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30 Oktober 2014, 12:30

China umgarnt Afghanistan: Basare und Bodenschätze im Visier

China umgarnt Afghanistan: Basare und Bodenschätze im Visier

STIMME RUSSLANDS Afghanistan und seine Rohstoffe locken China an, kommentiert ein russischer Experte im Hinblick auf den derzeitigen Peking-Besuch des neuen afghanischen Präsidenten Ashraf Ghani. Dieser begrüßt Chinas Investitionen. Die zunehmende chinesische Präsenz am Hindukusch ist auch im Alltag spürbar.

China interessiert sich seit langem für Afghanistan. Das sagte Wjatscheslaw Nekrassow, der im Föderationsrat, dem russischen Oberhaus, Kontakte mit dem afghanischen Parlament koordiniert. Die russische „Nesawissimaja Gaseta“ zitierte Nekrassow am Donnerstag mit den Worten: „Noch in den 1960er Jahren, als viele Parteien in Afghanistan gebildet wurden, gab es auch eine Maoisten-Partei. Sie hieß ‚Stimme der Massen‘. Die Ideen von Mao Zedong übten in den 1970er und 1980er Jahren einen ziemlich großen Einfluss. Ihre Befürworter dürfen als linke Radikale bezeichnet werden.“

Während des sowjetischen Einsatzes am Hindukusch habe China den Mudschaheddin Rückendeckung gegeben und Waffen geliefert. Bis heute könne man Kalaschnikows aus chinesischer Produktion in Afghanistan kaufen – sie seien allerdings viel billiger als das sowjetische Original. Generell breite sich die chinesische Präsenz in Afghanistan aus. Das lasse sich mit einer Brandung vergleichen, die nicht zu stoppen sei, hieß es.

„Äpfel, Zwiebeln, Knoblauch und Kräuter aus Chins sind auf afghanischen Basaren erhältlich. Schnelldrehende Konsumgüter aus China wie Kleidung, Taschenlampen und so weiter überfluten Afghanistan“, sagte Nekrassow.

Allerdings sei es den Chinesen vorerst nicht gelungen, das zweitgrößte Kupfervorkommen der Welt nahe Kabul zu erschließen, so Nekrassow weiter. Zwar habe China die Ausschreibung für das Ainak-Vorkommen gewonnen, doch das Projekt sei unter US-Druck ins Stocken geraten. Man habe den Chinesen kein Gelände zur Verfügung gestellt, um die Fachleute zu unterbringen. Später seien die Arbeiten ausgesetzt worden, weil archäologische Ausgrabungen vor Ort laufen.

In Bezug auf die allgemeine Situation im Sicherheitsbereich sagte Nekrassow: „China und Afghanistan haben einen direkten Grenzabschnitt. Die chinesischen Behörden müssen sich den Kopf darüber zerbrechen, wie die Ausbreitung der islamistischen Ideologie über diese Grenze gestoppt werden kann.“

Vor seiner Ankunft in China hatte der neue afghanische Präsident in der laufenden Woche gesagt, mit seinen reichen Rohstoffvorkommen könne Afghanistan einen Durchbruch beim Wiederaufbau seiner Wirtschaft erzielen. „Chinesische Unternehmen investieren in diesen Bereich. Wir begrüßen das“, so Ashraf Ghani.

Die Agentur Xinhua zitierte ihn weiter mit den Worten: „Ich bin davon überzeugt, dass China eine wichtige Rolle beim Wiederaufbau in Afghanistan und bei dessen künftigem Friedensprozess spielen soll“. Afghanistan könne eine Art Brücke zwischen China, den USA und Europa sein, so Ghani.

Der Präsident, der sein Amt erst seit einem Monat bekleidet, betonte, seine Aufgabe bestehe derzeit darin, das Vertrauen des Volkes zur neuen Regierung zu festigen: „Zu viele Wunden wurden Afghanistan zugefügt. Nun müssen wir sie heilen lassen.“

Der russische Außenminister Sergej Lawrow sagte am Mittwoch, das neue Kabinett in Kabul mache hoffentlich den afghanischen Staat stärker und fördere kollektive Bemühungen darum, die Situation in und um Afghanistan zu stabilisieren sowie die Terror- und die Drogengefahr zu bekämpfen.

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