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10 Oktober 2014, 20:30

Wenn der Autor zum Geschäftsführer wird

Wenn der Autor zum Geschäftsführer wird
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STIMME RUSSLANDS Auf der Frankfurter Buchmesse stellen sich nicht nur Verlage und Buchhändler vor, sondern vor allem Autoren. Sie halten Lesungen und präsentieren ihre neuen Bücher. Allen voran boomt der Markt rund um das sogenannte Self-Publishing. Dazu ein Bericht von Jana Hermanovskaja.

Noch vor wenigen Jahren mussten Autoren bei Verlagshäusern anklopfen und hoffen, dass ihre Romane, Sachbücher oder Krimis vom Verlag angenommen werden. Das Internet bietet als Plattform neue Möglichkeit für Autoren zu publizieren. Thorsten Simon vom BOD Verlag beschäftigt sich zurzeit auf der Buchmesse mit Self-Publishing und erklärt, was unter diesem Begriff zu verstehen ist:

„Self-Publishing ist im Endeffekt, dass jeder Autor heutzutage, so wie er es sich vorstellt, selbst Werke professionell in den Buchhandel bringen kann. Dafür gibt es Dienstleister, bei dem er sein Manuscript hochladen kann.“

Der Dienstleister hilft dem Self-Publisher beim Publizieren, übernimmt aber im Vergleich zu einem klassischen Buchverlag keine weiteren Arbeiten wie der Buchcover-Produktion oder dem Korrekturlesen. Self-Publishing nimmt demnach die Autoren in die Pflicht. Sie sind selber für ihre Werke und deren Verbreitung zuständig. Dass es auch ohne Verlag klappen kann, zeigt Indie-Autor Mark Franley:

„Es ist ja bekannt, dass man bei Verlagen sehr schwer unterkommt, und wenn man eben selbst schreibt und verlegen will, dann bietet sich das Self-Publishing an.“

Self-Publishing bietet laut Franley daher einen guten Einstieg für Autorenanfänger. Vor allem der Internetbuchhändler Amazon setzt voll auf das Geschäft mit freien Autoren und ihren E-Books. Franley kommentiert:

„Die beste Werbung ist, bei Amazon gesehen zu werden, und darüber hinaus natürlich Facebook, Youtube oder auch die ein oder andere Website, die Bücher anpreist.“

Doch nicht nur für Indie-Autoren, sondern vor allem für Groschenroman-Autoren bietet das Internet eine gelungene Plattform. Zwei zurzeit sehr erfolgreiche Autorinnen in diesem Bereich sind Emily Bold und Poppy J. Anderson. Sie sind zurzeit gefragte E-Book-Autorinnen. Beide schreiben Unterhaltungsromane über Liebe und Leidenschaft. Emily Bold erklärt, wie sie für ihre Bücher wirbt:

„Hauptsächlich verwende ich die Socialmedia-Kanäle für meine Werbung. Ich habe einen Newsletter, ich habe einen Blog. Ich werbe über Twitter, Facebook, Instagram. Ich komme mit meinen Büchern hier auf die Messe, mache Lesungen.“

Während Indie-Autor Franley seine Buchpreise nach der bestehenden Anfrage richtet, setzt Bold den Wert für ihre Bücher wie folgt fest:

„Ich lege meine Preise nach der Dicke der Bücher fest. Ich habe Novellen, die 99 Cent kosten. Aufwändigere und seitenstärkere Bücher kosten bis zu 3,99 Euro.“

Wenn man seine Werke über einen Verlag publiziert, verdient der Autor pro Buch weitaus mehr als nur 99 Cent. Was also ist der Vorteil am Self-Publishing, wenn man dabei so geringe Einnahmen hat? Und welche Nachteile hat Self-Publishing? Bold erklärt:

„Ein ganz klarer Vorteil im Self-Publishing-Bereich ist, dass ich mein eigener Herr bin, dass ich tun und lassen kann, was ich möchte, dass ich keinen Druck habe, meine Titel zu einem bestimmten Zeitpunkt zu veröffentlichen, sondern alles liegt in meiner Hand. Der Nachteil ist natürlich, dass ich auch alles tun muss. Also vom Schreiben über den Satz, über das Lektorat, über die Coverentscheidung, über die Distribution: Das alles liegt im Prinzip in meinen Händen.“

Die Rechte auf seine eigenen Werke ist dem Self-Publisher zu 100 Prozent überlassen. Die einzigen Abzüge, mit denen ein E-Book-Autor rechnen muss, sind Steuern und diverse Abgaben an die genutzten Plattformen. Allerdings zahlt man diese erst nach Verkauf des E-Books. Das heißt, wenn der Autor nichts verkauft, muss er auch nichts zahlen. Laut Simon bietet das Hochladen überhaupt keine Gefahren für den Autor. Es gibt auch keinerlei finanzielle Risiken beim Self-Publishing. Ist Self-Publishing demnach für die Verlage eine bedrohliche Konkurrenz? Simon von BOD erläurtert:

„Verlagshäuser reagieren auf den Boom. Self-Publishing boomt nicht nur in Deutschland, sondern international. Dementsprechend reagieren die Verlage: Sie bieten eigene Plattformen an, nutzen Self-Publishing aber auch als Talentsichtung für erfolgreiche Autoren, die sich im Self-Publishing durchgesetzt haben.“

Bold und Anderson stellen ihre Werke zurzeit auf der Frankfurter Buchmesse vor. Sie beschäftigen sich viel und gerne mit Eigen-PR, suchen den Zugang zum Leser. Doch kann man theoretisch auch ein erfolgreicher E-Book-Autor werden, ohne ins Rampenlicht rücken zu müssen? Emily Bold sagt:

„Wir leben eigentlich von der Lesernähe. Von daher halte ich das jetzt wiederum für sehr schwierig.“

Nachdem man den Durchbruch als Self-Publisher und E-Book-Autor erstmal geschafft hat, wird man auch gerne bei Verlagshäusern unter Vertrag genommen. Poppy J. Anderson gehört mittlerweile zu den Top-100 Amazon-Autoren und wird demnächst ihre Bücher über klassische Buchverlage verlegen. Sie selbst kommentiert das Self-Publishing wie folgt:

„Die E-Books bleiben auch weiterhin bei mir. Das mache ich auch weiterhin als Self-Publisherin. Aber meine drei ersten Romane kommen auch als Taschenbuch raus. Also über einen Verlag.“

Self-Publishing ist eine gewisse Revolution auf dem Buchmarkt. Anderson stimmt zu:

„Ich denke, dass Self-Publishing eine Revolution ist, weil wirklich jeder, der das Bedürfnis hat, ein Buch zu veröffentlichen, das auch tun kann.“

Für alle, die schon immer Schriftsteller werden wollten, ist Self-Publishing ein sanfter Karriereeinstieg. Buchplattformen bieten eine günstige Möglichkeit, von der Leserschaft und von den Verlegern wahrgenommen zu werden, sich auszuprobieren und unabhängig zu bleiben.

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