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8 Oktober 2014, 15:31

IS-Vormarsch: Entscheidungsschlacht um Kurden-Hochburg

IS-Vormarsch: Entscheidungsschlacht um Kurden-Hochburg

STIMME RUSSLANDS Im Norden Syriens, etwa einen Kilometer von der Grenze zur Türkei entfernt, liefern sich Kurden und die Terrorgruppe „Islamischer Staat“ (IS) heftige Kämpfe, schreibt die Zeitung "Kommersant" am Mittwoch.

Davon, ob die IS-Kämpfer die Stadt Kobane (kurdischer Name von Ain al-Arab) einnehmen, hängt im Grunde das Schicksal der in diesem Gebiet ansässigen kurdischen Minderheit ab. Kobane gilt als inoffizielle Hauptstadt Westkurdistans. Die Einführung des islamischen Scharia-Rechts würde für die Kurden den Tod bedeuten. Die radikalen Islamisten halten die Kurden wie die Christen für „Ungläubige“ und wollen sie alle hinrichten.

Zuvor hatte der Vorsitzende der wichtigsten syrisch-kurdischen Partei, Salih Muslim, die USA zur Unterstützung im Kampf gegen IS aufgefordert. Nach seinen Worten würden die IS-Kämpfer alle Einwohner Kobanes töten, sollte die Stadt in ihre Hände fallen. Er reiste nach Ankara, um mit Vertretern des türkischen Außenministeriums und der Geheimdienste die Lage in Kobane zu besprechen. Dabei wurde vereinbart, dass die türkischen Behörden einen Hilfskonvoi mit Lebensmitteln und Medikamenten entsenden.

Muslim verlangte zwar auch Waffen- und Munitionslieferungen, doch Ankara wies diese Forderungen zurück, weil diese Waffen in die Hände von radikalen Kurden im Kampf gegen die Türkei fallen könnten.

Nachdem die Waffenlieferungen verwehrt wurden, steht Ankara unter großem Druck. Die in der Türkei lebenden Kurden fordern eine umfassendere Unterstützung für ihre Stammesbrüder im Nachbarland.

Auch in den Niederlanden kam es zu Massenkundgebungen von Kurden. Sie stürmten das Parlamentsgebäude in Den Haag und hielten dort eine vierstündige Protestaktion ab.

Laut AFP sind während der mittlerweile fast drei Wochen andauernden Kämpfe um Kobane mindestens 170 kurdische Kämpfer und mindestens 20 Zivilisten ums Leben gekommen. Fast 200.000 Menschen mussten aus der Stadt fliehen und wurden in zwei Lagern in der Türkei untergebracht.

Sollte Kobane in die Hände der IS-Extremisten fallen, wird die kurdische Stadt Qamischli ihr nächstes Ziel auf dem Weg zur türkischen Grenze sein. Selbst die Luftangriffe haben die IS-Kämpfer bislang nicht stoppen können.

Die USA erwarten ein schnelles Handeln der Türkei, die zuvor der Teilnahme an einer Bodenoffensive gegen die IS-Kämpfer zugestimmt hatte. Jetzt aber stellt Ankara neue Bedingungen. Wie Premier Ahmet Davutoglu in einem CNN-Interview sagte, käme die Bodenoffensive erst dann infrage, wenn die USA zusichern würden, den syrischen Präsidenten Baschar al-Assad zu entmachten. Trotz der IS-Bedrohung ist Assad für die Türken weiterhin der schlimmere Feind.

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