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7 September 2010, 09:31

Die Tschuktschen

Die Tschuktschen
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Heute erzählen wir Ihnen von den Tschuktschen. Und zwar darüber, wo sie leben, was ihre Hauptbeschäftigungen sind, wie sie sich kleiden und wie sie ihre Feste feiern. Wir  empfehlen Ihnen auch ein Rezept aus der nationalen Küche der Tschuktschen.

Heute erzählen wir Ihnen von den Tschuktschen. Und zwar darüber, wo sie leben, was ihre Hauptbeschäftigungen sind, wie sie sich kleiden und wie sie ihre Feste feiern. Wir  empfehlen Ihnen auch ein Rezept aus der nationalen Küche der Tschuktschen.

Die Tschuktschen siedeln seit Urzeiten auf einem Territorium, das von der Beringstraße bis zum Fluss Indigirka und vom Nordpolarmeer bis an die Flüsse Anadyr und Großer Anjui reicht. Gerade hier hat sich unter den rauen Naturbedingungen ihre einmalige Kultur herausgebildet, die die Tschuktschen in vielem bis in die Gegenwart bewahrt haben.

Das Hauptsiedlungsgebiet der Tschuktschen ist heute der Autonome Kreis der Tschuktschen. Doch ein Teil dieses Volkes lebt auch im Autonomen Kreis der Korjaken, ebenso in der Republik Jakutien. In Russland gibt es heute insgesamt etwas mehr als 15 000 Tschuktschen.

Es  existieren verschiedene Versionen über die Herkunft des Namens dieses Volkes. Nach einer Version ist der Name „tschuktschi" die Eigenbezeichnung des Volkes, was übersetzt „wahre Menschen" bedeutet. Andere Wissenschaftler vermuten, dass das Wort „tschuktschi" eine Abwandlung des Wortes „tschajtschu" in der russischen Sprache ist, was übersetzt „reich an Rentieren" bedeutet. Gerade so bezeichnen sich die Rentierzüchter unter den Tschuktschen, die weit weg vom Meer leben. Dagegen nennen sich die Tschuktschen in den Küstengebieten  „ankaljyn", was buchstäblich „die am Meer Lebenden" bedeutet.

Das Klima auf der Tschuktschen-Halbinsel ist rau - im Winter herrschen bis zu  minus 40 Grad, und im Sommer steigen die Temperaturen selten über plus 10 Grad Celsius. Von einer effektiven Landwirtschaft kann hier deshalb keine Rede sein. Die wichtigste Nahrungsmittelquelle sind die Rentierzucht, die Jagd und der Fischfang. Die in der Tundra lebenden Tschuktschen  ziehen mit ihren  Rentierherden umher, ihr Zugtier ist ausschließlich das Rentier. Die in der Küstenregion lebenden Tschuktschen  machen im Winter und Frühjahr Jagd auf Ringelrobben und Robben, im Sommer und im Herbst - auf Walrosse und auf Wale. Sie fahren mit Hundegespannen. Um nicht im Schnee einzusinken, nutzen sie breite Schneeschuhe, ähnlich den Netzen von Tennisschlägern. Am Fluss Kolyma sind unter den Tschuktschen auch die gleitenden Skier verbreitet, die sie von den Ewenken übernommen haben. Auf dem Wasser nutzen sie Kajaks, kleine - für eine Person oder auch große, die bis zu 20-30 Personen fassen können. Sie sind mit Walrossfellen bespannt, haben Ruder und auch ein Segel.

Für die Tschuktschen waren ihre Tiere - die Rentiere und die Hunde - stets lebenswichtig, ebenso wie ihre jahrhundertealten inneren Beziehungen zur Natur. Alle traditionellen Feste sind mit ihren Wirtschaftszyklen verbunden. Bei den Tschuktschen, die Rentiere züchten, mit dem Frühjahrs- und Herbstschlachten der Rentiere, mit der Geburt der Jungtiere, mit dem Wechsel der Weideflächen. Die Feste der in den Küstengebieten siedelnden Tschuktschen ähneln ihrer Natur nach denen der Eskimos. Im Frühjahr ist es das Kajakfest anlässlich der ersten Fahrt aufs Meer, im Sommer - das Fest anlässlich der Beendigung der Robbenjagd. Bei all diesen Festen wurde zu den Klängen der Tamburine getanzt, was  mehr einer Pantomime glich. Es wurden Rentiere, aber auch Tierfiguren als Opfer dargebracht. Die Tschuktschen lieben die Musik und den Tanz. Gut bekannt ist der Nationaltanz „Pitschejnen" - eine von Musik und Kehlgesang begleitete Pantomime, wobei ab und zu Rufe der Tanzenden ertönen. Die traditionellen Musikinstrumente der Tschuktschen - wie die Mundharfe („Wargan" genannt), der Tamburin und andere - wurden aus Holz, Bein und Barthaaren des Wals hergestellt. Die nationalen Tänze des Volkes werden von professionellen Tanzensembles gepflegt, so vom Ensemble „Eryron".

Die Auftritte der tschuktschisch Folklore-Ensemble wecken beim Publikum  im In- und Ausland stets ein enormes Interesse. Faszinierend ist die Nationalkleidung der Tschuktschen aus Rentier- und Robbenfell sowie aus Hirschkalbfell. Besonders schön ist die wunderbar bestickte Kleidung der Frauen. Weit bekannt ist das traditionelle nationale Kunstgewerbe der Tschuktschen - die Beinschnitzerei, die Fellgerbung, das Aufbringen von Fellapplikationen, die Stickereien aus Rentierhaar, die Flechtarbeiten aus den Fasern des arktischen Weidenröschens (Chamerion). 1931 entstand in der Siedlung Ulen die erste Beinschnitt-Werkstatt. Die hier geschaffenen  Kunstwerke sind  weltbekannt.

Die Sprache der Tschuktschen gehört zur tschuktschisch-korjakischen Gruppe der paläoasiatischen Sprachen und besitzt keine Dialekte. Ab 1931 haben die Tschuktschen ein Schrifttum - anfangs auf der Basis des lateinischen Alphabets, ab 1936 - auf der Basis des kyrillischen Alphabets. Das erste Buch in tschuktschischer Sprache war 1932 die Fibel „Krasnaja gramota". Das erste herausgegebene literarische Werk war eine Märchenausgabe. Die Tschuktschen besitzen  ihre Prosaiker und  Dichter. Der bekannteste nationale Schriftsteller ist der im Jahr 2008 verstorbene Juri Rytcheu. Er schrieb in seiner Muttersprache, aber auch in Russisch. Seine Werke - Erzählungen, Novellen und Märchen - sind in vielen Ländern bekannt, sie wurden auch ins Deutsche übersetzt. Juri Rytcheu war zudem aktiv als Übersetzer tätig. Er übertrug Werke von Puschkin, Tolstoi und Gorki in seine Muttersprache.

Die Folklore der Tschuktschen ist mannigfaltig, sie hat gemeinsame Züge mit der Folklore der Korjaken, der Eskimos und der nordamerikanischen Indianer. Es sind Märchen über Geister, über Tiere, über Schmanen, Sagen und andere Werke. Es ist so, dass das Christentum in diesem Volk  nicht Fuß gefasst hatte. Die Tschuktschen glaubten stets an Geister, sie verehrten Tiere - besonders den Eisbären, den Wal und das Walross. Der Schamanismus war entwickelt. Die Schamanen imitierten Tierstimmen, ihre Handlungen begleiteten Klänge des Tamburins, Gesang oder Rezitationen sowie Tänze. Besonders verehrt wurden Schamanen, die Frauen darstellen konnten,  oder umgekehrt. Ein Schamane der Tschuktschen besaß kein spezielles Kostüm, in dem er seine Handlungen ausführte.

Die Wohnstätte der  mit den Rentierherden umherziehenden Tschuktschen ist die Jaranga. Ihr unterer Teil ist zylinderförmig und geht oben in einen Kegel über. Die Wände bestehen aus Stangen, die mit Robben oder Bärenfellen bespannt werden. In der Mitte der Jaranga befindet sich die Feuerstelle. Die ortsansässig gewordenen Tschuktschen leben heute in gewöhnlichen Häusern.

SPRECHER: Es ist bemerkenswert, dass ab der zweiten Hälfte der vergangenen Jahrhunderts Anekdoten über die Tschuktschen im Umlauf sind. Diese Anekdoten bauten auf einfachen, meistens aber komischen Situationen auf, wo die Tschuktschen mit der Gegenwart in Berührung kamen - mit technischen oder anderen Errungenschaften oder Ereignissen. Die Tschuktschen werden darin als recht naives, aber dabei sehr friedfertiges und gutherziges Volk gezeigt.

Abschließend noch kurz über die nationale Küche der Tschuktschen. Sie ernähren sich hauptsächlich vom Fleisch der Rentiere oder der erlegten Meerestiere, seltener von pflanzlicher Nahrung. Es fand alles Verwertung, auch Fett, Blut und die inneren Organe.  Leider ist der Tabak- und Alkoholgenuss unter den Tschuktschen auch  recht weit verbreitet.

Wir bieten Ihrer Aufmerksamkeit nun ein Nationalgericht der Tschuktschen. Für dessen Zubereitung muss man nicht unbedingt auf die Tschuktschen-Halbinsel fahren. Es sind Stäbchen aus Rentierfleisch. Hierzu braucht man 100 Gramm Rentierfleisch, 2 Gramm Eipulver, 5 Gramm Trockenmilch, 52 Gramm Schweinespeck und 10 Gramm Margarine.

Das Fleisch wird im Fleischwolf durchgedreht und leicht gesalzen. Dann kommt es für 24 Stunden  bei  plus 2-3 Grad Celsius in den Kühlschrank. In die Fleischmasse gibt man dann die Trockenmilch und das Eipulver, wonach die Masse noch einmal  durchgedreht wird. Aus einer Konditortüte drückt man sie in Stäbchenform auf ein eingefettetes Backblech und bäckt sie bei guter Mittelhitze. Dieses Gericht ist bei den Tschuktschen sehr beliebt.  Also dann, guten Appetit!

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