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31 Juli 2014, 17:52

STIMME RUSSLANDS Über das, was der Schriftsteller Alexander Solschenizyn vor einem halben Jahrhundert vorausgesehen hat, kann man heute nur staunen: Noch zu Sowjetzeiten hat er eine Abtrennung der Ukraine ahnungsvoll nicht ausgeschlossen. Die Zeitung „Rossijskaja Gaseta“ veröffentlichte einige Auszüge aus Solschenizyns Schriften.

Aus: DER ARCHIPEL GULAG; Teil fünf, Kapitel zwei, geschrieben 1968, veröffentlicht 1974:

...Mir schmerzte es, darüber zu schreiben: das Ukrainische und das Russische verschmelzen sich in meinem Blut, im Herzen und in meinen Gedanken. Die große Erfahrung im Verkehr mit Ukrainern in den Lagern eröffnete mir jedoch, wie viel Schmerz sie in sich tragen. Unsere Generation wird es nicht vermeiden, für die Fehler der Älteren zu zahlen…

...Mit der Ukraine wird es außerordentlich schmerzlich kommen. Aber man muss die Glut des ukrainischen Volkes schon jetzt begreifen. Wenn es sich über Jahrhunderte hinweg nicht gelegt hat, dann werden wir nun Besonnenheit an den Tag legen. Wir sind verpflichtet, die Entscheidung ihnen zu überlassen – ob Föderalisierungsanhängern oder Separatisten. Nicht nachzugeben wäre verrückt und grausam. Und je sanfter, je duldsamer und erklärender wir nun sind, desto mehr Hoffnung besteht, in der Zukunft die Einheit wiederherzustellen...

...Mögen sie nun leben und es probieren. Sie werden schnell begreifen, dass nicht alle Probleme sich durch Abtrennung lösen lassen. (Das liegt daran, dass in verschiedenen Gebieten der Ukraine das Verhältnis von denen, die sich für Ukrainer, für Russen oder für keines von den beiden halten). Vielleicht wird ein jedes Gebiet einen Volksentscheid brauchen und dann später eine begünstigende und schonende Einstellung zu allen, die umziehen wollen. Nicht die ganze Ukraine in ihren heutigen formellen sowjetischen Grenzen ist tatsächlich Ukraine. So manche linksufrigen Gebiete tendieren natürlich zu Russland. Und die Krim der Ukraine zuzuschreiben, war gar eine Schnapsidee Chruschtschows…

27. Oktober1990. Aus einemBriefanSwjatoslawKarawanski:

Jetzt, wo in der Westukraine Lenin-Denkmäle gestürzt werden (das geschieht ihnen auch recht), ist es der innigste Wunsch derselben Westukrainer, dass die Ukraine die Leninschen Grenzen hat, die ihr von Väterchen Lenin geschenkt wurden, als er suchte, das Land auch irgendwie für die eingebüßte Unabhängigkeit zu entschädigen, und deswegen Noworossija (Jugorossija), den Donbass (um das Donez-Becken von den „konterrevolutionären“ Einflüssen des Don abzutrennen) und das Linksuferland dazu schnitt. (Und Chruschtschow „schenkte“ ihnen dazu auch noch die Krim). Nun erheben sich die ukrainischen Nationalisten für die „heiligen“ Leninschen Grenzen wie ein einziger Mann?

1990. Wie sollen wir Russland einrichten? Ein Wort an Ukrainer und Belorussen:

...Natürlich teilen wir den Schmerz für tödliche Qualen der Ukraine in der Sowjetzeit. Aber woher dieser Hieb – die Ukraine auf lebendigem Fleisch abzuschneiden (auch die Gebiete, die nie urukrainisch waren, wie etwa „das Wilde Feld“ der Nomaden – Noworossija und die Krim, der Donbass und fast bis zum Kaspischen Meer)? Und wenn es um eine „Selbstbestimmung der Nation“ geht, dann soll das Land sein Schicksal selbst bestimmen. Ohne eine Volksabstimmung ist es nicht machbar...

...Die Ukraine abtrennen bedeutet heute einen Schnitt durch Millionen Familien und Menschen: Wie gemischt ist die Bevölkerung; ganze Gebiete sind überwiegend russisch; wie viele Menschen, die sich schwer damit tun, ihre Nationalität als eine von den beiden zu bestimmen; wie viele sind einer gemischten Abstammung; wie viele gemischte Ehen gibt es, die bisher allerdings nie als gemischt betrachtet wurden. In der großen Masse der Bevölkerung gibt es keinen Schatten von Intoleranz zwischen Ukrainern und Russen...

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