuches von Katars Emir Scheich Al Thani Vertreter aus der Opposition und selbst vom Koalitionspartner SPD zu Wort. Mehrheitlich heißt es, dass das sunnitisch geprägte Katar erklären soll, wie und ob es etwa dem ebenfalls sunnitischen IS hilft. Solange das nicht eindeutig geklärt sei, sind auch Waffenlieferungen an Katar umstritten. Katar versucht aber gegenzulenken. Es hat stellt sich offiziell auf die Seite Europas und der USA im Kampf gegen den IS. 

Katars Staatschef ist Scheich Tamim Bin Hamad Al Thani. Er führt seit dem vergangenen Sommer das Land. Was ist über ihn bekannt?

Al Thani ist 34 Jahre alt. Er gilt damit als der jüngste Staatschef der arabischen Welt. Sein Vater Hamad bin Chalifa Al Thani hatte ihm erst im vergangenen Jahr den Thron übergeben. Dabei wird eines bisher klar: Tamim Al Thani setzt den Kurs seines Vaters fort. Das heißt, auch er vermittelt weiter in regionalen Konflikten, soll aber dabei eben auch nicht den Kontakt zu Islamisten und Extremisten scheuen. Dieser Besuch in Berlin ist sein erster Staatsbesuch in Deutschland.

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