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24 Dezember 2014, 20:03

Kiew versinkt ohne Gas und Kohle im Dunkeln

Kiew versinkt ohne Gas und Kohle im Dunkeln

STIMME RUSSLANDS Kiew erlebt einen akuten Energiemangel. Es gibt praktisch keine europäischen Revers-Gaslieferungen, mit russischem Gas muss stark gespart werden. Da dem Land die Kohle ausgegangen ist, haben fächerartige Stromabschaltungen begonnen. Aus der Republik Südafrika haben die Kohlelieferungen aufgehört, mögliche Lieferungen aus Australien sind fraglich. Im widerspenstigen Südosten und auch in Russland will Kiew keine Kohle kaufen. Und ohne Bezahlung wird keiner Kiew Kohle liefern wollen. Kiew aber hat dieses Geld jetzt nicht.

Kiew befindet sich somit in einer Sackgasse. Das Energiesystem des Landes bricht wie ein Kartenhaus zusammen. Der Westen, der der Ukraine jegliche Hilfe zugesagt hatte, beeilt sich nicht, seine Versprechungen in konkrete Schritte umzuwandeln. Und die lauten Worte Moskau gegenüber, man werde ohne dessen Gas und Kohle auskommen, verstummten vor dem allgemeinen Hintergrund in Kiew endgültig.

Die Ukraine bemüht sich auf jegliche Weise, die Ausgaben für den Kauf des Gases bei Moskau zu verringern. Bis zum Jahresende wird Kiew nicht mehr als eine Milliarde Kubikmeter Gas kaufen. Und das, wo die Gaspipeline vorher überhaupt gesperrt war und die unterirdischen Depots nicht aufgefüllt worden waren. Anstatt des russischen Gases soll europäisches Gas kommen. Die Slowakei plant, die Lieferungen um 20 Prozent zu steigern. Aber all die lauten Reden füllen vorerst nicht das Gastransportnetz der Ukraine. Das Gas aus Polen reicht nicht aus, und Ungarn hat die Gas-Reverslieferungen überhaupt eingestellt. Außerdem, um bei den Europäern Gas zu kaufen, müsse man zahlen, und damit habe Kiew Probleme, sagt der Präsident des Instituts für Energiewirtschaft und Finanzen, Wladimir Fejgin, und fährt fort:

„Die Ukraine hat mit allem Probleme. Denn das Gas, das sie aus Europa bekommt, muss bezahlt werden, wie es ein jeder Käufer in der EU tut. Dort gibt es keinen solchen Begriff wie Verschuldung usw. Möglicherweise wird dort eine Infrastruktur für Reverslieferungen erbaut. Aber eben nicht für diese Wintersaison, vielleicht in ein-zwei Jahren.“

Ähnlich ist es auch mit den Kohlelieferungen. Wegen der Kampfhandlungen im Donbass, der seinerzeit die „Kohle-Hauptstadt“ der Ukraine war, hat das Land seine wichtigsten Kohlegruben verloren, und zugleich ist es ohne Brennstoff geblieben. Der Ukraine fehlen bis zum Ende der Herbst-Winter-Saison 10 bis 12 Millionen Tonnen Kohle. Zuvor hatte die Ukraine Energieträger aus der eben nicht gerade nah liegenden Republik Südafrika importiert. Aber diese Kohle war von ungenügender Qualität. Die Republik Südafrika hat dafür eine andere Version – Kiew habe einfach aufgehört, die bereits gelieferte Kohle zu bezahlen. Die Südafrikaner hatten zudem die Antikorruptionsermittlungen gegen diese Lieferungen abgeschreckt.

Man hatte ebenfalls die Variante ins Auge gefasst, Kohle aus Australien zu importieren, aber das erwies sich als zu aufwendig, was Kiew nicht daran hinderte, 90 000 Tonnen Kohle zu bestellen. Zuvor verhandelte die Ukraine auch mit den USA über Energieträgerlieferungen. In der vergangenen Woche wurde mit französischen Unternehmen verhandelt. Das Ergebnis ist gleich Null. Woher soll man die Kohle nehmen, wenn es im Widerspruch zu den politischen Ansichten steht, Kohle bei Russland oder der Volksrepublik Donezk zu kaufen? Der Oberanalyst der Investment-Gruppe „Nord-Kapital“, Roman Tkatschuk, sieht das so:

„Optimal wäre für die Ukraine der Kohleexport aus Polen. Es fördert genug Kohle, aber den größten Teil davon verbraucht es für den Eigenbedarf. Es bekundet keinerlei Bereitschaft, Kohle in die Ukraine zu liefern. Kiew ist genötigt, weit entfernt liegende Varianten zu suchen. Australien, die Republik Südafrika … Aber das ist schwierig, es erfordert den Bau zusätzlicher Terminale.“

Doch die Hilfe kam nicht aus dem Westen, sondern aus dem Osten. Kasachstan kann mehrere Millionen Tonnen Kohle liefern. Aber wie schnell die Logistik von Null auf in Gang gebracht werden kann, ist schwer zu sagen. Der Gas- und Kohlemangel für die Wärme- und Stromerzeugung hat die Ukraine ohne Licht gelassen. Im Ministerium für Energiewirtschaft bezeichnet man die Lage als superkritisch. Die Bevölkerung erwartet mit Bange die Veröffentlichung des Zeitplans der Stromabschaltungen, die eine jede Wohnung im Land betreffen werden. Und sie kauft Kerzen auf Vorrat für den Fall, sollten die Freunde aus dem Westen nicht helfen, und sollte es Kasachstan einfach nicht rechtzeitig schaffen, Kohle zu liefern.

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