08:49 17 Dezember 2017
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    Junge Migranten in Europa als IS-Potenzial - „Kein Königsweg zur Terror-Bekämpfung“

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    Deutsche Salafisten versuchen nach Erkenntnissen des Verfassungsschutzes gezielt, Flüchtlinge anzuwerben, darunter auch Jugendliche. Der Terrorismusexperte Rolf Tophoven meint, dass Flüchtlinge im Alter zwischen 20 und 30 Jahren besonders gefährdet seien, radikalen Predigern und Anwerbern auf den Leim zu gehen.

    Tophoven, Direktor des „Instituts für Krisenprävention“ (IFTUS) in Essen, meint, dass Flüchtlinge im Alter zwischen 20 und 30 Jahren besonders gefährdet seien, radikalen Predigern und Anwerbern auf den Leim zu gehen.

    Wenn diese Menschen, die jetzt zu Tausenden nach Europa kämen, ihre Hoffnungen und Perspektiven nicht erfüllt sähen, könnten sie geschickten Propagandisten – sei es in einem privaten Zirkel, sei es in einer Moschee – anheimfallen, betont der Direktor des „Instituts für Krisenprävention“ (IFTUS) in Essen. „Dann kommt es häufig dazu, dass dieser junge Mensch, der ursprünglich friedfertig ist, plötzlich in die Radikalität, in den Radikalismus umschlägt, und dass er sich dann über die Türkei oder andere Wege nach Syrien zum IS begibt“, äußerte Tophoven in einem Sputniknews-Gespräch.

    „Es gibt aber ein ganzes Bündel von Gründen, warum junge Menschen dem IS anheimfallen. Die einzige Ursache gibt es nicht, denn es wird kein Mensch als Terrorist oder Gewaltverbrecher geboren“, so Rolf Tophoven.

    Der Terrorismusexperte nennt unter den Mitteln gegen die Radikalisierung von Jugendlichen eine bessere Integration. Die IS-Propaganda könne man konterkarieren, „indem man: a) jungen Menschen eine Perspektive eröffnet, und b) die IS-Zentren, die Hotspots der IS-Propaganda sehr scharf observiert“.

    Dennoch gebe es keinen Königsweg zur Bekämpfung des Terrorismus, meint er. „Über den Begriff Terrorismus gibt es zahlreiche Studien und Definitionen. Es ist sehr schwer, den allgemein gültigen Begriff zu nehmen. Es hängt jeweils von der Position ab. Was für den einen Terror ist, ist für den anderen eben ein Widerstand gegen ein Regime oder gegen eine Regierung. Grundsätzlich kann man sich vielleicht auf folgende Definition verständigen: ‚Terrorismus wird von nicht staatlichen, von substaatlichen Organisationen ausgeübt, um Panik, Angst und Schrecken zu verbreiten.‘ Das ist zwar sehr allgemein, aber eine endgültige Definition des Terrorismus wird keiner finden.“

    Russlands Außenminister Lawrow zufolge ist der Islamische Staat die Gefahr Nummer 1 für Russland. Dem stimmt der IFTUS-Direktor zu: „Ich schließe die Gefahr des Islamischen Staates für Russland auch nicht aus. Denn man darf ja eins nicht vergessen: Die wichtigsten, brutalsten und auch professionellsten ausländischen Kämpfer im Islamischen Staat sind Männer aus Tschetschenien. Diese Männer sind natürlich erprobt und gestählt in mehreren militärischen Auseinandersetzungen gegen die russische Regierung. Und ich schließe nicht aus, dass je stärker sich Russland in diesen Konflikt um Syrien einschaltet, es auch in Russland durch tschetschenische Kommandos – wie immer in der Vergangenheit – auch zu Anschlägen kommen wird.“

    „Der IS ist von daher so gefährlich, weil er eine Fläche von der Größe Großbritanniens unter seiner Kontrolle hat. Das hat Al-Qaida nie geschafft. Von daher ist der IS heute sicherlich nicht nur die reichste, sondern auch die militärisch professionellste Terrormiliz, die wir haben“, äußerte der Experte. „Und sie ist in der Tat nicht nur für den Westen, sondern auch für Russland eine Gefahr, eine Gefahr für Russland unter dem Logo des IS, aber durchgeführt möglicherweise durch tschetschenische Kämpfer.“

    Mit seinen Luftangriffen gegen die Terrormiliz in Syrien habe Russland den Westen düpiert, sagt Rolf Tophoven. „In Syrien hat der Westen, hat die Politik der Obama-Regierung bisher kein strategisch-politisches Konzept zur Lösung der Krise gehabt. Man hat vonseiten des Westens immer wieder gesagt: ‚Baschar al-Assad muss abgelöst werden.‘ Jetzt hat in einer sehr geschickten diplomatischen Offensive Putin eingegriffen. Durch die Aufrüstung seines russischen Stützpunktes in Latakia hat Wladimir Putin wiederum den Zugang auf die Bühne der Weltpolitik geschaffen. Der Westen hat darauf keine Antwort. Jetzt sind wir so weit, dass wahrscheinlich ein Zerschlagen oder ein Zurückdrängen des IS nicht mehr ohne eine diplomatisch-politische Kooperation zwischen den USA, Russland und dem Iran zu bewerkstelligen ist.“

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