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08:52 23 Juli 2019
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    Moslems bei Restaurant Le Carillon in Paris

    Deutsche und Schweizer Moslems: „Europa braucht Muslime“ – Pauschale Vorwürfe abwegig

    © AFP 2019 / Dominique Faget
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    Als abwegig bewerten Moslems in Deutschland und der Schweiz die sich im Zusammenhang mit den Terrorattacken in Paris zunehmenden Versuche, die Debatte über die Terrorgefahr und über die Flüchtlingskrise zu vermischen. Das sei hochgefährlich und schade der europäischen Gesellschaft.

    Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime in Deutschland, Aiman Mazyek, hat im Gespräch mit Sputniknews betont, dass Flüchtlingspolitik vor allem Außenpolitik sei. „Das heißt, wir müssen in den Regionen Friedensperspektiven entwickeln. Dann werden die Menschen erst gar nicht aufbrechen, um hierher zu kommen.“ Die Diskussion über den angeblichen Zusammenhang zwischen den Attentaten in Paris und dem Flüchtlingszustrom führe letztendlich zur Zermürbung und zur Zerstörung der europäischen Werte. „Wenn wir so schnell und so direkt einknicken und diese Aussagen machen, dann haben die Terroristen gewonnen. Das ist das, was sie wollen. Sie zielen auf eine Spaltung und auf eine Zerstörung dieser freien Gesellschaft ab. Und sie wollen, dass Krieg und Spaltung zwischen den Gruppen gesät wird“, mahnt der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime in Deutschland.

    Die stellvertretende Pressesprecherin des Islamischen Zentralrats Schweiz, Janina Rashidi, stimmt dem zu: „Gelingt es den rechten Politikern, diesen vermeintlichen Zusammenhang zwischen Anschlägen und Flüchtlingen in der öffentlichen Meinung zu verankern, könnte das natürlich katastrophale Folgen für die schutzbedürftigen Menschen auf der Flucht haben. Wenn sich so etwas in Europa etabliert, dann wäre das ein schwerer Schlag gegen die humanitäre Tradition in unseren Ländern.“

    Der Islamische Zentralrat Schweiz bedauere die Anschläge sehr und empfinde Mitgefühl mit den Opfern und ihren Familien, fuhr sie fort. Es bestehe allerdings die Gefahr, dass man jetzt durch die Anschläge und durch die Flüchtlingsdebatte in eine Spirale der Gewalt und Gegengewalt gerate.

    „Europa braucht die Muslime, und die Muslime brauchen Europa. Es ist fraglich, ob dieser aggressive Diskurs, der zum Teil um Kopftücher, um Minarette und um Burkas stattfindet, noch zeitgemäß und überhaupt notwendig ist. Letzten Endes sehen wir in anderen, außeneuropäischen Ländern, dass Muslime, Juden, Christen, Atheisten und sonstige Orientierungen miteinander leben können. Zusammen mit Muslimen, Hindus und Buddhisten. Und wenn Pluralismus in unserer Gesellschaft beginnt, zu einem Schimpfwort zu degenerieren, ist der Weg nicht mehr weit, bis Europa letzten Endes in eine wirklich große Krise stürzen wird“, resümiert Janina Rashidi.

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    Migranten, Janina Rashidi, Aiman Mazyek, Schweiz, Deutschland