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11:23 19 Oktober 2019
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    Tadschikistan: Radikale Zwangsrasur gegen Radikalisierung

    © AP Photo / Saurabh Das
    Gesellschaft
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    Die Polizei in der tadschikischen Provinz Chatlon hat im vergangenen Jahr rund 13.000 Männern als Zwangsmaßnahme die Bärte abrasiert. Rund 2.000 Frauen in der Region verzichteten freiwillig auf den Hidschab. Die Sicherheitsbeamten des Landes gehen weiterhin aktiv gegen alles „Fremdartige und der tadschikischen Kultur Zuwiderlaufende“ vor.

    Zu ihren Maßnahmen gehören die besagten Zwangsrasuren wie auch Kampagnen gegen das Kopftuch, vermeldet der „Russische Dienst des BBC“.

    Landesweit nahm die tadschikische Polizei im vergangenen Jahr zehntausende Männer fest. Nach der Persönlichkeitsüberprüfung wurden ihre Fingerabdrücke gesichert und die Bärte zwangsweise abrasiert. Die Zwangsmaßnahmen sind Teil einer staatlichen Kampagne gegen das „Fremdartige und der tadschikischen Kultur Zuwiderlaufende“.

    „Verbeugt euch nicht vor fremden Werten, lebt nicht die fremde Kultur! Tragt Kleidung von traditionellem Muster, keine schwarzen Kleider. Schließlich war selbst die Trauerkleidung einer tadschikischen Frau weiß und nicht schwarz“, appellierte Staatspräsident Emomalii Rahmon an die Menschen seines Landes.

    Beobachter betonen: Die Staatsführung begründet ihr Vorgehen mit dem dringenden Handlungsbedarf gegen die gesellschaftliche Radikalisierung und für den Erhalt der säkularen Regierungsform.

    Opfer der polizeilichen Maßnahmen haben gegenüber Journalisten indes geäußert, von den Sicherheitsbeamten geschlagen worden zu sein. Auch Dschowid Akramow musste Erniedrigungen über sich ergehen lassen. Eine Polizeistreife nahm ihn im Beisein seines siebenjährigen Sohnes vor dem eigenen Haus fest und brachte ihn auf die Polizeiwache.

    „Dort wurde ich aufs Gröbste wegen meines Bartes gemaßregelt. Man nannte mich einen Salafiten, einen Radikalen und Volksfeind. Sie nahmen wirklich kein Blatt vor den Mund, beschimpften die Religion und alle, die in die Moschee gehen. Dann hielten mich zwei Männer an den Armen fest und ein anderer hat mir den Bart zur Hälfte abrasiert“, erzählt Dschowid Akramow. Danach sei er auf die Straße geworfen worden. Der Bart werde nachwachsen – sagt er – die Erniedrigung aber bleibe unvergessen.

    „Das Schlimmste an der Geschichte ist für mich die völlige Willkür der Polizisten, die einfach Spaß an der Gelegenheit hatten, Menschen zu quälen“, sagt Akramow.

    Eine Beschwerde sei zwecklos: Die Regierung und die Gerichte halten ihre Hand über die Polizei. „Nach dieser Geschichte habe ich verstanden, warum Menschen sich radikalisieren“, sagt Dschowid Akramow.

    Ein tragischer Fall ereignete sich im vergangenen Sommer mit Umar Bobodschonow aus der tadschikischen Provinz Wahdat. Der Jurastudent der Sankt Petersburger Rechtsakademie wurde von Polizisten wegen seines Barts brutal zusammengeschlagen. Der junge Mann fiel ins Komma und erlag wenige Tage später, ohne aufzuwachen, seinen Verletzungen.

    Tadschikische Frauen, die weiterhin ein Kopftuch tragen, klagen ebenfalls über die erhöhte Wachsamkeit der Polizei ihnen gegenüber. Offiziell gilt in Tadschikistan das Kopftuchverbot nur in Bildungseinrichtungen. In der Praxis jedoch wird das Tragen von Kopftüchern in jedweden amtlichen Gebäuden geahndet. Zudem entscheidet sich bei Bewerbungen die Frage der Einstellung daran, ob die Frau bereit ist, ihr Kopftuch abzulegen.

    Früher bereits hatte die Staatsführung die Bürger des Landes dazu aufgerufen, ihren Kindern Namen in Übereinstimmung mit den Normen der nationalen Kultur zu geben.

    Offiziellen Angaben zufolge bekennen sich 99 Prozent der Landesbevölkerung zum Islam. Außer einer kleinen schiitischen Minderheit sind die Muslime des Landes Hanafiten.

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