11:51 13 Dezember 2017
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    Karl Bodek und Kurt Löw, Ein Frühling, 1941

    Kunst aus dem Holocaust: „Die Seele kann man nicht einsperren“

    © Foto: Yad Vashem Art Museum
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    Zum Tag des Gedenkens an die Holocaust-Opfer und als Abschluss des 50-jährigen Jubiläums der deutsch-israelischen Beziehungen sind im Deutschen Historischen Museum erstmals 100 Kunstwerke aus dem Holocaust zu sehen. Man könne Menschen unterdrücken, nicht aber ihre Seele und ihre Kreativität, sagt DHM-Pressereferent Boris Nitzsche.

    „Das sind alles Werke, die im Holocaust gemalt wurden. Sie sind in Konzentrationslagern, in Ghettos, in Arbeitslagern und teilweise im Versteck entstanden“, sagt  Boris Nitzsche für Sputniknews. Das Konzept teile die Ausstellung in drei Bereiche ein: „Dokumentarisches Zeugnis des Geschehenen – was eigentlich passiert ist, wie die Leute gelebt haben; Porträts, die erstaunlicherweise nie die Täter, sondern immer die Opfer zeigen und eine Selbstvergewisserung darstellen – es ist der Wille gegenüber dieser schrecklichen Wirklichkeit. Und drittens die Transzendenz, also die Flucht in Gegenwelten, in den Glauben, in die Religion, eine Art Nothilfe durch die Kunst.“

    • Leo Haas, Ankunft eines Transports in Theresienstadt, 1942
      Leo Haas, Ankunft eines Transports in Theresienstadt, 1942
      © Foto:
    • Nelly Toll, Mädchen im Feld, 1943
      Nelly Toll, Mädchen im Feld, 1943
      © Foto: Yad Vashem Art Museum
    • Bedřich Fritta, Hintereingang, 1941-44
      Bedřich Fritta, Hintereingang, 1941-44
      © Foto: Yad Vashem Art Museum
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    © Foto:
    Leo Haas, Ankunft eines Transports in Theresienstadt, 1942

    Es seien noch nie so viele Kunstwerke aus Yad Vashem außerhalb Israels gezeigt worden. Und dass solche unersetzlichen Kunstwerke ausgerechnet nach Deutschland reisten, sei auch ein schönes Symbol für die diplomatischen Beziehungen.

    Die Ausstellung wurde am Montag von Bundeskanzlerin Angela Merkel eröffnet. „Frau Merkel war bei der Eröffnung persönlich berührt, das konnte man merken: Sie hat die letzte noch lebende Künstlerin Nelly Toll getroffen“, berichtet Nitzsche.

    Ihm zufolge könne man aus dieser Zeit nie genug Lehren ziehen: „Es gibt viele Leute, die offen sind, aber man darf nicht vergessen, es gibt auch Antisemitismus. Wir erleben im Moment eine Phase, in der die Toleranz und die westlichen Werte unter sehr starkem Druck stehen. Wir sind heute in einer Situation, wo Flucht und Vertreibung Alltagsthemen geworden sind.“

    Eine der Botschaften der Ausstellung sei laut Nitzsche: „Man kann Menschen einsperren, sie unterdrücken und foltern, aber man kann nicht ihre Seele rauben und ihren Wunsch unterdrücken, etwas Schönes zu gestalten.“

    Pavel Fantl, Das Lied ist aus, 1941–44
    © Foto: Yad Vashem Art Museum
    Pavel Fantl, Das Lied ist aus, 1941–44

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    Tags:
    Holocaust, Yad Vashem, Angela Merkel, Boris Nitzsche, Deutschland
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