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00:08 24 Juli 2019
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    Gehirnwäsche, Sex und Drogen: Elf Jahre Haft für russischen Sekten-Guru

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    Im Prozess gegen den Anführer der sibirischen Sekte Aschram Schambala, der vorige Woche zu elf Jahren Haft verurteilt worden war, haben die Seiten am heutigen Dienstag die zusätzlichen Erklärungen zum Gerichtsentscheid erhalten.

    Im Prozess gegen den Anführer der sibirischen Sekte Aschram Schambala, der vorige Woche zu elf Jahren Haft verurteilt worden war, haben die Seiten am heutigen Dienstag die zusätzlichen Erklärungen zum Gerichtsentscheid erhalten. 

    Der 44-jährige Konstantin Rudnew, nach eigenen Angaben Außerirdischer vom Planeten Sirius, göttlich weiser Großschamane vom Altai und Retter der Menschheit, war am 7. Februar wegen Sektengründung, Vergewaltigung, sexueller Nötigung und Drogenhandel schuldig gesprochen worden.

    Die Gesetzesverletzung in Bezug auf die Aschram-Schambala-Sekte wurde dabei jedoch als verjährt behandelt. Die Gründung derartiger religiöser Vereinigungen wird in Russland nur zwei Jahre im Nachhinein bestraft.

    Wie ein Vertreter des Gerichts RIA Novosti bekannt gab, war in der Vorwoche lediglich der Urteilsspruch erfolgt, nach dem Rudnew in allen Punkten der Anklage für schuldig befunden worden war. In den heute ausgehändigten Erklärungen werde begründet, warum es zum Schuldspruch gekommen sei,  so der Gesprächspartner der Nachrichtenagentur.

    Die Anwälte und der Staatsanwalt haben nun zehn Tage Zeit, das Urteil zu studieren und gegebenenfalls Klage einzureichen.

    Wie Rudnews Verteidigung zuvor der Presse mitgeteilt hatte, wolle man in jedem Fall eine Kassationsbeschwerde einlegen und versuchen, eine Aufhebung des Urteils zu erreichen, da ihr Mandant alle Vorwürfe zurückweise und sich nicht bekannt habe, Gründer einer Sekte zu sein. 

    Zum Anklagepunkt „Drogenhandel“ stellte der Anwalt des selbsternannten Gurus in den Raum, dass die Ermittler Rudnew illegale Substanzen „untergeschoben“ haben könnten.

    Die Anklägerin Natalia Jusschalina hingegen wies darauf hin, dass die Staatsanwaltschaft mit dem Urteil „schuldig in allen Punkten“ zufrieden sei, wenngleich der Verurteilte nicht die geforderten 14 Jahre, sondern eine etwas mildere Strafe erhalten habe. Die Staatsanwaltschaft prüfe, in welchem Zusammenhang diese Entscheidung getroffen worden sei.

    In den Fängen von Aschram Schambala

    Der mutmaßliche Sektenführer, der seine Anhänger mit Gehirnwäsche und Drogen gefügig gemacht haben soll, ist gelernter Maschinenbauer. Vor über zwanzig Jahren rief er sich zum Messias aus, der auf die Erde gekommen sei, um die Menschen zu retten. Den Ermittlungsbehörden zufolge hat er eine Sekte gegründet, die bis zu 30 000 Mitglieder in ganz Russland rekrutierte. Vor allem Jugendliche und Frauen fielen reiheinweise auf die Methoden des „Meisters“ herein. 

    Trotz der großen Anzahl an Adepten des Kults, der sich hinter Yoga- und Selbstfindungs-Seminaren verbarg, figurieren im Prozess nur 15 Personen als Geschädigte. Eine von ihnen, die Mutter eines jungen Russen, gab Journalisten bekannt, ihr Sohn sei mit 15 Jahren über einen solchen Pseudo-Yogaverein in die Fänge Rudnews geraten. Mit 18 habe der Junge das Haus verlassen, seitdem fehle von ihm jede Spur – die nun hoffentlich das Gericht wieder aufnehmen könne.

    Seit 1989 sollen „Filialen“ von Aschram Schambala (auch unter den Namen „Weg nach Belowodye“[dt. etwa Weiße Wasser, eine Art Paradies aus der slawischen Mythenwelt, Anm.], Internationale Akademie Weg zum Glück, Tantra-Schule Russlands, bzw. als Yoga-, Geisha- oder „Göttinnen“-Schulen) in knapp 20 russischen Regionen, darunter in Moskau und Sankt Petersburg aktiv gewesen sein.

    Die russischen Ermittlungsbehörden versuchten bereits in den Jahren 1999, 2004 und 2008, dem okkulten Führer das Handwerk zu legen, scheiterten jedoch daran, dass die Anhänger des „Außerirdischen“ nicht gegen ihn aussagen wollten. Endgültig klickten für Rudnew die Handschellen im September 2010.

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