20:53 24 Juni 2017
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    Britische Polizei in London

    Frühere MI5-Mitarbeiterin: Europäer verlieren wegen Terrorwarnungen Wachsamkeit

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    Terrorgefahr in Europa (2016) (232)
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    Die Sicherheitsbehörden der EU verstärken derzeit die Sicherheitsvorkehrungen in Großstädten. Auf diese Weise reagiert die Polizei der europäischen Länder auf Mitteilungen über mögliche Terroranschläge.

    Allerdings verbreiten die Behörden Panik unter den Bewohnern; viele könnten dadurch ihre Wachsamkeit verlieren, glaubt die frühere MI5-Mitarbeiterin Annie Machon.

    Die österreichische Polizei warnt vor Anschlägen, die zwischen Weihnachten und der Silvesternacht passieren könnten. Manche Länder schließen nicht aus, dass sie vor neuen Herausforderungen stehen.

    „Wir wissen nur zu gut, dass sie einen weiteren Schlag zu versetzen versuchen. Wir verstärken die Sicherheitsvorkehrungen, damit sie uns nicht unvorbereitet erwischen“, sagte der italienische Außenminister Paolo Gentiloni.

    Die Vorwarnungen tragen ihre Früchte: Die Bewohner der europäischen Länder melden willig alles, was ihnen verdächtig erscheint. Kürzlich waren Fahrgäste eines Zuges in Belgien auf eine herrenlose Tragetasche aufmerksam geworden. Eine ganze Station wurde evakuiert, der Zugverkehr wurde unterbrochen. Nach diesem Vorfall beklagte die Eisenbahngesellschaft, dass derartige Dinge die Menschen zusätzlich beunruhigen.

    In Kopenhagen musste der gesamte Flughafen wegen einer Bombenmeldung evakuiert werden. In Hannover wurde aus dem gleichen Grund das Fußballstadion geräumt, und das Freundschaftsspiel Deutschland-Niederlande musste abgesagt werden. Es wurde aber keine Bombe gefunden.

    Am Hauptbahnhof von Hannover wurde ein verdächtiger Gegenstand entdeckt, was Grund für die Schließung eines Teils des Bahnhofs war. Allerdings erwies sich der Vorfall als Fehlalarm. Später wurde in Hannover eine Konzerthalle geräumt.

    RT sprach darüber mit der früheren Mitarbeiterin des britischen Secret Service, Annie Machon. Laut ihr könnten die Menschen unachtsam werden, wenn die Politiker auch weiter Panik um mögliche Terroranschläge verbreiten würden.

    „Wenn die Menschen wissen, dass es konkrete Informationen über eine Terrorgefahr gibt, tun sie alles Notwendige, verhalten sich sehr vorsichtig und nehmen die harten Sicherheitsvorkehrungen, die vom Staat verhängt werden, in Kauf. Doch wenn die Politiker in allgemeinen Aussagen erklären, dass der Islamische Staat jederzeit angreifen könne, dass alles schrecklich sei und wir achtsam sein müssen, bekommen wir eine Situation wie die im Märchen von Jungen, der „Wolf!“ geschrien hat“, erklärte Machon.

    „Die Menschen verlieren das Gefühl für Gefahr. Das ist nicht unbedingt schlecht, denn derartige Erklärungen sollte man sich mit einem gesunden Anteil an Skepsis aufnehmen. In den letzten Jahren wurden viele Anschläge von einzelnen Terroristen verübt, von denen die meisten auf irgendwelchen Listen von potenziell gefährlichen Personen standen. Doch weil die Behörden durch elektronische Überwachungsmittel möglichst viele Informationen über alle Bürger zu sammeln versuchen und nicht mit Ressourcen sparen, gelingt es ihnen nicht, die bereits bekannten Verdächtigten im Auge zu behalten. Ich hoffe, dass sie jetzt ihre Herangehensweise korrigieren“, fügte die Ex-Mi5-Mitarbeiterin hinzu.

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    Tags:
    Terrorgefahr, Britischer Geheimdienst MI5, Annie Machon
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