10:04 09 Dezember 2019
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    Migranten in Kopenhagen

    Dänemark blockt sich vor Asylbewerbern ab – Experte: „Rückfall in Barbarei“

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    Als einen „Rückfall in die Barbarei“ bewertet der Dänemark-Experte Prof. Dr. Bernd Henningsen vom Nordeuropa-Institut der Humboldt-Universität zu Berlin die jüngsten Beschlüsse in Dänemark, mit denen sich das Land vor Asylbewerbern abblocken will.

    Nachdem die Kontrollen an den dänischen Grenzen um weitere 20 Tage verlängert worden sind, stimmt das Parlament Ende Januar über international umstrittene Asylgesetze wie die Beschlagnahmung von Schmuck der Asylbewerber ab.

    "Von den Grenzkontrollen erwarten sich die Dänen Abschreckung. Das Ziel ist, weitere Flüchtlinge von Dänemark abzuhalten und sie dann auf andere Länder umzulenken, sprich sie sollen dann in Deutschland oder auf dem Balkan bleiben“, so Prof. Hennigsen in einem Sputniknews-Gespräch mit Bolle Selke.

    „Das ist auf jeden Fall das erklärte Ziel der dänischen Politik, und ich denke auch die Bevölkerung trägt das so. Die Regierung sagt das auch mehr oder weniger unverblümt: die Schwierigkeiten nach Dänemark rein zu kommen sollen immer größer werden, damit weniger Leute angelockt werden oder sich überhaupt auf den Weg machen." 

    "Wenn sie die geplanten dänischen Asylrechtsverschärfungen aus der deutschen Sicht betrachten, ist das ja wirklich ein Rückfall in die Barbarei, wie wir sie in den 30er und 40er Jahren in Deutschland erlebt haben“, betonte der Experte. „Offenbar haben unsere Nachbarn gar nicht realisiert, und glauben gar nicht, dass es für sie nachzuvollziehen ist, was hier in Deutschland im Nationalsozialismus passiert ist.“

    „Es wird jetzt darüber diskutiert, und Ende Januar soll im Parlament darüber beschlossen werden, dass den einreisenden Flüchtlingen ihre Wertsachen abgenommen werden, ab einer Höhe von 1350 Euro, man hat jetzt die Summe erhöht auf 10.000 dänische Kronen. Mit anderen Worten, auch gegenüber der Gastnation müssen die Flüchtlinge jetzt dafür bezahlen, dass sie einreisen. Das erinnert wirklich sehr — und viele Dänen artikulieren das ja wirklich auch so — an die Ausreisezahlungen, die die Juden leisten mussten, die Deutschland in den 30er Jahren verlassen  wollten."           

    In den jüngsten politischen Schritten einzelner EU-Länder im Zusammenhang mit der Flüchtlingswelle sieht Prof. Hennigsen eine ernsthafte Bedrohung für die europäische Einheit. "Es steht zu befürchten, dass wir das Ende der Freizügigkeit im Schengen-Raum erleben. Es steht aber noch viel mehr zu befürchten, dass Europa ganz offenbar insgesamt zur Diskussion und auf der Kippe steht. Es kann durchaus passieren, dass das noch gravierende Folgen für Europa hat. Das Problem im Augenblick ist ja doch, dass es offensichtlich keine Gesprächsbereitschaft  oder Einsicht in die Notwendigkeit von Gesprächen und damit dann verbunden europäischen Lösungen gibt. Es hat etwas mit dem Egoismus der Nationen zu tun, nicht nur der Osteuropäer, sondern eben auch der Nordeuropäer.“

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