Die Redaktion der STIMME RUSSLANDS hat sich mit dem Team von RIA Novosti vereinigt und gemeinsam ein modernes Markenzeichen des 21. Jahrhunderts – SPUTNIK – gegründet. Wir setzen unseren digitalen Informationsdienst fort und werden auch weiter den hohen journalistischen Standards folgen. Besuchen Sie unsere neue Webseite!
2 Mai 2014, 23:06

Ukrainische Nationalisten gegen das eigene Volk

Herunterladen

Schon seit mehreren Monaten verfolgen russische Bürger mit leidendem Herzen das Geschehen in der Ukraine, wo ein Bürgerkrieg zwischen dem Westen und Südosten des Landes entfacht wird. Die Nachfolger der ukrainischen Nationalisten, die während des Zweiten Weltkriegs im Bataillon „Nachtigall“ und der UPA ihr eigenes Volk ausrotteten, die weder alte Menschen noch Frauen und Kinder schonten, rufen wieder dazu auf, alle zu vernichten, die mit ihren Ideen der nationalen Reinheit nicht einverstanden sind, und treiben das Land in die Spaltung.

Die ukrainischen Nationalisten haben die Erschießung der Blüte der Geistesschaffenden von Lwow im Jahre 1941, die Niederbrennung des weißrussischen Dorfes Chatyn sowie das Massaker von Wolhynien in den Jahren 1943-1945 und andere Verbrechen auf dem Gewissen.

Im Vorfeld des 70. Jahrestages der Befreiung der Ukraine von den nazideutschen Besetzern suchten russische und ukrainische Historiker nach den Ursachen der gefährlichen Vergesslichkeit, die eine neue Ausbreitung der „braunen Pest“ in Europa herbeiführen kann. Während es zu Sowjetzeiten nicht üblich war, die Gräueltaten der ukrainischen Nationalisten offen ins Gespräch zu bringen, weil man der Völkerfreundschaft des einheitlichen Landes nicht schaden wollte, ist es jetzt gerade an der Zeit, meint Igor Schischkin, Vizedirektor des Instituts für GUS-Länder:

„Inzwischen wurden alle Tabus aufgehoben, und es gibt keinen Grund, zu Aposiopesen zu greifen. Man sollte offen sagen, dass die Menschen, die sich ukrainische Nationalisten nannten, in Wirklichkeit die schlimmsten Feinde und Verräter am ukrainischen Volk waren, und Gott sei Dank, dass die Sowjetarmee die meisten von ihnen vernichtet hat. Diese Herangehensweise entspricht ganz den historischen Tatsachen, da wir gut wissen, dass alle Verbände der ukrainischen Nationalisten Vernichtungstruppen waren. Die berühmte Waffen-SS-Division ‚Galizien‛ machte Strafeinsätze in verschiedenen Ländern mit, insbesondere auf dem Balkan und in der Slowakei. Zweimal während ihres Bestehens geriet diese Division an die Front und wurde von der Sowjetarmee krumm und lahm geschlagen, weil sie nicht kämpfen, sondern nur wehrlose Menschen morden konnte. Genauso wie die ‚Nachtigall‛. Das sind diejenigen, auf die man heute in Kiew stolz sein will, die man als Helden des ukrainischen Volks hinzustellen versucht."

Der ukrainische Nationalismus ist nicht zufällig in Galizien entstanden, meint der ukrainische Historiker und Publizist Alexander Karewin.

„Galizien ist ein postgenozidales Territorium. Während des Ersten Weltkriegs wurde ein Großteil der Bevölkerung mit gesamtrussischem Selbstverständnis physisch vernichtet: die besten Angehörigen der intellektuellen Schicht, die Bauernschaft, die Geistlichkeit, die Arbeiterschaft. Aus dem Rest ließ sich alles Mögliche machen.“

Die ukrainischen Nationalisten versuchten, auf der Grundlage ihrer Ideologie eine ukrainische Nation zu formen, das heißt, sich das Volk anzupassen. Die gewaltsame Ukrainisierung mit dem Aufzwingen der ukrainischen Sprache und die neue Auslegung der Geschichte haben noch unter den Präsidenten Krawtschuk und Kutschma begonnen. Der Prozess schritt unter dem Präsidenten Juschtschenko fort, jetzt aber unter russlandfeindlicher Rhetorik, Ausspielung des Holodomor, Verherrlichung der Naziverbrecher, und das ging an der ukrainischen Gesellschaft nicht spurlos vorbei.

„Diese Bewegungen hatten schon immer einen willfährigen Charakter, sie waren Laufburschen der Machthaber“, sagt Bogdan Bespalko, Experte für die Ukraine an der Moskauer Lomonossow-Universität. „Entweder war es Österreich-Ungarn, das den ukrainischen Nationalismus mit Finanzspritzen versorgte, oder Hitlerdeutschland, das diese Bewegung nicht nur mit Millionen Mark unterstützte, sondern auch ihre kleineren Verbände in die eigenen Streitkräfte integrierte. So war an der Aggression gegen Polen am 1. September 1939 die ukrainische Legion von Roman Suschko beteiligt.“

In der Zeit zwischen dem Ersten und Zweiten Weltkrieg radikalisiert sich die Bewegung der ukrainischen Nationalisten zunehmend. Ihre Funktionäre kommen zu Ansichten, die dem italienischen Faschismus und dem deutschen Nationalsozialismus nahestehen. Die Bewegung wird intolerant gegenüber ethnischen Minderheiten.

Andrei Martschukow, Experte am Institut für Geschichte der Russischen Akademie der Wissenschaften:

„Während des Zweiten Weltkrieges waren die ukrainischen Nationalisten nicht mit dem Kampf gegen die Rote Armee beschäftigt, sondern mit der Säuberung des Territoriums von unerwünschten ethnischen Gruppen: Polen, Juden, aber auch Ukrainern, die sich im Rahmen des gesamtrussischen nationalen Raums verstanden, sowie Russen. Faktisch rangen nur sie um eine unabhängige Ukraine. Millionen Ukrainer, die in den Reihen der Roten Armee kämpften, verteidigten ihre einheitliche Heimat, das riesengroße Land, dass zugleich die Heimat aller Kleinrussen oder, wie man sie im 20. Jahrhundert nannte, aller Ukrainer ist. Deshalb werden sie als ethnische Ukrainer für die unabhängige Ukraine stets Feinde, die Nachfolger von Bandera dagegen stets Helden sein.“

Der ukrainische Nationalismus erlebte einen Aufschwung unter dem Einfluss der Hitlerischen Besatzungsbehörden. Dabei stand die Gründung einer unabhängigen Ukraine nicht auf dem Programm der Deutschen: Dieses Territorium war für die künftige Kolonisierung bestimmt, als die Kornkammer des Reichs, insbesondere die Oblast Dnepropetrowsk als eine der ersten. Andererseits wurde der Nationalismus, als Propaganda für die russlandfeindliche Stimmung, der Sowjetunion zum Trotz, gefördert. Die ambivalente Politik des faschistischen Deutschlands führte dazu, dass der Nationalismus nicht nur im Westen, sondern auch im Osten der Ukraine wucherte. Während es aber im Osten nach der Befreiung gelang, mit dem Problem fertig zu werden, entfachte sich in der Westukraine nach deren Befreiung ein regelrechter Bürgerkrieg. Fjodor Sinizyn, russischer Historiker:

„In die Aktivitäten der OUN und der UPA in der Westukraine war ca. eine halbe Million Menschen einbezogen. Es waren zwangsweise mobilisierte Bauern, die man bei Androhung von Repressalien in Wälder brachte, dort ihnen die Kriegskunde beibrachte und sie in Kampfverbände aufnahm. Die Bewegung wurde nicht mal in der Region, wo sie entstanden war und existierte, von der Mehrheit der Bevölkerung unterstützt, ganz zu schweigen von den östlichen und zentralen Gebieten.“

Die heutige selbsternannte Führung der Ukraine verwendet dieselbe Taktik wie die Hitlerfaschisten. Nachdem sie durch einen Staatsstreich die Macht ergriffen hatte, nutzte sie die Nationalisten aus. Inzwischen wurden Vernichtungstruppen in die Regionen entsandt, wo die Nationalisten historisch keine Unterstützung genossen haben, zur Bekämpfung des eigenen Volks. Die Kampfverbände erlauben es, eine Umwälzung durchzuführen, die Auftraggeber sind aber stets andere. Während des Zweiten Weltkrieges wie auch heute ist es nur ein Mittel. Man muss sich aber darüber im Klaren sein, wer es in der Hand hat, sagt Bogdan Bespalko.

„Heute werden andere Technologien eingesetzt, die von amerikanischen Experten entwickelt wurden: die der Orange-Revolutionen. Diese Technologien sehen angebliche Volksaufstände vor, unterstützt von gesellschaftlichen Schichten, die dann die aktuelle Regierung stürzen. Dabei entspricht die neue Regierung ganz den Interessen des Auftraggebers, das heißt der Vereinigten Staaten von Amerika. Die Amerikaner sind ein neues Hitlerdeutschland, sie sind das Vierte Reich.“

Ob es den neuen Bestellern der Neuaufteilung der Ukraine gelingt, ihre Pläne mit Hilfe der ukrainischen Nationalisten umzusetzen? Laut Experten kaum, da es keine ukrainische Nation als solche gibt, obwohl seit 23 Jahren versucht wird, diesen Begriff künstlich zu schaffen; sondern es gibt Kleinrussen, das ukrainische Volk, das gegen das Dritte Reich nicht um die Ukraine, sondern um das große Land gekämpft hat, welches die Heimat sowohl der Russen als auch der Weißrussen und Ukrainer ist.

  •  
    teilen im: