04:19 16 Dezember 2017
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    Flugbegleiter-Streik: „Jedem ist klar, dass man davon nicht leben kann“ – Ufo-Chef

    © REUTERS/ Ralph Orlowski
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    Cockpit, Verdi, Ufo - die Lufthansa wird aktuell von allen Seiten bestreikt. Der Vorstand bringe schon gute Ideen, vergesse aber seine Mitarbeiter, kritisiert die Ufo e.V. Seit zwei Jahren bemüht sich die Gewerkschaft um die Vertragstreue der Fluggesellschaft, so der Ufo-Chef.

    Ufo verhandle schon seit zwei Jahren, um die Lufthansa zur Vertragstreue  zu bringen, sagt Chef der Gewerkschaft, Nicoley Baublies, gegenüber Sputniknews. „Das hat trotz aller Kompromiss-Bemühungen nicht geklappt, jetzt müssen wir  nach zwei Jahren tatsächlich auf die Straße gehen, es gibt keine Alternative“, stellt er fest.

    Die Gewerkschaft bestehe darauf, dass die Lufthansa vertragstreu sei: „Wir haben zur Fortsetzung der Betriebsrenten einen Vertrag im September 2014 geschlossen. Dieser Vertrag würde mindestens 70 Millionen Einsparung im Jahr bedeuten, aber er würde eben eine Fortführung der Betriebsrenten bedeuten – daran mag sich die Lufthansa nicht mehr halten, weil sie festgestellt hat, dass sie mit noch weniger Ausgaben noch mehr Geld verdienen kann.“

    Im Vergleich zur heutigen Situation seien das Einsparungen von sieben bis zehn Prozent des kompletten Gehalts. „Das reicht der Lufthansa nicht: Man möchte Einsparungen von mindestens 20 Prozent auf die kompletten Personalkosten realisieren. Das ist tatsächlich zu viel des Guten“, fügt Baublies hinzu.

    Kritisiert wird von der Gewerkschaft vor allem, dass die Einstiegsgehälter und Renten sehr niedrig sind. „Die Behörden stellen sehr klare gesundheitliche Anforderungen: Ich darf an Bord nur arbeiten, wenn ich topfit bin“, so der Ufo-Chef. „Wir wissen, dass Zipperlein und Kleinigkeiten mit dem Alter einfach häufiger werden. Deswegen gibt eine spezielle Frühverrentung. Sie finanziert sich vor allem daraus, dass die Gehälter sehr niedrig beim Einstieg sind: Leute fangen mit 1400 Euro bei uns an und erst nach ungefähr 25 Jahren sind sie bei 3000 Euro“, erklärt er. Die gesetzlichen Renten bei einem durchschnittlichen Flugbegleiter seien 700 bis 1200 Euro. „Dass man davon alleine nicht leben kann, ist, glaube ich, jedem klar“, so Baublies.

    Der Fehler der Lufthansa sei es ihm zufolge, dass sie sehr lange nicht auf die Veränderungen am Markt reagiert habe.  „Billigflieger wurden belächelt, und jetzt glaubt man, dass man sich sehr schnell verändern will. Da ist natürlich schwierig, einen Betrieb mit 120.000 Mitarbeitern mitzunehmen“, sagt Nicoley Baublies.

    Seine Gewerkschaft wolle weiterhin an die Lufthansa appellieren: „Hier liegen Einsparpotenziale und Lösungen auf der Straße, der Vorstand greift nur nicht zu. Viele Ideen sind gut, da sind schon Leute, die ihren Job ganz gut können, nur haben sie darüber vergessen, dass sie noch Mitarbeiter haben.“

    Tags:
    Streik, Ufo, Lufthansa, Nicoley Baublies