17:44 16 Dezember 2017
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    Rechtsextreme in Deutschland (Archiv)

    Hass im Netz: Rechtsextreme gehen im Internet in Offensive – Experte

    © REUTERS/ Wolfgang Rattay
    Gesellschaft
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    Das bedrohliche Wachstum des gewaltorientierten Rechtsextremismus erfordert nach Ansicht von Professor Wolfgang Frindte, stellvertretender Leiter des Kompetenzzentrums Rechtsextremismus der Friedrich-Schiller-Universität in Jena, stärkere Interventionen durch die Sicherheitsbehörden, aber auch ein intensives Engagement der Zivilgesellschaft.

    „Natürlich sind stärkere Interventionen durch die Sicherheitsbehörden notwendig“, betont der Experte. „Also Verbote rechtsextremer Bewegungen und natürlich auch deren Plattformen. Heute sah ich, dass gegen die Internetplattform Altermedia vorgegangen wird — ein internationales, neonazistisches Internetportal mit einer starken Basis auch in Deutschland. Das wäre auch eine wichtige Geschichte."

    Aber auch das Engagement der Zivilgesellschaft sei notwendig, betonte er im Sputniknews-Gespräch mit Bolle Selke. "Wir haben es ja seit Mitte der 2000er Jahre in Jena geschafft, die Rechtsextremen zurückzudrängen. Das ist wirklich nur passiert, indem die Leute ganz engagiert gegen die Rechtsextremen gewandt haben. Das klingt sehr pauschal, aber ich vermisse dieses Engagement der Zivilgesellschaft. Es gibt viele ganz engagierte Gruppierungen, Organisationen und Institutionen, aber diese vermeintliche Mitte, die schweigt.“

    Ganz beträchtlich habe die Aktivität der Rechtsextremen in den sozialen Netzwerken zugenommen, stellt Professor Frindte fest. "Da gibt es ja eine Wechselwirkung zwischen den Medien und den Rechtsextremen. Die Rechtsextremen nutzen einerseits die sozialen Medien zur Propaganda und zur Verbreitung von Rassismus. Andererseits wirkt diese rechtsextreme Hetze im Netz auch als mediale Gelegenheit bei jenen, die eben noch nicht zum harten Kern der Rechtsextremen gehören.“

    „Hass gab es im Internet immer schon“, so der Wissenschaftler. „Was man aber seit 2015 beobachten kann, ist eine neue Tendenz. Rechtsextreme Propaganda, die sich lange Zeit ausschließlich in den rechtsextremen Foren und Websites finden ließ, erreicht nun eben auch die Blogs, die Kommunikationsspaten, die Kommentarspalten der klassischen Medien. Da versuchen Rechtsextreme und auch Rechtspopulisten, die Diskussionen mitzubestimmen, aber auch zu bedrohen, zu nötigen und zu verdrängen. Facebook und Internet-Blogs haben in den letzten zwei Jahren mindestens um 100 wenn nicht sogar um 200 Prozent im Hinblick auf diese Hasskommentare und Hassbemerkungen zugenommen."

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