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    Ein Ermittler untersucht am 8. Aug. 1985 auf dem US-Luftwaffenstuetzpunkt Rhein-Main in Frankfurt nach einem Sprengstoffanschlag den Tatort.

    Ex-RAF-Mitglieder hinter Geldtransport-Überfall? – Experte: Keine neue Terrorgefahr

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    Das Auftauchen von DNA-Spuren einiger ehemaliger RAF-Mitglieder beim jüngsten Überfall auf einen Geltransporter bedeutet nach Ansicht von Dr. Butz Peters, Rechtsanwalt, Autor und RAF-Experte, nicht, dass nun eine neue Terrorgefahr von links aktuell wird.

    "Ich würde nicht sagen, dass wir es hier mit Terroristen zu tun haben. Ich würde sagen, es sind ehemalige Terroristen“, sagte er in einem Sputniknews-Gespräch mit Bolle Selke.  „Anschläge der Rote Armee Fraktion hat es seit 1993 nicht mehr gegeben. Die RAF hat sich 1998 aufgelöst und hat gesagt, aufgrund eigener Erkenntnisse lässt sie das Morden und die Anschläge sein. Sie verzichtet darauf, weil das Konzept Stadtguerilla — also durch Anschläge mobilisiert man die Massen — nicht funktioniert hätte. Für diese Erkenntnis brauchte es aber 28 Jahre und 34 Morde. Aber was die RAF erreichen wollte — große Sympathie bei den Linken und eine Erhebung der Bevölkerung — die hat es halt nicht gegeben. Deswegen hat sich die RAF aufgelöst.“ 

    Nun bestehe der Verdacht, dass Ernst-Volker Staub, Daniela Klette und Burkhard Garweg — die drei, von denen jetzt DNA-Material bei den beiden neuesten Überfällen gefunden worden ist — damals bei der RAF — mit  dabei gewesen sind, so der Experte. „Nachdem sich die Gruppe dann '98 aufgelöst hat, stellte sich natürlich für die die Frage, wovon leben wir weiter. So haben zwei von ihnen, nämlich Staub und Klette, im Jahr 1999 schon einen Banküberfall in Duisburg auf einen Geldtransporter gemacht.“

    „Den haben sie in RAF-Manier durchgeführt, also großes Besteck mitgebracht, da gab es eine Panzerfaust und  eine Maschinenpistole. Da wurde den Geldtransportfahrern ein Sturmgewehr gezeigt“, erinnert sich Dr. Peters. „Die Fahrer öffneten dann, und so konnten die Täter mit einer Million D-Mark flüchten. Eine Menge Geld, aber dieses Geld ist irgendwann mal aufgebraucht, denn sie müssen ja sehen, die drei konnten ja nicht einfach eine Tätigkeit übernehmen. Sie standen vom BKA zur Fahndung ausgeschrieben, und hätten sie sich irgendwo als Arbeitnehmer angemeldet, wären sie natürlich sofort verhaftet worden. Also besteht jetzt die Vermutung, dass die drei von der Million gelebt haben und dass jetzt das Geld zu Ende gegangen ist.“

    Die dritte Generation hatte aus den Fehlern der zweiten gelernt, so der Experte abschließend. „Das heißt, die Ermittler hatten keine konspirativen Wohnungen von der dritten RAF-Generation mehr feststellen können. Die dritte Generation hat zugeschlagen, ohne Fingerabdrücke zu hinterlassen. Die dritte Generation kleidete sich extrem unauffällig, und sie kamen wie der nette junge Mann von nebenan daher. Sie fuhren auch nicht mehr mit Autos, sondern weitgehend mit öffentlichen Verkehrsmitteln, also mit der Deutschen Bahn und ähnlichem. Also es gab praktisch keine Ansatzpunkte für die Ermittler."

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    Tags:
    Terroristen, DNA, Rote Armee Fraktion (RAF), Burkhard Garweg, Daniela Klette, Bolle Selke