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    Polizei: „Keine Sexualstraftat“ im „Fall Lisa“ - Anwalt: keine voreiligen Schlüsse

    © Sputnik / Andrey Putra
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    Fall Lisa (15)
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    Das 13jährige russlanddeutsche Mädchen Lisa hat laut dem Staatsanwaltssprecher die Nacht zum 12. Januar, in der sie als vermisst gemeldet wurde, „bei ihrem Bekannten verbracht“.

    Wie der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Martin Steltner, am Freitag in einem telefonischen Sputniknews-Interview mitteilte, konnten die neuesten Informationen zu dem Fall anhand einer Rekonstruktion von Handy-Daten des Mädchens gewonnen werden. Es handle sich dabei um einen 19jährigen Mann.

    Die Wohnung des Mannes, der als „Zeuge“ gilt, sei bereits durchsucht worden. „Wir haben dort Gegenstände von ihr gefunden und haben ihn und seine Mutter vernommen“, so Steltner.

    „Wir haben das Ergebnis, dass das Mädchen schlichtweg schulische Probleme hatte und schlichtweg Unterschlupf gesucht hatte“, fügte er hinzu.

    „Wir haben keine Beweise für irgendwelche Sexualstraftaten“, betonte Steltner. „Dessen ungeachtet werden die Ermittlungen wegen sexuellen Missbrauchs vor ihrem Verschwinden weiter fortgesetzt.“ Es handle sich dabei um zwei junge Männer im Alter von 20 und 22 Jahren.

    Der Anwalt der Familie von Lisa, Alexej Danckwarth, äußerte  sich indessen skeptisch über die bisherigen Ermittlungsergebnisse und Warnte, aus den Ermittlungen voreilige Schlüsse zu ziehen. Er möchte das sozialpsychologische Gutachten der Behörden abwarten — wobei er dieses Ergebnis schon jetzt anzweifelt, das sagte er gegenüber Sputniknews.

    Zudem sei nach Angaben des Juristen noch nicht geklärt, woher die Kopfverletzungen der 13-jährigen stammen.

    Am Donnerstag hatte der russische Außenminister Sergej Lawrow während seines Besuchs in Aschchabad zum „Fall Lisa“ erneut Stellung genommen und erklärt: „Da es sich um eine Bürgerin der Russischen Föderation handelt, haben wir nicht nur das Recht abzuwarten, bis die diesbezüglichen Ermittlungen abgeschlossen sind.

    Nein, wir müssen auch allen Normen entsprechend, die in der zivilisierten Welt gelten, über den einen oder anderen Vorfall mit Bürgern der Russischen Föderation informiert werden. Im vorliegenden Fall wurde dies nicht rechtzeitig getan. Eben deshalb wurde diese Situation unterschiedlich gedeutet.“

    „…Je mehr Transparenz und mehr Informationen es über unsere Bürger gibt, die in außergewöhnliche, schwierige Situationen geraten, umso besser wird es für unsere Beziehungen sein und bei niemandem werden Fragen aufkommen, was Propaganda und was Einmischung in die inneren Angelegenheiten ist“, so Lawrow.

    Mitte Januar hatte die Nachricht über eine mutmaßliche Entführung und Vergewaltigung eines russischstämmigen Mädchens in Berlin ein starkes Echo ausgelöst, insbesondere weil es ursprünglich hieß, bei den mutmaßlichen Tätern handle es sich um Personen „mit arabischem bzw. nordafrikanischem Äußeren“.

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    Fall Lisa, Martin Steltner, Sergej Lawrow, Berlin, Deutschland