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20:54 18 Oktober 2019
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    Migranten aus Marokko an der griechisch-mazedonischen Grenze

    Skandinavien unterstützt Rücknahme junger marokkanischer Flüchtlinge finanziell

    © AP Photo / Giannis Papanikos
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    Migrationsproblem in Europa (1282)
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    Schweden will Marokko Wirtschaftshilfe anbieten, damit die marokkanischen Behörden endlich die Minderjährigen zurückholen, die auf der Suche nach einem besseren Leben nach Schweden gekommen waren, das Land aber nach der Abweisung ihres Asylgesuchs nicht verlassen haben.

    In den letzten Jahren sind Gruppen marokkanischer Jugendlicher, die sich abends an belebten Orten versammeln, Raub und Diebstahl begehen und groben Unfug treiben, ein ernsthaftes Problem für die Polizei in den Großstädten geworden.

    Nun sei Schweden bereit, den Unterhalt von Zentren für Kinder und Jugendliche zu bezahlen, schreibt „Svenska Dagbladet“ unter Berufung auf TV4 Nyheterna.

    „Wir wollen doch nicht, dass sie, wenn wir sie ausweisen, auf den Straßen von Rabat herumlungern. Wir wollen, dass es eine organisierte Rücknahme wird, und dann sind wir bereit, uns auch an der Finanzierung dieser Rücknahme zu beteiligen“, sagte der schwedische Innenminister Anders Ygeman dem Fernsehsender TV4 Nyheterna.

    Migranten in Schweden
    © REUTERS / Stig-Ake Jonsson/TT News Agency

    Laut dem Justizministerium befinden sich in Schweden zurzeit etwa 800 Jugendliche aus Marokko und anderen nordafrikanischen Ländern, die auf der Straße leben.

    Die Regierung im benachbarten Norwegen plant ebenfalls, junge unbegleitete Flüchtlinge in ihre Heimat abzuschieben. Dafür werden mit Afghanistan Pläne zum Bau eines Zentrums für Minderjährige in Kabul abgestimmt.

    „Afghanistan hat nichts gegen die Einrichtung eines Kinderzentrums einzuwenden. Wir können die Flüchtlinge zurückschicken, ehe sie volljährig werden“, zitiert die Zeitung „Aftenposten“ den Staatssekretär im Justizministerium, Jøran Kallmyr.

    Er sagt, viele afghanische Kinder würden eine Aufenthaltsgenehmigung erhalten, weil sie in Afghanistan keinen Vormund haben. Aber viele kommen auch nach Norwegen in der Hoffnung, die Wirtschaftslage ihrer Familien zu verbessern, sagen aber, dass sie keine Eltern hätten. Kallmyr rechnet damit, dass die neuen Maßnahmen erlauben werden, die Zahl der Kinder zu verringern, die mit dem Ziel nach Europa kommen, Geld zu erhalten. Außerdem sollen sie helfen, die Kinder in der Heimat wieder mit ihren Familien zusammenzuführen.

    Norwegen hat seit 2009 an der Einrichtung eines solchen Zentrums gearbeitet. In den Jahren 2011-2014 arbeitete das Land mit Schweden, Großbritannien, den Niederlanden, Dänemark und Belgien in der Europäischen Organisation zur Rückführung unbegleiteter Minderjähriger (ERPUM – European Return Platform for Unaccompanied Minors) zusammen.

    Der seit 2012 in Norwegen lebende afghanische Flüchtling Jomaa Nazari betrachtet das als schlechte Idee und sagt: „Die Jugend denkt immer an die Zukunft. Es ist keine Zukunft, in ein Kinderzentrum nach Kabul zurückgeschickt zu werden. Da ist garantiert, dass die Jungs auf der Straße landen und in kriminellen Gruppierungen arbeiten werden. Und sie werden nur daran denken, wie sie nach Europa und nach Norwegen zurückkehren können.

    Wir, die Menschen, die heil und unversehrt sind, haben eine moralische Verantwortung den Kindern gegenüber. Sie sind unschuldig, mit dem Krieg haben sie nichts zu tun. Norwegen hat am Krieg in Afghanistan teilgenommen, und deshalb trägt es Verantwortung.“

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    Tags:
    Migrationspolitik, Migranten, ERPUM, Anders Ygeman, Jøran Kallmyr, Marokko, Schweden