02:57 22 November 2017
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    Moskau empört über Verfahrensstopp gegen mutmaßlichen Nazi-Verbrecher in Estland

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    Als eine „Verhöhnung des Andenkens der Faschismus-Opfer“ bewertet das russische Außenministerium die Position der estnischen Ermittlungsbehörden, die jetzt ihre Ermittlungen gegen den Bürger dieses Landes Michail Gorschkow eingestellt haben.

    Als eine „Verhöhnung des Andenkens der Faschismus-Opfer“ bewertet das russische Außenministerium die Position der estnischen Ermittlungsbehörden, die jetzt ihre Ermittlungen gegen den Bürger dieses Landes Michail Gorschkow eingestellt haben.

    Gegen den heute 88jährigen Gorschkow gilt der Verdacht, sich an der Vernichtung von 3 000 Juden während des Zweiten Weltkrieges beteiligt zu haben.

    Das Verfahren war mit der Begründung eingestellt worden, es sei unmöglich, die Person zu identifizieren, die dieses Verbrechen begangen hat, teilte das estnische Staatsfernsehen mit.

    In einem am Sonnabend auf der Webseite des Außenministeriums veröffentlichen Kommentar des offiziellen Außenamtssprechers Russlands, Alexander Lukaschewitsch,  wird die Argumentation der estnischen Ermittlungsbehörden als „unbegründet“ bewertet: „Die Behörden der USA, wo Gorschkow früher gelebt hatte, legten alle diesbezüglich erforderlichen Informationen vor“.

    Der Beschluss der Staatsanwaltschaft Estlands zum Fall Gorschkow „ruft Befremden hervor“.

    Diese Position in Bezug auf die Person, die „nach Ansicht des Simon-Wiesenthal-Zentrums als ein der wichtigsten Nazi-Verbrecher gilt“, „ist nicht anders zu bewerten als eine Verhöhnung des Andenkens der Opfer des Faschismus und eine direkte Herausforderung der Beschlüsse des Nürnberger Tribunals, die einen unveräußerlichen Teil des globalen Rechtsraums von heute darstellt“.

    Nach Angaben des US-Justizministeriums war der in Tallinn geborene Mann mit dem Namen Gorschkow 1943 als Dolmetscher in der Geheimpolizei von Minsk tätig gewesen. Vermutlich habe er sich an der Ermordung von 3000 Juden im Getto von Sluzk sowie an einer Vernichtungsoperation 1942 beteiligt.

    Nach Ansicht der Generalstaatsanwaltschaft lässt es sich ausgehend von dem gesammelten Material nicht ausschließen, dass in der deutschen Polizei und im SD 1943 in Weißrussland eine weitere Person mit dem Namen Gorschkow gedient habe. Der bestehende Zweifel müsse laut Gesetz zugunsten des Verdächtigen ausgelegt werden.

    Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges zog Michail Gorschkow nach Deutschland und später in die USA. 2002 wurde ihm vom Bundesstaat Florida die US-Staatsbürgerschaft aberkannt, weil er dem Migrationsamt falsche Angaben über seine Person vorgelegt hatte. Danach kehrte Gorschkow nach Estland zurück.

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