14:58 20 Juli 2018
SNA Radio
    Gesellschaft

    ARD: Rundfunkbeitrag ernährt Intendanten und Demokratie

    Gesellschaft
    Zum Kurzlink
    226139

    Anfang der Woche haben sich im „Großen ARDcheck“ der NDR-Intendant Lutz Marmor und der WDR-Chef Tom Buhrow live vor ihren Zuschauern rechtfertigen müssen, wieso die Zwangsgebühren bei einem doch recht bescheidenen Angebot im Fernsehen ständig ansteigen.

    In letzter Zeit ärgern sich immer mehr Deutsche über den Pflichtbeitrag für die deutschen Rundfunkanstalten, der die Einnahmen der ARD auf über acht Milliarden Euro jährlich steigen lässt. Die Zahl der Gegner geht in die Millionen, im Internet gibt es mittlerweile selbst Initiativen gegen die „unerträgliche Belästigung durch den öffentlich-rechtlichen Rundfunk“. 

    Nun stellten sich die Intendanten Lutz Marmor und Tom Buhrow  in der Talkshow „großer ARDcheck“ ihren Zuschauern und Feinden, die sich von der Haushaltsgebühr und auch von den von ARD ausgestrahlten Fernsehsendungen eher belästigt fühlen. Die renommierten Chefs verteidigten jedoch beides. 

    Auf die Frage einer Zuschauerin, wieso man den Beitrag den überhaupt bezahlen müsse, auch wenn man beispielweise gar nicht fernsieht, antwortete Intendant Marmor Folgendes: „Auch die Menschen, die das Angebot nicht nutzen, haben die Möglichkeit es irgendwann zu nutzen“. Dies sei seiner Ansicht nach ein Solidarprinzip — der Zugang zu Informationen sei in der Demokratie unerlässlich. Dass jeder für diesen Beitrag zahlt und auf die von ihm bezahlte Information zurückgreifen kann sei eben eine „Währung der Demokratie“, betonte der ARD-Vorsitzende.

    Dass einige Menschen auf diese Information aus verschiedenen Gründen gar nicht erst zurückgreifen möchten, scheint die ARD-Chefs nicht zu stören. Auf alle Fragen gab es eine Antwort: Das Geld reiche einfach nicht aus. Auf Kritik hatten beide jedoch fast immer dieselbe, einfache Lösung: Noch höhere Gebühren. 

    „In vielen Bereichen sind wir halt am Ende“, betonte Tom Buhrow. Wenn aber die Öffentlichkeit sagen würde: „Ne, wisst ihr was? Wir wollen euch einfach nicht mehr mit unserem Geld ausstatten“, dann würde sich die ARD damit einverstanden zeigen, fügte er hinzu.

    Zeitschriftenauslage
    © Flickr / Deutsches Historisches Institut Paris

    Doch dann ist wohl Schluss mit Demokratie und Solidarprinzip: „Der nächste Schritt wird dann sein, dass sie weniger sehen und hören“, drohte der ARD-Chef an, der, nach Angaben der Moderatorin Sandra Maischberger, im Jahresdurchschnitt mehr verdient, als die Bundeskanzlerin Angela Merkel. „Ich kann in den Spiegel sehen und sagen, dass es nicht so wie mit dem goldenen Löffel ist“, sagte er jedoch, als die Moderatorin ihn an sein ungewöhnlich hohes Gehalt erinnerte. Die Kanzlerin werde einfach unterbezahlt, erklärte er. 

    Dabei arbeite die ARD-Crew eigentlich mehr für weniger Gehalt. Ein Beweis dafür sei die Tatort-Sendung, die eine „großartige Produktion“ sei, trotz ständigem „Ringen ums Geld“, das angeblich sehr knapp sei, erwähnte Marmor.   

    Auf die Anspielung einer Zuschauerin, dass die ARD bei ihrer Berichterstattung voreingenommen seien, antwortete Marmors Kollege Buhrow, dass dies allen Medien vorgeworfen werde – er persönlich könne jedoch nicht bestätigen, dass die ARD-Journalisten unter Druck stehen würden oder ihre Berichte, wie dies im Falle der Ukraine-Konflikt behauptet werde, schön gefärbt wurden.

    Was jedoch mit dem Bericht seines Mitarbeiters, des „ARD aktuell"-Chefredakteurs Kai Gniffke, wohl kaum übereinstimmt: Die „Tagesschau“ und die „Tagesthemen“ zeigten nicht immer ein richtiges Bild der nach Deutschland drängenden Flüchtlingen, räumte er am selben Tag vor Branchenexperten in Hamburg ein. 

    „Wenn Kameraleute Flüchtlinge filmen, suchen sie sich Familien mit kleinen Kindern und großen Kulleraugen aus.“ Tatsache sei aber, dass „80 Prozent der Flüchtlinge junge, kräftig gebaute alleinstehende Männer sind“, zitiert das Focus-Magazin den Redakteur.

    Zum Thema:

    Kanzlerin im Hidschab - islamfeindliche ARD? – Medien
    Umfrage: Westliche Medien unter Einfluss der Politik und Großkonzerne
    „Lügenpresse“: Unwort des Jahres gekürt
    Tags:
    Rundfunkbeitrag, NDR, WDR, ARD, Tom Buhrow, Lutz Marmor, Deutschland
    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren