14:38 17 Juni 2019
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    Flüchtlinge durchbrechen Sperren an der serbisch-kroatischen Grenze

    Waffeneinsatz an Grenze: Wieso Deutsche so harte Maßnahmen befürworten - YouGov-Chef

    © AP Photo / Darko Vojinovic
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    Eine aktuelle YouGov-Studie hat ergeben, dass ein Viertel der Befragten in Deutschland den Einsatz von Schusswaffen gegen Flüchtlinge an den Grenzen begrüßen. Der Psychologe und Vorstand bei dem Meinungsforschungsinstitut, Holger Geißler, erklärt in einem Sputnik-Interview, unter welchen Umständen Menschen eine solche Position nahe liegt.

    Nachdem die Chefin der Partei Alternative für Deutschland (AfD), Frauke Petry, in ihrem Twitter-Account geschrieben hatte, dass Polizisten illegale Grenzübertritte von Flüchtlingen verhindern und dabei „notfalls auch von der Schusswaffe Gebrauch machen“ müssten, führte das Meinungsforschungsinstitut YouGov eine Umfrage durch. Diese bestätigte, dass in Deutschland mehr als jeder vierte Befragte (29 Prozent) für gerechtfertigt hält, unbewaffnete Flüchtlinge mit Waffengewalt am Grenzübertritt zu hindern.

    In einem Gespräch mit Sputnik News sagte nun der YouGov-Chef, welche Art von Menschen in Deutschland solche Maßnahmen befürworten.

    „Man sieht schon, dass die Bereitschaft erschreckend groß ist, unbewaffnete Flüchtlinge zu hindern. Das hat uns sehr überrascht.“, sagte Geißler.

    Die Umfrageresultate würden bestätigen, dass sich eine Verunsicherung und auch eine Überforderung in der Bevölkerung breit mache. 

    „Und wir sehen, dass – ausgelöst durch den Silvesterabend in Köln –  die Menschen wirklich Angst haben. Dass viele Angst haben. Und dass man deshalb für solche populistischen Aussagen wie ‘auf Flüchtlinge an den Grenzen zu schießen‘ offen ist.“, so der Spezialist. 

    Die Zustimmung, Waffengewalt gegen Flüchtlinge zu verwenden, sei mit 34 Prozent vor allem im Osten Deutschlands (Thüringen, Brandenburg und Sachsen) präsent. Im Westen seien dies dagegen nur 27.

    „Wir sehen, dass solche Aussagen eher von Menschen begrüßt werden, die so ein bisschen abgehängt sind, vielleicht weil sie nicht so einen hohen Bildungsabschluss haben; die nicht so gut dastehen, nicht so viel Geld haben“, meint der Forscher.

    Vor allem seien solche Meinungen bei jüngeren Umfrageteilnehmern im Alter von 18 bis 44 (33 Prozent) populär. Darüber hinaus stoßen solche drastische Maßnahmen meist bei solchen Menschen auf Zustimmung, die sich am Rande der Gesellschaft befinden, sich benachteiligt und abgehängt fühlen, und aus diesem Grund dazu neigen würden, solche einfachen Lösungen zu begrüßen, betont Geißler. 

    Trotz der Willkommenskultur herrsche in Deutschland zurzeit eine große Verunsicherung darüber, ob die Flüchtlingskrise zu bewältigen sei,  was nun richtig und was falsch sei und ob nun die Flüchtlinge willkommen geheißen oder doch lieber die Grenzen dichtgemacht werden sollten. 

    „Wir sehen das ja auch an den einbrechenden Umfragewerten für die CDU, für die Kanzlerin, die im Moment sehr deutlich an Zustimmung verliert“, so der Psychologe.

    Deutschland habe alle Kapazitäten und Kompetenzen parat, um die Situation zu lösen, dafür sollten allerdings die richtigen Schritte gemacht werden.

    „Ich erlebe uns als Land aber nach wie vor in einem Zwischenstatus. Wir werden erst in ein paar Monaten wirklich sehen, wo es denn landet. Ich hoffe aber sehr, dass es am Ende des Tages wieder zu dieser Willkommenskultur hingelangt. Dass wir nach wie vor offen sind, Menschen in Not zu helfen“, fügte er hinzu. 

    Ende September hatte Ungarn die Gesetze im Kampf gegen die Flüchtlingsströme verschärft und seiner Armee den Einsatz von Waffen gegen Flüchtlinge an der Grenze erlaubt.

     

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    Tags:
    Willkommenskultur, Waffeneinsatz, Meinungsforschungsinstitut, Flüchtlingskrise, Waffengewalt, Migranten, Grenze, Umfrage, CDU, YouGov, Holger Geißler, Angela Merkel, Deutschland