15:28 19 August 2018
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    Arm und ohne Aussichten: Migrantenbezirk Molenbeek „ideal für Radikale“ - Experten

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    Als einen „idealen Nährboden für Radikalisierung“ attestiert Professor Günter Meyer, Leiter des Zentrums für Forschung zur Arabischen Welt an der Uni Mainz, den Brüsseler Stadtteil Molenbeek.

    „Es ist eines der benachteiligten Quartiere von Brüssel mit einem hohen Anteil von Migranten und mit sehr schlechten Wirtschaftsverhältnissen. In einem solchen Vierteil haben wir den idealen Nährboden für solche Konzentrationen von radikalisierten Gruppen“, so Meyer in einem Gespräch mit Sputniknews. 

    Genauso wie in Frankreich sei man auch in Belgien das Risiko einer Radikalisierung eingegangen, indem man einkommensschwache Migrantengruppen ohne Zukunftsperspektiven in bestimmten Stadtteilen konzentriert habe. „In Belgien gibt es prozentual gesehen die höchste Zahl von Rückkehrern von Militanten im Vergleich zu den anderen EU-Ländern“, fügt Meyer hinzu.

    Islamistische Zellen gebe es in Belgien, besonders in der Nähe von Brüssel, schon seit langem, so der belgische Autor und Journalist Michel Rosten. „Das Problem ist, dass sie bis vor kurzem ‚geschlummert‘ haben. Man kannte nur einige Namen von Sponsoren, die allerdings erst nach den Terroranschlägen festgenommen wurden. Die meisten Teilnehmer der Anschläge in Paris galten schon zuvor als radikalisiert, hatten jedoch bisher keine schweren Straftaten begangen“, so Rosten gegenüber Sputniknews.

    Das Problem sei durch „den Entzug der französischen Staatsbürgerschaft“, den der französische Premier Manuel Valls vorgeschlagen hat, nicht zu lösen.  „Der Staat ist hier hilflos. Er muss unter allen Umständen auf die Verfassung achten. Er kann nicht einem Menschen die Staatsangehörigkeit entziehen, der keine andere Staatsangehörigkeit besitzt. Wer sich abgeschoben fühlt, wird sehr schnell radikalisiert“, betont Rosten.

     

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    Tags:
    Terrorismus, Migranten, Paris, Belgien, Molenbeek
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