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27 Oktober 2014, 17:05

Sprüche der Woche: Putin bei Waldai-Diskussionsforum; USA-Russland: Eiszeit; Der Tod eines Top-Managers

Sprüche der Woche: Putin bei Waldai-Diskussionsforum; USA-Russland: Eiszeit; Der Tod eines Top-Managers
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STIMME RUSSLANDS Um auf Wladimir Putins Rede vor den Mitgliedern des internationalen in Sotschi zurückzukommen, die außergewöhnlich heftig klang: nach München haben wir so eine derart „explosive“ Rede von unserem Präsidenten lange nicht gehört. Wir wollen die spektakulärsten Sprüche unseres Präsidenten bei der Tagung „Weltordnung: neue Regeln oder ein Spiel ohne Regeln?“ zitieren.

Über die Aufforderung der USA, die Krim der Ukraine zurückzugeben:

„Es gibt ein antikes Sprichwort: „Was dem Jupiter erlaubt ist, ist dem Ochsen nicht erlaubt.“ Ein Bär fragt aber keinen um Erlaubnis. Und gibt seine Taiga nicht preis. Finger weg von uns, und spielt euch nicht als Lenker des Schicksals der Welt auf.“

Über die Auslegung des Geschehens in der Ukraine durch den Westen:

„Ich habe schon unseren alten, etwas groben Witz "mit Bart" angeführt. Hier ist er: Ein Pessimist und ein Optimist. Der Pessimist trinkt Kognak, verzieht das Gesicht und sagt: "Es stinkt nach Wanzen." Der Optimist fängt eine Wanze an der Wand, zerdrückt sie, riecht an ihr und meint: "Es riecht nach Kognak." Lieber ist man ein Pessimist, der Kognak trinkt, als ein Optimist, der an Wanzen riecht.“

Über das Verhalten der USA auf der Weltbühne:

„So verhalten sich Neureiche, denen plötzlich ein kolossaler Reichtum in den Schoß gefallen ist: die Weltführerschaft. Anstatt ihn sachgemäß, umsichtig auszunutzen – versteht sich, auch zu eigenen Gunsten –, haben sie unnötig Porzellan zerschlagen.“

Über die Sanktionen gegen Russland:

„Unsere amerikanischen Freunde sägen einfach an dem Ast, auf dem sie sitzen.“

Über die Ukraine-Krise:

„Auf uns wollte keiner hören, keiner wollte mit uns reden. Man hat uns nur gesagt: "Es geht euch nichts an." Das war es denn auch mit der Diskussion. Und man hat es statt eines schwierigen, aber zivilisierten Dialogs zum Staatsstreich kommen lassen, das Land ins Chaos, in die wirtschaftliche und soziale Zerrüttung, in den Bürgerkrieg mit unzähligen Opfern gestürzt. "Wozu?", frage ich. Keiner antwortet, man zuckt mit den Schultern: "So ist es eben gekommen."“

Über die Farbrevolutionen im postsowjetischen Raum:

„Unsere Kollegen im Westen haben seinerzeit versucht, diese Prozesse irgendwie zu lenken, regionale Konflikte auszuspielen, "Farbrevolutionen" im eigenen Interesse zu konstruieren. Der Geist ist aber aus der Flasche ausgebrochen, selbst die Urheber der Theorie des kontrollierbaren Chaos scheinen ratlos zu sein, wie dem beizukommen wäre. In ihren Reihen herrschen Verwirrung und Schwanken.“

Über die UdSSR:

„Chruschtschow hat in der Uno mit seinem Schuh gefuchtelt, aber man vermied es, Obervolta mit Atomraketen zu reizen. Wohl waren wir ein Obervolta, dafür gab es Raketen in rauen Mengen. Die Sowjetunion existiert nicht mehr, so eine Lage ist entstanden – und solche Versuchungen. Man braucht Russland nicht zu beachten, es ist stark abhängig, es hat beim Zerfall der Sowjetunion einen Wandel durchgemacht, wir werden machen, was wir wollen, ohne beliebige Regeln zu respektieren – so verhält es sich ja in Wirklichkeit.

Der Irak, Libyen und Afghanistan, vordem auch Jugoslawien: hielt sich dies alles etwa im Rahmen des Völkerrechts? Wieso erzählt ihr uns Märchen, jemand dürfte keine Rücksichten nehmen, wir aber dürften die lebenswichtigen Interessen der russischsprachigen und russischen Bevölkerung der Krim nicht schützen? Das kauft euch keiner ab, und ich will, dass dies alle einsehen, und man muss dieser Verlockung standhalten und von den Versuchen absehen, sich die Welt anzupassen. Man muss ein ausgewogenes System von Interessen und Beziehungen aufbauen. Das ist längst weltweit verankert, man hat sich nur daran zu halten. Wir sind uns darüber im Klaren, dass sich die Welt verändert hat. Und wir sind bereit, dieses System dementsprechend zu korrigieren, aber wir können ein vollständiges Ignorieren unserer Interessen nicht hinnehmen und werden es nicht tun.“

Über Janukowitsch, mit Ironie:

„Auch so ein Prachtstück... Ich will es nicht leugnen: wir haben Janukowitsch geholfen, auf die Krim umzuziehen, und er hat sich dort ein paar Tage aufgehalten.“

Und ganz ernst über die Zukunft:

„Bauen wir kein klares System der gegenseitigen Verpflichtungen und Vereinbarungen auf, entwickeln wir keine Mechanismen zur Bewältigung von Krisensituationen, werden sich die Anzeichen der globalen Anarchie unvermeidlich mehren.“

Auf einer der Tagungen des Waldai-Klubs unter Ausschluss der Medien hat der Erste Vizechef der Präsidialverwaltung Putins, Wjatscheslaw Wolodin, einen Satz fallen lassen, der im Internet hohe Wellen schlug: „Gibt es Putin, gibt es auch Russland; ohne Putin gibt es kein Russland.“ Darauf reagierte Putin selbst:

„Ich fühle eine Bindung zum russischen Boden, zum russischen Volk. Auch könnte ich nimmer außerhalb Russlands leben. Russland dagegen kann meinesgleichen natürlich entbehren.“

Der russische Außenminister Sergej Lawrow hat die jetzigen Beziehungen zwischen den USA und Russland ziemlich zutreffend als Talsohle bezeichnet, die man verlassen sollte. Ein Kommentar des Politologen Alexej Muchin:

„Die Eiszeit in den Beziehungen zwischen den USA und Russland wird lange anhalten. Das bedeutet aber nicht, draußen sei der Kalte Krieg 2.0 angebrochen. Die USA verwandeln sich heutzutage zunehmend in eine klassische Rohstoff-Supermacht, also in das, was sie oft Russland vorgehalten haben, wobei sie den Status des internationalen Produktionszentrums an China und andere Länder Asiens abtreten. Gerade die USA haben vor, demnächst zum größten Ausfuhrland für Energieträger zu werden, dafür schaffen sie sich auch Raum auf dem Markt, indem sie die Konkurrenz, insbesondere Russland, verdrängen.

Dabei wiederholen die Vereinigten Staaten den Hauptfehler der Sowjetunion: auf der Jagd nach einer Erweiterung und Festigung ihres Einflusses haben sie auch andere Exporte verstärkt, und zwar den Export von Revolutionen. Die historische Erfahrung lehrt uns, dass ein solcher Exporteur selbst nicht lange lebt und das Vertrauen zu ihm überall und allerorts untergraben wird. Ein Beweis dafür sind die niedrigen Umfragewerte von Barack Obama und die wachsende Zahl der Unzufriedenen unter den Nato-Partnern der Vereinigten Staaten. Indem Washington diese Tatsachen übersieht, drängt es sich in eine sicherere Isolation als die, in die es Russland mit den berüchtigten Sanktionen zu treiben sucht.“

Die Umfrage der Woche wurde von Meinungsforschern Russlands und der Ukraine durchgeführt. Sie haben ein aufrichtiges Unverständnis zwischen den Bürgern beider Staaten festgestellt. 70 Prozent der ukrainischen Bürger halten den bewaffneten Konflikt für einen wahren Krieg gegen Russland. Ihnen stimmen nur 25 Prozent der Russen zu. Dabei machen 60 Prozent der Befragten in der Ukraine für das Blutbad im Osten des Landes Russland verantwortlich. In unserem Lande ist das Verhältnis ein umgekehrtes: 75 Prozent glauben, Russland sei für die Opfer unter dem Brudervolk nicht verantwortlich.

Laut Meinungsforschern ist die öffentliche Meinung von der Propaganda in den russischen Medien geprägt. In der Ukraine wird der Informationskrieg nicht weniger raffiniert betrieben, daher kommen die konträren Umfrageergebnisse in beiden Ländern. Die Experten des Lewada-Zentrums verweisen darauf, dass Russlands Beteiligung am Konflikt im Südosten der Ukraine von den Ukrainern schwerer genommen wird. Es heißt sogar, Russland habe die Ukraine überfallen. Experten führen das darauf zurück, dass die ukrainischen Behörden mit den negativen Folgen der eigenen Politik konfrontiert wurden und versuchen, äußere Kräfte ausfindig zu machen, auf die sie die Verantwortung für das Geschehen abwälzen könnten.

Verlust der Woche war der Tod des einflussreichen Topmanagers von Weltrang und Chef des französischen Energiekonzerns Total, Christophe de Margerie, am Moskauer Flughafen Wnukowo. Sein Privatjet kollidierte mit einem Schneepflug. Der Vizechef des Verkehrsministeriums, Valeri Okulow, erklärte nach dem Besuch in Wnukowo:

„Für diese Schlamperei habe ich keine Worte.“

Ähnlich hat auf das Ereignis auch der offizielle Sprecher des russischen Ermittlungskomitees, Wladimir Markin, reagiert:

„Schon jetzt ist klar, dass der Unfall keinesfalls von einer furchtbaren, tragischen Koinzidenz verursacht wurde, wie es die Sprecher des Flughafens hinzustellen versuchen, sondern von der verbrecherischen Untätigkeit der Amtspersonen, denen es nicht gelungen ist, ein koordiniertes Handeln der Mitarbeiter des Flughafens zu gewährleisten.“

Konstantin Simonow, Generaldirektor der Stiftung für nationale Energiesicherheit, ist schockiert:

„Ein für Russland sehr wertvoller Mann ist ums Leben gekommen. Total gehört zu den bedeutendsten Investoren unserer Erdöl- und Gasindustrie. Ich glaube, diese Geschichte ist für uns höchst peinlich, sowohl im Hinblick auf das Ansehen Moskaus als einer modernen Stadt, als auch generell hinsichtlich der Heranziehung von ausländischen Unternehmen nach Russland.“

Russland „rächt sich“ an sich selbst, schreibt bitter Michail Rostowski, Kolumnist der Zeitung „Moskowski Komsomolez“:

„Ähnliches kann überall passieren – und passiert auch manchmal. Jeder von uns kann jederzeit aus dieser Welt scheiden. Dagegen ist kein Kraut gewachsen. Aber politische Auswirkungen können bei diesem unsinnigen Flugzeugunglück nicht ausbleiben. Sie werden darin liegen, dass der negative emotionale politische Kontext, der inzwischen im Westen um Russland entstanden ist, sich zusätzlich verschärft. Äußere Feinde sind sicher in der Lage, Russland sehr empfindliche Schläge zu versetzen. Das ist aber nichts gegen die Schläge, die wir uns selbst versetzen.“

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