03:31 17 Juni 2019
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    Barbesitzerin Karin Siebrecht-Janisch

    „Asylantenfreie“ Bar in Bad Ischl: Hochbrisanter Skandal im verschlafenen Kurort

    © Sputnik / Armin Siebert
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    Noch vor dem Skandal um die „migrantenfreien“ Diskotheken in Freiburg hat sich ein Lokal im österreichischen Salzkammergut nach unschönen Zwischenfällen mit Flüchtlingen für „asylantenfrei“ erklärt.

    Im beschaulichen Bad Ischl kam es in der Silvesternacht zu sexuellen Übergriffen durch Asylbewerber. Allerdings scheinen die Mühlen im dem kaiserlichen Kurort etwas langsamer zu mahlen. Anstatt aufzuklären, schiebt man sich bisher gegenseitig den Schwarzen Peter zu.

    Das Nachtleben von Bad Ischl spielt sich im Wesentlichen in einer Handvoll Kneipen und vor allem in der einzigen Disko-Lounge, der Charly’s Bar, ab. Seit einiger Zeit gibt es hier Probleme mit ausländischen Gästen: „Es ist so, dass seit November bei mir Asylanten als Gäste waren“, sagt Barbesitzerin Karin Siebrecht-Janisch. „Und zwar viele, die immer mehr und mehr meine weiblichen Gäste belästigt haben – sie betatscht, begrapscht, sie mit Blicken ausgezogen bzw. ihnen bis zur Toilette gefolgt sind oder bis nach draußen vor die Tür.“

    Da die Chefin von Charly’s Bar weitere Umsatzeinbußen fürchtete, wandte sie sich an den Bürgermeister von Bad Ischl, Hannes Heide (SPÖ), und besuchte sie die Flüchtlingsunterkunft in einem ehemaligen Altenheim. Die Wirtin erkannte dort zwar Flüchtlinge, die in ihrer Bar zu Gast waren, allerdings konnte sie selbst keine Straftäter identifizieren. 

    Für den Bürgermeister von Bad Ischl konnte der Fall bisher nicht geklärt werden und er wehrt sich gegen Verallgemeinerungen: „Der Zustand, dass ein Generalverdacht über allen männlichen Asylbewerbern in Bad Ischl steht, kann nicht im Interesse der Stadt, aber vor allem auch nicht im Interesse von jemandem, der sexuell belästigt wurde, sein. Das kann so nicht im Raum stehen und das gehört geklärt“, äußerte er in einem Sputniknews-Gespräch mit Armin Siebert. „Anscheinend wurde niemand identifiziert. Es gab ein Partyfoto, wo fünf Asylbewerber drauf waren, von denen es hieß: die waren's. Diese wurden aber vorher bei einer Gegenüberstellung nicht erkannt.“

    Bekannt wurde die Sache, als Charly‘s Bar auf Facebook und Twitter postete, dass ihr Lokal nun wieder „asylantenfrei“ sei. Das sorgte im Internet für reichlich Empörung, wie Frau Janisch berichtet: „Die Reaktionen auf Facebook waren erst sehr böse. ‚Nazi‘ und ‚Rassist‘ waren da noch die nettesten Ausdrücke. Dann ist das immer tiefer und tiefer gegangen, dass ich mir gesagt habe, ich lese mir das nicht mehr durch. Das ist mir jetzt zu viel. Aber ich bleibe trotzdem bei meiner Meinung und meiner Stellungnahme.“

    Zu der Formulierung „asylantenfrei“ meint Frau Janisch: „Wenn ich gewusst hätte, dass dieses Wort so ein Tam-Tam macht, dann hätte ich das anders umschrieben. Eigentlich war der Post für meine Stammgäste gedacht, dass die wissen, ok, wir können da wieder reingehen.“

    Charly’s Bar sah sich zunächst in den sozialen Medien einem heftigen Shitstorm ausgesetzt. Seitdem die Chefin der Bar klarstellte, dass es ihr nicht um generelle Ausländerfeindlichkeit geht, erfährt das Lokal auch viel Sympathie und Unterstützung aus aller Welt.  Ein Gast kam extra aus Tschechien angereist, um ihr Mut zu machen. Sie bekommt aufbauende Post aus Deutschland, Frankreich und sogar aus Australien. Laut Frau Janisch sind mittlerweile 90 Prozent der Kommentare auf Facebook positiv.

    Auch die österreichische Politik meldete sich zu Wort. Der Wiener FPÖ-Vizebürgermeister Johann Gudenus bezeichnete das Lokalverbot als “guten notwendigen Schritt” und forderte ein “Österreich-Verbot für diese illegalen Zuwanderer”. Daraufhin bereitet nun wohl der Linzer Kriminologe Uwe Sailer eine Anzeige wegen Verhetzung gegen den Politiker und die Wirtin vor.

    Frau Janisch betont, dass sie nicht ausländerfeindlich sei. Dieser Vorwurf sei absurd, da ihr Mann selbst Ausländer ist.„Mein Mann ist in Holland geboren, aber indonesischer Abstammung. Er ist dunkelhäutig, genauso wie zwei meiner Kinder. Ich bin weder Rassist noch ausländerfeindlich und alle meine Stammgäste wissen das.“

    Der Bürgermeister vermutet auch, dass Frau Janisch nachdem sie merkte, dass sie mit der umstrittenen Äußerung auf Facebook zu weit gegangen ist, die Flucht nach vorn antrat nach dem Motto „Jetzt erst recht“. Bürgermeister Heide vermutet gar eine PR-Kampagne hinter dem Wirbel um Charly’s Bar, da das  Lokal wohl möglich nicht mehr so gut lief.

    Bürgermeister Heide warnt vor Übertreibungen: „Das ging ja so weit, dass mich Leute angesprochen haben, dass in der Silvesternacht Frauen im Charlys vergewaltigt wurden.“

    Frau Janisch unterstreicht, dass es ihr nur um Recht und Ordnung in ihrem Lokal gehe: „Es geht darum, wenn ich in einem anderen Land bin, dann muss ich mich auch kulturell anpassen. Das heißt, bei uns hat eine Frau einen Wert. Und dann kann ich sie nicht als Vieh behandeln.“

    Auch Bürgermeister Heide spricht sich dafür aus, dass die Sache bald geklärt wird:

    „Ich hoffe, dass sich dieses Problem jetzt beruhigt, dass man zum Kern der Sache kommt. Wenn es tatsächlich so war, dass es Vorfälle gegeben hat und sich das auf einen überschaubaren Täterkreis reduziert, das wird dann schon bei vielen Menschen in Bad Ischl zu der Einstellung führen: Vorsicht, aufpassen, auf der Hut sein. Aber grundsätzlich gehe ich davon aus, weil es ja bisher funktioniert hat, dass das Verhältnis wieder auf eine normale Ebene kommt.“

    Nachdem eine der Kellnerinnen aus Charlys Bar zur Polizei gegangen ist, soll es nun, laut Aussage von Frau Janisch, zu weiteren Anzeigen weiblicher Gäste der Silvesternacht in Charly’s Bar in Bad Ischl kommen.

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    Migranten, Charly’s Bar, Karin Siebrecht-Janisch, Hannes Heide, Armin Siebert, Bad Ischl