21:59 22 April 2019
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    Kellnerin in Charly’s Bar im österreichischen Bad Ischl

    Von Flüchtlingen belästigt: Kellnerin in Bad Ischl erstattet Anzeige

    © Sputnik / Armin Siebert
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    Die 19-jährige Kellnerin Steffi G. ist in der Silvesternacht bei der Arbeit in Charly’s Bar im österreichischen Bad Ischl von fünf Männern ausländischer Herkunft am Gesäß und an der Brust berührt worden, so die Mitteilung der Polizei.

    Nachdem dieser Fall in den Medien und in den sozialen Netzwerken zu heftigen Diskussionen und gegenseitigen Anschuldigungen geführt hat, kam es vergangene Woche zu einer ersten Anzeige wegen sexueller Belästigung.

    Nach dem Besuch bei der Polizei kam es zu einer Gegenüberstellung in dem Altenheim Sarsteinerstiftung, in dem zurzeit ca. 80 vorwiegend männliche Asylbewerber untergebracht sind. Dort fühlte sich Steffi G. allerdings nicht ernst genommen. „Ich hatte zum Glück ein Foto im Handy gehabt“, berichtete sie in einem Sputniknews-Gespräch mit Armin Siebert. „Und das waren genau die fünf von Silvester. Aber vorher bei der Gegenüberstellung konnte ich die leider nicht erkennen aus dem Kopf. Die Betreuerin hat dann schon gelacht und gemeint, dass sie gewusst hat, dass da nichts bei rauskommt. Als ich ihr dann das Foto zeigte, war ihr das schon unangenehm, dass da fünf Flüchtlinge aus ihrer Einrichtung drauf waren.“

    Die Chefin von Charly’s Bar, Karin Siebrecht-Janisch, steht zu ihrer Kellnerin und empört sich ebenfalls über die Polizei: „Die Reaktion der Polizei war mal wieder typisch. Wenn du als Frau eine Anzeige machst und du hast keine offensichtliche Verletzung, dann wirst du nicht als Opfer behandelt, sondern fast wie ein Täter, dass du dir das ausgedacht hast.“

    Charly’s Bar in Bad Ischl
    © Sputnik / Armin Siebert
    Charly’s Bar in Bad Ischl

     

    Bad Ischl in Salzkammergut lebt von seinen ausländischen Gästen. Früher gab es damit auch in Charly’s Bar keine Probleme, wie die Kellnerin bestätigt: „Wir haben viele Ausländer in unserem Lokal — Türken, Albaner, alles Mögliche. Und wir sind kein Stück ausländerfeindlich. Darum geht es gar nicht. Ich sag ja nicht, dass alle Flüchtlinge so sind. Es geht nur um die Personen, die jetzt angezeigt wurden. Diese Flüchtlinge waren schon öfters da und sie sind schon am Anfang ungut aufgefallen. Das fing an mit "Ich liebe dich" und Händchenhalten. Aber dann fingen sie an, Mädchen an den Hintern zu greifen.“

    Die Charly‘s Bar sei sogar in letzter Zeit als “Asylantenlokal” verschrien gewesen, was dazu führte, dass vor allem weibliche Stammgäste fernblieben.

    „Jeder fokussiert sich auf die Silvesternacht im Charly‘s. Solche Vorfälle gab es jedoch hier schon vorher. Handgreiflichkeiten, Begrapschen von Personal und Gästen“, berichtet Security-Mann Peter G., der an dem Abend Dienst hatte. „Und in der Silvesternacht wurden einfach Getränke von Gästen ausgetrunken. Sie haben sich ohne zu fragen am Tisch bedient und eingeschenkt.“

    Inzwischen nimmt das Lokal am Wochenende Eintritt und es wurde weiteres Security-Personal eingestellt. Auch Kellnerin Steffi G. arbeitet weiter im Charly‘s und hofft, dass die Schuldigen bestraft werden: „Ich hoffe, dass diese fünf Personen das zugeben und zum Beispiel ein Ausgangsverbot bekommen. Diese fünf sollen schon sehen, dass sie in Österreich nicht tun und lassen können, was sie wollen.“

    Nachdem die Anzeige bekannt wurde, wurde Steffi G. in den sozialen Medien massiv bedroht. Und es ging noch weiter, wie die Chefin der Bar berichtet: „Meiner Kellnerin ist ein Reifen am Auto zerstochen worden. Sie ist dann zur Werkstatt gefahren und ihr wurde gesagt, nein, sie hat sich nichts eingefahren, sondern da hat definitiv jemand mit einem Messer oder Schraubenzieher in den Reifen gestochen.“

    Steffi G. betont immer wieder, dass es ihr nicht um Ausländer im Allgemeinen geht: „Ich bin null ausländerfeindlich, null rassistisch. Nur, wenn so etwas ist, das ist mir zu persönlich, wenn ich so angegriffen werde. Darum hab ich Anzeige gemacht.“

    Nachdem sich die Kellnerin zu der Anzeige durchgerungen hat, planen nun auch einige weibliche Gäste der Silvesternacht, sich an die Polizei zu wenden, wie Steffi G. berichtet: „Ich habe auch mit vielen Mädels gesprochen, die erzählen, dass ihnen das Silvester genauso passiert ist. Ich hab ja meine Anzeige schon gemacht. Und so hab ich den Mädels geraten, jetzt auch Anzeige zu machen.“

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    Tags:
    Migranten, Polizei, Charly’s Bar, Steffi G, Karin Siebrecht-Janisch, Armin Siebert, Bad Ischl