09:00 29 März 2020
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    Anschlag auf Satiremagazin „Charlie Hebdo“ in Paris (34)
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    Für eine Uno-Resolution, „die besagt, dass die drei Stifter der großen Weltreligionen nicht zum Gegenstand von Karikaturen gemacht werden dürfen“, plädiert George Corm, ehemaliger Finanzminister des Libanon und ausgewiesener Kenner der Mentalität der islamisch-arabischen Welt.

    „Nicht zuletzt, weil das im Falle des Islam Milliarden von Menschen verletzen würde“, so der Experte, der in Frankreich mehrere Bücher zu dieser Thematik veröffentlicht hat und sich als Mittler zwischen Ost und West versteht. „Ich glaube auch nicht, dass die Pressefreiheit so weit gehen kann, eine solche exzessive Form zuzulassen, wie sie Charlie Hebdo im Falle der ‚Mohamed-Karikaturen‘ angelegt hat.“

    Diese Karikaturen „haben die französische Kultur wohl nicht so gut repräsentiert, wie es immer heißt“, betont Corm im Sputniknews-Interview mit Michael Böhm aus Anlass des ersten Jahrestages der terroristischen Attacke auf die Pariser Redaktion des Satire-Magazins. „Die geht weit darüber hinaus, sie wurzelt in der Philosophie der Aufklärung – doch glaube ich, dass  selbst Voltaire schockiert von den Karikaturen gewesen wäre.“

    „Der islamische Terrorismus ist ein hausgemachtes Problem. Pakistan und Saudi-Arabien, die beiden Verbündeten der Vereinigten Staaten, haben seit 1978 diese Art wahhabitischer Dschihadisten hervorgebracht, die heute als islamische Terroristen in Erscheinung treten. Zunächst sollten sie in Afghanistan gegen die Sowjetunion kämpfen. Sie dienten also als Handlanger der Amerikaner, die nach ihrer Niederlage in Vietnam keine eigenen Soldaten mehr einsetzen wollten.“

    Nach Ansicht des Experten gibt es keinen „Krieg der Zivilisationen“. „Alle muslimischen Staaten sind Partner des  Westens. Selbst der Iran normalisiert seine Beziehungen dazu. Es gibt nur eine Ausnahme, und das ist Syrien. Die Türkei ist darüber hinaus Mitglied der NATO. Alle Eliten der muslimischen Länder schicken ihre Kinder zum Studium in den Westen und auch die Ärmsten in den muslimischen Ländern haben nur einen Traum: nämlich im Westen zu leben. Man muss nur aufhören, die Religion politisch zu instrumentalisieren.“

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    Tags:
    Terrorismus, NATO, Uno, Charlie Hebdo, George Corm