13:27 15 November 2018
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    Sänger Xavier Naidoo

    Eurovision Song Contest: Rückruf von Xavier Naidoo „Gutmenschentotalitarismus“?

    © AP Photo / Christof Stache
    Gesellschaft
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    Der NDR wollte Xavier Naidoo zum Eurovision Song Contest schicken. Nach öffentlicher Kritik und auch dem Protest von NDR-Mitarbeitern wurde der umstrittene Sänger aber zurückgepfiffen, was wiederum eine heftige Debatte in den deutschen Medien und sozialen Netzwerken ausgelöst hat.

    ARD-Unterhaltungskoordinator Thomas Schreiber hatte zuvor erklärt, dass er von der „Wucht der Reaktionen überrascht“ gewesen sei und dies unter anderem der Grund für den Rückruf sei. Der 44-Jährige Sänger Naidoo wird oft als Anti-US Verschwörungstheoretiker bezeichnet, weil er mehrmals geäußert hatte, dass Deutschland kein freies Land, sondern von den USA besetzt sei.

    Laut der „Tageszeitung“ ist die Begründung des NDR in diesem Zusammenhang deshalb nur „Futter für die Lügenpresse-Schreihälse“.

    „Völlig unabhängig von Naidoos künstlerischen Qualitäten hätte man sich schon vorher denken können, dass jemand, der auch solche Songtexte schreibt, die ohne viel Mühe als antisemitisch und homophob gedeutet werden können, und der auf Veranstaltungen irgendwelcher anti-amerikanischer Verschwörungstheoretiker vom rechten Rand Reden hält, vielleicht nicht der ganz ideale Vertreter ist, um quasi im offiziellen Auftrag als Vertreter dieses Landes losgeschickt zu werden“, schreibt TAZ.

    Conchita Wurst, Sieger(in) beim Eurovision Song Contest (ESC) 2014
    © Sputnik / Wladimir Astapkowitsch

    Dass der NDR Naidoo ausgesucht habe und ihn somit als einen „an höchster Stelle gewollten Repräsentanten“ entsenden wollte, sei eine „beachtliche Fehlleistung“ gewesen. Der Rückpfiff sei allerdings noch viel schlimmer, da der NDR somit „vor dem Zorn einer Teilöffentlichkeit“ einknicke. Noch fataler seien in diesem Zusammenhang allerdings, so TAZ, die Folgen in der Gesellschaft:

    „Genau diese Reaktion jetzt ist Wasser auf die Mühlen der Pegida- und AfD-Typen, die überall Tugendterrorismus, die Diktatur des politisch Korrekten und ganz allgemein „Gutmenschentotalitarismus“ wittern“, so die Zeitung zu einen Gastbeitrag von Joachim Huber im „Tagesspiegel“, wo Naidoo zwar als „nicht clean, aber auch nicht so clean wie die Klone des Gutmenschentotalitarismus“ bezeichnet wird.

    „Die fortgesetzte Helene-Fischerisierung des deutschen Beitrags zum European Song Contest kann nur zu weiterer Peinlichkeit führen. Geschmack ist eben nicht demokratisch, Können schon gar nicht“, schreibt Huber. Seiner Meinung nach sollte man dem neuen, gewendeten Naidoo doch eine Chance geben.

    Auch deutsche Prominente verteidigten den Sänger: „Es ist unglaublich, mit welcher Hetze Xavier von der Presse getrieben wird, weil er nun für uns beim ESC antreten soll“, schrieb der Comedian Michael Mittermeier in seinem Facebook-Account.

    Trotz des Rückzugs und trotzdessen, dass er die Entscheidung des NDR rechtfertigte, setzt sich auch der ARD-Unterhaltungskoordinator Schreiber für ihn ein: „Xavier Naidoo ist ein herausragender Sänger, der nach meiner Überzeugung weder Rassist noch homophob ist.“

    „Was hier gerade von sogenannten Leitmedien abgezogen wird, das ist eine Form von Terrorismus!“, wetterte der renommierte Schauspieler Til Schweiger auf seiner Seite im Facebook.

    Auch viele deutsche Internet-Nutzer äußerten ihren Beistand für den Sänger: „Xavier sagt, was viele nicht hören wollen, was viele nicht wahrhaben wollen, was viele nicht begreifen wollen oder können…, nur SCHADE, dass es nicht mehr Menschen gibt, die sagen und vielleicht auch singen, was Sie denken zu diesem, UNSEREM Lande…“, schrieb zum Beispiel der Facebook-User Torsten Schweizer.

    In der Zwischenzeit berichtet „Focus“ jedoch, dass die Absage nicht nur mit den Protesten der Zuschauer zusammenhänge, sondern auch noch einen anderen Hintergrund haben könnte: Rund 40 ARD-Mitarbeiter hätten zuvor einen Brandbrief an die Sender-Chefs geschrieben.

    „Wir festangestellten Redakteure und Redakteurinnen des Bereiches Zeitgeschehen und Kultur und Dokumentationen haben die Entscheidung mit Unverständnis und Fassungslosigkeit aufgenommen“, zitiert das Magazin das Schreiben.

    „Diese Entscheidung beschädigt das Ansehen der ARD und damit unser aller Arbeit nachhaltig“, heißt es weiter. Nun suche man nach neuen Stars, die von Deutschland zum Eurovision Song Contest geschickt werden können.

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    Tags:
    Eurovision Song Contest, NDR, ARD, Til Schweiger, Xavier Naidoo, Deutschland