17:09 24 April 2017
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    Transparency International  (TI)

    TI-Experte: Einfluss der Wirtschaft an deutschen Hochschulen nimmt zu

    © AFP 2017/ John MacDougal
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    Transparency International (TI) Deutschland will mit der kürzlich gegründeten Plattform „Hochschulwatch“ vor der engen Zusammenarbeit von Hochschulen und Unternehmen warnen. Arne Semsrott von TI sagt im Gespräch mit Sputnik-Korrespondentin Jana Hermanovskaja: „Die Unabhängigkeit der Wissenschaft ist in Gefahr“

    Semsrott erklärt: „Wir haben eine Datenbank zusammengestellt, auf der wir mehr als 10.000 Verflechtungen zwischen Wirtschaft und Wissenschaft in Deutschland feststellen können. So sitzen an der sächsischen TU-Freiberg drei Vertreter der Wirtschaft im Hochschulrat“. Diese haben durch ihr Amt die Möglichkeit, aktiv die Hochschulpolitik mitzugestalten“. Und genau darin sieht Arne Semsrott eine Gefahr, solche Posten seien ein Einfallstor für Unternehmen, die dann mitentscheiden könnten was an der jeweiligen Hochschule passiere.

    Die Zusammenarbeit zwischen Unternehmen und Hochschulen nehme zu, sagt Semsrott: „Mehr als 1,3 Milliarden Euro fließen jedes Jahr aus der Wirtschaft in die Wissenschaft“. So entstehe die Frage, ob die Freiheit von Forschung und Lehre noch gegeben sei.

    Als Beispiel führt Arne Semsrott an: „Wenn das Unternehmen eine Stiftungsprofessur finanziert, wird in einem Bereich geforscht, den das Unternehmen sich vorher ausgesucht hat und es kann dadurch von den Ergebnissen profitieren. Eine solche Finanzierung ist erstmal auch gar nicht illegitim, problematisch wird es dann, wenn die Unternehmen mitentscheiden, was genau mit den Mitteln passiert“. Damit werde die Unabhängigkeit der Wissenschaft gefährdet.

    Die Plattform „Hochschulwatch“ sei mit dem Ziel gegründet worden, die Debatte darüber, welchen Einfluss Unternehmen auf Hochschulen hätten, auch zukünftig am Leben zu erhalten. Allerdings dürfe man nicht außer Acht lassen, dass die Hochschulen einen immer kleineren Etat aus Grundmitteln hätten und deshalb natürlich darauf angewiesen seien, sich nach einer Drittfinanzierung umzuschauen, so Arne Semsrott.

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    Tags:
    Transparency International, Arne Semsrott, Deutschland
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