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4 Dezember 2014, 12:13

China will zur ISS: Nadelstiche im All geplant

China will zur ISS: Nadelstiche im All geplant

STIMME RUSSLANDS China möchte einem Zeitungsbericht zufolge einen Raumfahrer zur Internationalen Raumstation schicken und hat bereits ein entsprechendes Kooperationsangebot an Russland gerichtet. Der Plan beinhaltet unter anderem ziemlich exotische Forschungsprojekte, kann aber an US-Einwänden scheitern.

China hat der russischen Raumfahrtbehörde Roskosmos vorgeschlagen, einige gemeinsame Projekte an Bord der ISS umzusetzen. Das berichtet am Donnerstag die russische Tageszeitung „Iswestija“.

Ein ranghoher Mitarbeiter der Behörde sagte dem Blatt: „Die chinesischen Partner haben uns mehr als zehn Projekte vorgelegt. Sie beinhalten Forschungsprogramme an Bord der Raumstation. Unter anderem wird vorgeschlagen, einen Daueraufenthalt eines chinesischen Astronauten in der ISS zu organisieren.“

Manche Projekte seien „ziemlich originell“: „Es wurde beispielsweise vorgeschlagen, die Effizienz der traditionellen chinesischen Volksmedizin im Orbit zu testen. Die Chinesen zeigen sich bereit, einen qualifizierten Arzt zur ISS zu schicken, der dort Akupunktur und Massage praktizieren könnte. Es gibt eine Vermutung, dass diese Methoden dabei helfen sollen, die negativen Konsequenzen der Schwerelosigkeit zu überwinden.“

Wie der Roskosmos-Mitarbeiter mitteilte, stammen die Initiativen sowohl von der chinesischen Weltraumorganisation CNSA als auch von verschiedenen Forschungsanstalten, darunter von der Peking-Universität: „Die vorgeschlagenen Projekte wurden von uns der Russischen Akademie der Wissenschaften zur Begutachtung vorgelegt – insbesondere dem Institut für medizinische und biologische Probleme, das bei bemannten Raumflügen als leitende Forschungsanstalt agiert. Wir warten auf die Bewertung der Forscher, haben aber selbst keine Einwände gegen gemeinsame Programme mit den chinesischen Partnern.“

Die Zeitung kommentierte, Chinas Einstieg ins ISS-Programm könne bei den Vereinigten Staaten auf eine negative Reaktion stoßen – selbst wenn es nur um das russische Segment der Raumstation gehe: „In den 1990er Jahren haben die USA Chinas Teilnahme am ISS-Projekt blockiert. Was die NASA betrifft, sind ihre Beziehungen mit chinesischen Staatsbürgern ziemlich unfreundlich. Im Frühjahr des vergangenen Jahres haben die Spannungen ihren Höhepunkt erreicht. Ein chinesischer Mitarbeiter der NASA wurde damals festgenommen, als er versuchte, einen Computer mit Geheimdaten aus den USA auszuführen. Mehrere Wochen später verabschiedete der US-Kongress ein Gesetz, das den Chinesen verbietet, auf dem Gelände aller NASA-Abteilungen zu weilen.“

Der für ISS-Flüge zuständige Chef der NASA-Vertretung in Moskau, Sean Fuller, wollte mögliche Forschungsprogramme mit Chinas Teilnahme nicht kommentieren. Nach den geltenden Regeln darf kein Raumfahrer ohne Zustimmung aller bereits beteiligten Länder zur ISS fliegen. Der Roskosmos-Mitarbeiter sagte dem Blatt weiter, eine Einigung mit den USA sei doch möglich: „Ausgerechnet jetzt werden Programme im Sinne des ISS-Betriebs bis zum Jahr 2020 erörtert. Da gibt es immer einen Platz für Kompromisse.“

Andrej Ionin, Mitglied der Russischen Raumfahrt-Akademie, kommentierte: „Chinas Interesse für die ISS ist gerechtfertigt. Die Chinesen haben mit dem Bau ihrer eigenen Raumstation erst begonnen. Die Bau-Erfahrungen aus dem ISS-Projekt wären ihnen ziemlich nützlich. Ein Raumfahrer, der sich auf einen ISS-Flug vorbereitet, lernt die Raumstation kennen, nimmt Einblick in die dortigen Abläufe und in die Methoden, die den Organismus bei Dauerflügen gesund halten. Vorerst mangelt es den Chinesen daran. Ich denke, solche Großdeals wären für uns nur unter der Bedingung sinnvoll, dass China seine Raumstation mit unserer Beteiligung weiter bauen wird.“

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