21:33 21 September 2017
SNA Radio
    Der Regisseur Najdat Ismail Anzour

    „Ich ließ IS-Kommandeur am Leben“ - Syrischer Regisseur im Sputnik-Interview

    © Sputnik/ Hediye Levent
    Gesellschaft
    Zum Kurzlink
    1968711253

    „DAESH“, so heißt der weltweit erste Spielfilm über die berüchtigte Terrorgruppierung, der dieser Tage in die syrischen Kinos kam. In einem Interview für Sputnik News erzählt der Regisseur Najdat Anzour, der nun regelmäßig Morddrohungen erhält, wie er sein Meisterstück gefilmt hat und wieso der IS einzig und allein mit Waffen nicht zu besiegen ist.

    Najdat Ismail Anzour ist ein in der arabischsprechenden Welt bekannter Regisseur und Sohn des Pioniers des arabischen Kinos, Ismail Anzour, der in den 30er Jahren den ersten syrischen Stummfilm drehte.  Wegen seinem letztem Film, „König des Sandes“, hatte ein salafistischer Mufti 2013 eine Fatwa mit einem Todesurteil für den Filmemacher erlassen – dessen Streifen wurde als Kritik gegen die Saudi-Regierung empfunden, da die Machtergreifung der Saudi-Familie im Film indirekt mit der Ausbreitung des Terrorismus im Nahen Osten verbunden wurde. 

    Auch heute nimmt der 62-Jährige Regisseur kein Blatt vor den Mund und spricht offen über den Islamischen Staat, obwohl er kürzlich erneut Morddrohungen der Islamisten erhielt:

     „Um Daesh komplett zu vernichten, reicht ein militärischer Sieg allein nicht aus. Es ist die Ideologie der Terrororganisation, welche die Dschihadisten unterstützt und nährt und deshalb muss sie vorderhand ausgemerzt werden. Mit diesem Film haben wir versucht, die öffentliche Aufmerksamkeit auf dieses Thema zu lenken“, so Anzour.

    Das Grauen des Islamischen Staats bestehe nicht nur in den unzähligen, markerschütternden  Hinrichtungen und grausamen Anschlägen, betont der Filmemacher, sondern auch in dem Ausmaß seiner Präsenz im Alltag, den Gedanken und Ängsten sehr vieler Menschen. 

    Im Film gebe es keine blutigen Gewaltszenen, das dramatische Narrativ befasse sich hauptsächlich mit dem ideologischen und psychologischen Einfluss auf Menschen seitens der Terroristen. 

    In dem Film werde ein Streit zwischen zwei Hauptfiguren, der frommen Sureja und einem IS-Kommandeur, hervorgehoben. Dieses Gespräch zeige die fundamentalen Unterschiede bei der Auslegung des Korans und anderer religiöser Texte des Islams.

     „Solche Organisationen wie Daesh und diejenigen, die sie unterstützen, sagen, dass sie Muslime sind. Aber um welche Art von Islam, oder besser gesagt seine Auslegung geht es? Nicht die Religion ist das Problem an sich, sondern die Art und Weise, wie deren Regeln ausgelegt und präsentiert werden“, so der Regisseur. Denn genau mit solchen Auslegungen werde die IS-Ideologie „legitimiert“ und gerechtfertigt.

    Nach der Premiere seien viele Zuschauer äußerst unzufrieden gewesen, dass der Antagonist des Films, der IS-Kommandeur, am Leben geblieben sei.

     „Dieser Kommandeur ist ein internationaler Mensch. Deshalb habe ich ihn nicht töten lassen. Er wird Syrien verlassen, sein Äußeres verändern, in ein anderes Land gehen und dort seine Aktivitäten fortsetzen. Dies ist ein Film mit einem offenen Ende. Wir bieten dem Zuschauer die Möglichkeit, selber ein Ende auszudenken und das weitere Schicksal des Kommandeurs zu bestimmen“, erklärt Anzour.   

    Er habe den Wunsch, dass dieser Film auch in den von IS kontrollierten Territorien gezeigt werde, fügte er hinzu.

    Der Streifen wurde in neun Sprachen übersetzt und wird demnächst in Damaskus, Homs, Latakia, Tartus, as-Suwaida und auch in den USA und in Kanada gezeigt. 

     

    Tags:
    Film, Regisseur, Terrormiliz Daesh, Islamischer Staat, Najdat Ismail Anzour, Saudi-Arabien, Syrien
    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren