07:45 22 Oktober 2018
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    Pegida-Protest Dresden (Archivbild)

    Aufnahme der Flüchtlinge: „Trotz Finanzstärke – Probleme mentaler Art“ – Soziologe

    © AFP 2018 / Robert Michael
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    Die Pegida-Anhänger sind derzeit nur ein kleiner Teil der deutschen Bevölkerung. Gelingt der Bundesregierung die Integration nicht, soll man mit viel mehr Fremdenfeindlichkeit rechnen, warnt Professor Jürgen Friedrichs.

    Der Zustrom an Flüchtlingen ist nicht mehr kalkulierbar, die Schätzungen haben sich ständig verändert. Aktuell geht man von etwa einer Million Flüchtlingen aus. „Das ist eine riesige Zahl, weil diese Menschen dann irgendwie auch versorgt werden müssen. Und hier beginnt das Problem: Die mangelnde Vorbereitung auf diesen Zustrom. Es bedarf der Sozialarbeiter, der Psychologen, der Arbeitsplätze und eines enormen Aufwandes an Personen, die dolmetschen und den Sprachunterricht geben“, sagt Prof. Dr. Jürgen Friedrichs von der Universität zu Köln gegenüber Sputniknews.

    Die Finanzen habe das Land schon, meint er weiter. Problematisch sei aber die gespaltene mentale Aufnahmebereitschaft der Bevölkerung: „Einen Teil hat man am Montag demonstrieren sehen. Dieser Teil kann größer werden – und das ist das Problem – wenn uns die Integration in Sprache, Arbeitsplatz und Wohnung nicht gelingt. Und das scheitert sicherlich nicht an den Finanzen in diesem Land, sondern an der Einstellung der Bevölkerung“.

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    Pegida- und Anti-Pegida-Demos in Dresden – Video

    20 Prozent der Flüchtlinge sind dabei Schätzungen zufolge Analphabeten. „Wir müssen Sprachkenntnisse in relativ kurzer Zeit vermitteln, damit die Leute in den Arbeitsmarkt integriert werden können. Ein größeres Problem ist der Wohnungsbau, denn wir haben nicht genug Wohnung für diese Personen. Wir müssen in einer enormen Geschwindigkeit mindestens 250 000 Wohnungen pro Jahr errichten“, erklärt der Professor.

    Das sozialwirtschaftliche Problem sei es, den Deutschen, die skeptisch und misstrauisch gegenüber Muslimen seien, klarzumachen, dass diese Menschen keine kulturelle und ökonomische Bedrohung darstellen, und dass dieses Gerede von der Islamisierung Deutschlands einfach Unfug sei.

    „Man muss ihnen zeigen, dass die Integration gelingt“, so Friedrichs. Dies sei die Aufgabe der Bundesregierung: „Die Bundesregierung soll uns darüber informieren, welche Qualifikation die Hergekommenen haben, sie soll ein Einwanderungsgesetz verabschieden, das wir eigentlich seit 30 Jahren benötigen, um sämtliche Prozesse der Asylbewerbung abzukürzen. Und sie soll immer wieder der Bevölkerung klarmachen, dass die Integration auf eine Weise vor sich geht, die die deutsche Bevölkerung selber nicht übermäßig belastet.“ Man solle auch dafür sorgen, dass diese Flüchtlinge nicht in Heimen konzentriert untergebracht werden, sondern dass man sie verteile. „Die Bevölkerung kann somit auch Kontakt zu den Migranten haben, denn durch Kontakt entwickelt sich viel eher Sympathie, als wenn man sich miteinander nicht unterhält“, sagt Friedrichs.

    Auf der EU-Ebene müsse eine gerechte Lösung tatsächlich erreicht werden. „Menschen sind umso eher bereit, Opfer zu leisten, wenn sie den Eindruck haben, dass das gerecht ist und Andere genauso belastet sind. Wo sich einige EU-Länder ausschließen und sagen, sie würden keine Flüchtlinge überhaupt aufnehmen, wird man das in Deutschland natürlich als ungerecht empfinden“, schlussfolgert der Professor.

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    Migranten, Bundesregierung, Deutschland