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    Angstgefühl auf Rekordhöhe: „Deutsche sehen ihre Grundwerte in Gefahr“ – Psychologe

    © AFP 2019 / DPA/Oliver Berg
    Gesellschaft
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    Die Stimmung der Deutschen ist so pessimistisch wie seit Jahren nicht mehr, zeigt die neue GfK-Umfrage. 55 Prozent gaben an, angsterfüllt in die Zukunft zu blicken. Die Angst entstehe dort, wo die Grundwerte der Deutschen nicht erfüllt seien: Stabilität, Ordnung, Sicherheit, erklärt Diplom-Psychologe Prof. Jan Ilhan Kizilhan.

    „Hier sprechen wir von einer subjektiven Angst. Man hat das Gefühl, etwas könne passieren. Ich glaube, das hat mit der deutschen Werte- und Normengemeinschaft zu tun. Den Deutschen  sind Ordnung, Stabilität und Sicherheit wichtig“, sagt Prof. Jan Ilhan Kizilhan, Leiter des DHBW-Studiengangs Soziale Arbeit mit psychisch Kranken und Suchtkranken, Fakultät für Sozialwesen, gegenüber Sputniknews.

    Die neuen globalen Herausforderungen wie die Flüchtlingskrise und die internationale Terrorgefahr könne man aber nicht kontrollieren. „Der zwanghafte Perfektionismus ergibt bei der Bevölkerung möglicherweise ein Gefühl von Unsicherheit. Die Rückkehr einer „German Angst“ ist insofern gefährlich, dass man glaubt, dass Sicherheit und Ordnung nicht mehr gewährleistet werden“, erklärt Kizilhan.

    „Zurück zu nationalen Werten“

    Auch wirtschaftlich zeigten sich die Deutschen verunsichert. „Die Angst um die Wirtschaftslage Deutschlands ist mit der Realität und objektiven Daten zwar nicht vergleichbar, und doch haben die Bürger ein Gefühl, dass sie keine Kontrolle über die Prozesse in der Welt haben“, sagt der Psychologe. „Das führt natürlich dazu, dass Unsicherheiten entstehen, daraus entstehen wiederum Ängste, aus Ängsten entstehen konservative Denkeinstellungen: Zurück zu eigenen nationalen Werten“, fügt er hinzu. Das wiederum führe zu Rassismus und verschiedenen Diskriminierungen, die möglicherweise in Gewalt gegen Flüchtlinge zum Ausdruck kommen.

    Die Zukunft der EU ist laut der Umfrage ein weiterer Angstfaktor für die Deutschen: „Die verschiedenen Positionen der europäischen Länder führen zur allgemeinen Verunsicherung. Das heißt, der Glaube ist noch nicht verfestigt,  dass es eine europäische Gemeinschaft mit vielen Ländern und Kulturen unter einem großen Dach gibt, die gemeinsam mit Krisen umgehen will und diese Krisen bewältigen kann“, erklärt Kizilhan.

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    Tags:
    Migranten, Deutschland