11:17 18 November 2017
SNA Radio
    Flüchtlingszentrum  in Schweden

    Flüchtlingszentren in Schweden – großer Reibach für Betrüger

    © REUTERS/ Stig-Ake Jonsson/TT News Agency
    Gesellschaft
    Zum Kurzlink
    73875766

    Kriminelle Strukturen können beträchtliche Summen an Flüchtlingen verdienen, schreibt die Zeitung „Dagens Nyheter“. Eine Firma, die mit der Unterbringung von Flüchtlingen in „Familienhäusern“ beauftragt ist, soll einigen Stadtverwaltungen bereits Millionen Kronen in Rechnung gestellt haben.

    Ein 39-jähriger, mehrfach verurteilter Mann, der mit der Bande Bandidos MC zusammengearbeitet haben soll, werde gerade wegen Betrug bei einer kürzlich gegründeten Firma verhört, heißt es. Die Firma soll die Flüchtlinge in „Familienhäusern“ unterbringen. Innerhalb von wenigen Monaten soll sie einigen Stadtverwaltungen bereits Millionen Kronen in Rechnung gestellt haben, schreibt die Zeitung.

    Seit dem 1. August 2015 haben in Schweden 29.972 Kinder und Jugendliche Asylschutz beantragt. Das Problem für die Stadträte besteht nicht nur darin, allen eine Unterkunft zu bieten. Die Folge des Flüchtlingsstroms ist, dass es den Verwaltungsämtern immer schwerer fällt, die Dienstleistungsqualität in den Migrationszentren zu kontrollieren.

    Im Herbst des vergangenen Jahres sei es sehr schwierig gewesen, für acht Jugendliche eine Bleibe zu finden, erzählte der Qualitätsmanager beim Sozialdienst in Halmstad, Eric Semb. Schließlich beschloss der Stadtrat, sie an ein neues Migrationszentrum zu verweisen, das noch nicht geprüft worden war und keine Genehmigung für die entsprechende Tätigkeit gehabt hatte. Die Politiker und die Journalisten sprechen in letzter Zeit doch viel von der „Flexibilität“ bei der Flüchtlingskrise, so Eric Semb.

    Da das Zentrum keine Zulassung gehabt hatte, waren die Jugendlichen beim Besitzer der Firma – einem 33-jährigen Autohändler aus Göteborg – untergekommen. Des Weiteren habe sich herausgestellt, dass der Zentrumsgründer ein Strohmann für seinen 39-järigen Bruder war, dem nun die Fälschung der Lizenz für die Eröffnung eines Migrationszentrums vorgeworfen wird.

    Außerdem habe sich der Mann als eine bekannte Person in der kriminellen Welt von Göteborg erwiesen und sei bei einigen Fällen aufgefallen. In den 90er Jahren war er wegen Raubüberfällen, Schlägereien und Betrug verurteilt worden. 2004 habe er der Bande Bandidos MC geholfen, in Göteborg Fuß zu fassen und eine Unterkunft für sie organisiert. Ein Streit mit dem Vermieter habe dazu geführt, dass Bandidos MC und ihr Komplize der Erpressung beschuldigt wurden. Der glückliche Unternehmer wurde aber freigesprochen. Allerdings sei er 2009 für Wirtschaftsverbrechen verurteilt worden. Im Jahre 2014 soll er wieder mit einem europäischen Anführer von Bandidos in Kontakt gewesen sei.

    Am 23. Dezember 2015 wurde der Unternehmer festgenommen. Für die Jugendlichen konnte jedoch kein neuer Platz gefunden werden; bis Mitte Januar mussten sie in diesem Zentrum bleiben. Ermittlungen belegen, dass auch andere Stadtverwaltungen mit dieser Firma zusammengearbeitet haben.

    In Halmstad soll die Stadt der Firma für jeden Jugendlichen 2.500 Kronen (umgerechnet 250 Euro) pro Tag gezahlt haben, in Helsinborg zwischen 1.900 und 2.500 Kronen. Insgesamt hätten die Munizipalitäten Millionen Kronen gezahlt.

    Der 39-jährige Betrüger wurde im Februar freigelassen. Nach seinen eigenen Worten handelt es sich um ein Missverständnis zwischen ihm und seinem Bruder.

    Zum Thema:

    Proteste gegen Flüchtlingszentrum: Griechische Insel fürchtet um Tourismuseinnahmen
    Extremisten zerstören Flüchtlingszentrum bei Homs – syrischer Generalstabschef
    Tags:
    Schweden
    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren