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07:23 21 September 2019
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    Freunde von RAF-Mitglied Wolfgang Beer bei seiner Beerdigung. Wolfgang Beer kam am 25. Juli 1980 gemeinsam mit Juliane Plambeck bei einem Verkehrsunfall ums Leben.

    RAF - die Rückkehr? Nach Überfall DNA-Spuren von Mitgliedern entdeckt

    © AP Photo/ Eppler
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    In Sommer 2015 ist drei maskierten Personen ein Raubüberfall auf einen Geldtransporter nahe Bremen misslungen. In zwei zurückgelassenen Wagen haben Ermittler nun angeblich DNA-Spuren von Mitgliedern der Roten Armee Fraktion entdeckt, berichtet der Sender NDR unter Berufung auf die ermittelnden Behörden.

    „Es handelt sich um die genetischen "Fingerabdrücke" von drei Menschen, die als Angehörige der Terrororganisation "Rote Armee Fraktion" (RAF) seit Jahrzehnten auf den Fahndungslisten stehen: die 57 Jahre alte Daniela Klette, der 58 Jahre alte Volker Staub und der ebenfalls als Terrorist gesuchte Burkhard Garweg, Alter unbekannt“, so der Sender.

    Medienberichten zufolge wurden diese Spuren in zwei von den mutmaßlichen Ex-Terroristen hinterlassenen Fluchtfahrzeugen entdeckt. Im Juni vergangenen Jahres blockierten die Täter im Stuhrer Ortsteil Groß Mackenstedt (Landkreis Diepholz) mit einem VW-Bus einen Geldtransporter, dessen Insassen die Türen allerdings sofort geschlossen hatten. Die drei Maskierten feuerten mit Kalaschnikows einige Male auf den Transporter, doch nach einiger Zeit haben sie sich zurückgezogen – ohne die Panzerfaust, die einer der Täter trug, zu benutzen. Das Fluchtfahrzeug wurde später unweit des Tatorts in einem Waldstück entdeckt.

    Die RAF-Mitglieder Burkhard Garweg, Ernst-Volker Wilhelm Staub und Daniela Klette
    Die RAF-Mitglieder Burkhard Garweg, Ernst-Volker Wilhelm Staub und Daniela Klette

    Ein ähnlicher Überfall sei 1999 in Duisburg-Rheinhausen verübt worden, allerdings hatten die Täter Erfolg und erbeuteten rund eine Million Mark. In einem der Fahrzeuge seien damals Masken gefunden worden, an denen angeblich ebenfalls Speichelreste von Klette und Staub gewesen seien.

    „Experten wie der RAF-Kenner Butz Peters gingen damals davon aus, dass der Raubüberfall in Duisburg nicht dazu diente, weitere Terrortaten zu ermöglichen, sondern ‚die Altersversorgung von RAF-Veteranen zu ermöglichen‘. Mittlerweile könnte das Geld knapp geworden sein.“,  so der NDR-Beitrag.

    Daniela Klette, Volker Staub und Burkhard Garweg sollen 1993 an dem Sprengstoffanschlag auf die Justizvollzugsanstalt in Weiterstadt in Hessen beteiligt gewesen sein. Auch damals seien ihre DNA-Spuren gefunden worden.

    Der NDR-Artikel hat allerdings für viel Spott und Scherze bei den Lesern gesorgt. Einer der Leser kommentierte:

    „Im ursprünglichen Artikel vom August 2015 geht die Polizei von 2 rund 40-jährigen Tätern aus, welche nach nunmehr nur einem halben Jahr plötzlich um fast 20 Jahre gealtert und einer davon einer Geschlechtsumwandlung unterzogen worden sein sollen…? (…) Man sagt ja immer so gern DNA lügt nicht — wer aber dann? Waren es die Söhne der beiden Terroristen, hat also ein Generationenwechsel stattgefunden? Waren die DNA-Spuren kontaminiert? Wurden falsche Schlüsse gezogen? Braucht Deutschland wieder linke Feindbilder um von den rechten Mörderbanden und dem im Zusammenhang stehenden Ermittlungs- und Justizdebakel abzulenken? Die bisherigen Artikel und veröffentlichten Ermittlungsergebnisse lassen mehr Spielraum für Spekulation zu, als das nach einer solchen Zeitspanne und einer Mehrzahl gleicher Straftaten vorgeblich ein und derselben Tätergruppierung sein dürfte.“

    „Die Armen Omis und Opis der kommunistischen Weltrevolution müssen ja auch total deprimiert sein — ihre alten Kumpels Fischer und Stegner haben Karriere gemacht und Sie müssen sich als Panzerknacker über Wasser halten. Was ein trauriges Ende“, schrieb Hanno Kuhrt.

    „Das sollen wir jetzt wieder glauben? Demnächst wird uns wieder eine hanebüche Story erzählt und am Ende kommt raus, die RAF waren eigentlich nur v-Männer…“, schrieb Anne Silfredi.

    „Schon in den Neunzigern gab es Zweifel, ob die sogenannte "Dritte Generation" der RAF überhaupt existierte und nicht vielmehr ein Verfassungsschutzphänomen war. Möglicherweise liegt es im Zeittrend, dem "Michel" von allen Seiten ein wenig Angst zu machen, weil er dann weniger Einwände gegen den Ausbau des Sicherheits- und Überwachungsapparats hat“, so der User Roland Sievers.

    Die Rote Armee Fraktion war beschuldigt worden, 34 Mordanschläge sowie zahlreiche Sprengstoffanschläge und Banküberfälle begangen zu haben. Diese „kommunistische antiimperialistische Stadtguerilla“ war 1970 von Andreas Baader, Gudrun Ensslin, Horst Mahler, Ulrike Meinhof und einigen anderen jungen Menschen nach dem Muster südamerikanischer Partisanengruppen gegründet worden. Die Entstehung der Terrororganisation wird meist auf die damalige sozialpolitische Situation in West-Berlin und der Bundesrepublik Deutschland zurückgeführt. Die in den 60er Jahren herangewachsene Jugend bewertete anders als Vertreter der älteren Generation deren Handlungen im Zweiten Weltkrieg und zog das Existenzrecht der Bundesrepublik in der damaligen Form in Zweifel. Auf dem Territorium der Bundesrepublik entstanden eine außerparlamentarische Opposition und Studentenvereinigungen, die ihre Proteste friedlich bekundeten. Die RAF betrachtete sich als die revolutionäre Avantgarde der Opposition, die sich zu einer Weltrevolution berufen sah.

    Die RAF-Spitzenvertreter starben 1976 und 1977 im Gefängnis Stammheim. Laut der offiziellen Version begingen Meinhof, Baader, Ensslin und Jean-Carl Raspe Selbstmord.

    2008 drehte Regisseur Uli Edel den Spielfilm „Der Baader-Meinhof-Komplex“ über die RAF-Geschichte.

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    Tags:
    Terrorismus, Rote Armee Fraktion (RAF), Burkhard Garweg, Volker Staub, Daniela Klette, Deutschland