SNA Radio
    Gesellschaft
    Zum Kurzlink
    Migrationsproblem in Europa (1282)
    11413
    Abonnieren

    Die Flüchtlingswelle hat in vielen EU-Ländern Diskussionen über die nationale Identität angespornt, stellt Politikwissenschaftler Prof. Dr. Thomas Jäger fest. Die neuesten Vorstöße im Anti-Terror-Kampf und der Bewältigung der Flüchtlingskrise – Einsatz der Bundeswehr und Integrationspflicht – gehen an den eigentlichen Problemen vorbei, meint er.

    „Die Ankunft so vieler Flüchtlinge hat dazu geführt, dass in Deutschland auf einmal darüber gesprochen wird, was Deutschsein eigentlich heißt, also die nationale Identität des Landes. Es gibt in Europa und im Umkreis Europas eine ganze Reihe von Ländern, die wieder verstärkt nationalistische Gedanken hegen“, sagt Thomas Jäger, Professor am Lehrstuhl für Internationale Politik und Außenpolitik der Universität zu Köln, gegenüber Sputniknews.

    In Deutschland sei es bisher nicht geschehen. „Die Frage, was denn Deutschsein heißt, wenn es nicht die deutsche Nation ist, ist jetzt hochgekommen. Da gibt es unterschiedliches Umgehen in den Parteien. Die auf der rechten Seite haben eher Furcht vor der Veränderung der Gesellschaft. Die Debatte über die Integrationspflicht geht genau in diesen Zweispalt hinein, das ist eine abgeleitete Debatte. Entscheidend ist letztlich, ob jemand einen Job finden, Deutsch lernen kann usw.“, sagt Jäger.

    Es gebe ihm zufolge in der Tat eine Entwicklung in den letzten Jahren, dass diejenigen Parteien Wahlen gewinnen können, die besonders nationalistische Parolen haben und darauf hinweisen, dass es so was wie eine „ewige Nation“ gebe. Wenn sich das durchsetze, würde es eine ganz gefährliche Entwicklung für die EU bedeuten, weil es eine ganz andere Geisteshaltung sei.

    Abgeleitet und an dem Problem vorbeigehend findet Prof. Jäger auch die Bundeswehr-Einsätze im Fall von Terroranschlägen. Für diese hat sich laut einer aktuellen YouGov-Umfrage die Mehrheit der Deutschen (53 Prozent) ausgesprochen. Laut Jäger gehe es hier um symbolische Politik, darum, dass man symbolisch die Staatsstärke zeigen könne.

    „Aber der Kampf gegen den Terror wird nicht mit Militär gewonnen, sondern es ist eine Aufgabe der Sicherheitsorgane“, so Thomas Jäger weiter. Sein Wunsch für das Jahr 2016 sei es, dass es gelinge, die diplomatischen Initiativen zur Bearbeitung internationaler Konflikte mit einem größeren Nachdruck voranzubringen. „Wenn die Konflikte nicht gelöst werden, sind die Kosten viel höher, als wenn man an der einen oder der anderen Stelle einen früheren Kompromiss finden würde“, schlussfolgert Prof. Jäger.

    Themen:
    Migrationsproblem in Europa (1282)

    Zum Thema:

    Umfrage: Schweden sehen Flüchtlinge jetzt mit anderen Augen
    Goldene Nase an Flüchtlingsnot verdienen – Thema Sozialwohnungen immer akuter
    Bayerischer Politiker zu Flüchtlingsstrom: „Solidarität der EU-Staaten ist gefragt“
    Chef der Polizeigewerkschaft: mit Rummel um gefälschte Pässe wird falsche Spur gelegt
    Tags:
    Migranten, Bundeswehr, Syrien, Deutschland