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21 März 2014, 16:03

Aktuelles Russlandbild in deutschen Medien

Aktuelles Russlandbild in deutschen Medien

STIMME RUSSLANDS Die Olympischen Spiele in Sotschi, die Lage in der Ukraine und der Krim-Beitritt haben Russland in der letzten Zeit eine anhaltend dominante Stelle in den deutschen Medien gesichert. Das Russlandbild in den deutschen Medien musste allerdings einen wesentlichen Wandel erleben.

In deutschen Medien stand Russland bereits seit längerer Zeit im direkten Fokus, was sich durch die enge historische Verbindung erklären lasse, meint Professor Johannes Ludwig von der Universität Hamburg:

„In Deutschland ist das Interesse an den Vorgängen und Entwicklungen in Russland sehr groß, es gibt schon seit Jahrhunderten sehr viele Beziehungen auf dem kulturellen, politischen und vielen anderen Gebieten. Über Russland wird sehr viel berichtet, ich denke, viel mehr als zurzeit in Amerika und England. Russland spielt also eine große Rolle, wir hatten von Russland geschichtlich viele Vorteile, etwa die deutsche Vereinigung, die ohne Herrn Gorbatschow nicht denkbar gewesen wäre, deswegen ist das Bild von Russland in Deutschland im Prinzip sehr positiv.“

Von einem eintönigen Bild dürfte aber nicht die Rede sein – das vor allem dank der Vielfalt der deutschen Medienlandschaft, meint Professor Ludwig:

„Wir haben eine ganz unterschiedliche Anzahl von sehr unterschiedlichen Medien. Wer sich über Russland informieren will, hat mit ganz verschiedenen Medien zu tun und kann sich ein differenziertes Bild machen. Das ist der Vorteil in einem Land wie Deutschland, das eben durch eine sehr große Anzahl unterschiedlicher Medien geprägt ist, zumal diese Medien unabhängig sind, sie gehören keinen Unternehmen, es sind selbstständige Einheiten, die ihr eigenes Konzept haben und danach berichten, auch über Russland.

Es gibt Wirtschaftszeitungen, die sich nur für die Wirtschaftskontakte interessieren – auf der Wirtschaftsebene gibt es eben viele gute Beziehungen, Russland ist für Deutschland ein wichtiger Handelspartner und umgekehrt. In den Wirtschaftszeitungen liest man viel Positives über Russland. In anderen Zeitungen kann man über verschiedene Bereiche – Politik, über die aktuellen Vorgänge auf der Krim, auch über die Wirtschaft lesen, und da wird es auch sehr differenziert.“

Es sei nicht nur die Vielfalt der deutschen Medien, sondern auch die Vielfalt und die Größe Russlands, die ein einheitliches Bild verhindert. Bei Russland denkt ein deutscher Leser nicht unbedingt über den Ural hinaus, auch zwischen Menschen und Politik wird unterschieden, sagt Johannes Ludwig:

„Russland ist nicht nur geographisch ein riesiges Land, auch Menschen sind ganz unterschiedlich. Der Blick wird aber vor allem auf den westlichen Teil Russlands gerichtet, nicht auf den östlichen, der rein geographisch viel größer ist. Wenn jemand über Russen nachdenkt, dann denkt er eher über westliche Russen, die bis zum Ural wohnen, aber macht sich gar nicht klar, dass viele asiatische Menschen russisch sind.

Generell macht man aber eher nicht eine Trennung zwischen Russland und Menschen. Ich würde eher sagen, die Trennungslinie läuft ganz anders: man sagt, es gibt Russland und russische Menschen, die da wohnen, andererseits gibt es russische Politik und ob das immer parallel läuft, ist eine andere Frage. Ich denke, die Leser machen einen großen Unterschied zwischen dem, was auf der politischen Ebene geschieht, und dem, was Menschen in ihrem Land machen.“

Trotz des allgemeinen positiven Tons lasse sich in konkreten Fragen eine rasche Verdunkelung des Russland-Images in den deutschen Medien feststellen, sagt Professor Jürgen Wilke vom Institut für Publizistik der Universität Mainz:

„Man muss sagen, dass das sich Bild Russlands in den deutschen Medien in den letzten Wochen verdunkelt hat, bedingt durch die aktuellen Entwicklungen in der Ukraine und um die Krim herum. Dann kamen die Olympischen Spiele, die überwiegend positiv dargestellt wurden. Dieser Aufschwung ist allerdings verdunkelt worden und das Bild Russlands hat sich zunehmend negativ gefärbt.“

Eine Wendung ins Positive sei nicht sofort zu erwarten, so Wilke weiter. Die Medienforschung zeige uns, dass ein Image sehr schnell negativ, aber nur sehr schwer positiv werden könne. Das hänge aber von dem weiteren politischen Verlauf ab, sagt der deutsche Professor. Was das Bild Russlands in deutschen Medien wieder positiv färben könnte, sind die Bereiche, die sich der Dominanz der Politik am ehesten entziehen können. Dabei handle es sich vor allem um das Bildungswesen und die Kultur, so Wilke. Vor dem Hintergrund der aktuellen Vorgänge wird rund um Russland nur noch intensiver berichtet. Das bestätigt der Professor:

„Man kann dem Thema gar nicht entgehen. Im Augenblick ist die Bevölkerung sehr stark mit dem Thema der deutsch-russischen bzw. europäisch-russischen Beziehungen konfrontiert. Das betrifft auch die Köpfe der Menschen.“

Eine Veränderung muss nicht automatisch negative Folgen für die zwischenstaatlichen Beziehungen herbeiführen. Die langjährige historische Erfahrung sei hierzu ein klares Unterpfand, meint Professor Ludwig weiter:

„Die Zukunft von Russland und Deutschland sehe ich als grundsätzlich positiv. In allen Ländern verändert sich immer ganz viel, in keinem Land bleibt alles, wie es ist. Und weil die Beziehungen zwischen beiden Ländern schon seit langer Zeit sehr intensiv sind, sehe ich da nur positive Signale für die Zukunft.“

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