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    Migrants walk along a street after crossing Austrian-German border from Achleiten, Austria, in Passau, Germany, October 29, 2015

    Umfrage: Je stärker der Flüchtlingszustrom, desto größer die Ängste der Deutschen

    © REUTERS / Michaela Rehle
    Gesellschaft
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    Nach den Silvesterübergriffen fühlen sich die Deutschen, besonders Frauen, weniger sicher. Über die Hälfte befürchten, Opfer eines Verbrechens zu werden. Dies hat eine Umfrage des Allensbacher Instituts für Demoskopie ergeben.

    Seit den Übergriffen der Silvesternacht in Köln werde in der öffentlichen Debatte zwar immer mehr auf die von den Flüchtlingen ausgehenden „kulturelle Prägungen, Regelakzeptanz und Risiken“ eingegangen. Allerdings sei das Problem an sich nicht wirklich neu, sondern bereits vor mehreren Jahren aufgetaucht.

    „Der öffentliche Diskurs nimmt damit verspätet Sorgen auf, die die Bevölkerung schon lange bewegen und die auch seit Jahren zunehmen – lange bevor die Flüchtlingszahlen steil anstiegen. Das gilt gerade für die innere Sicherheit, die nach dem Empfinden der Bürger immer weniger garantiert ist“, schreibt die Geschäftsführerin des Allensbach-Institutes, Professor Dr. Renate Köcher, in der FAZ. 

    Bereits vor zehn Jahren seien 47 Prozent der deutschen Bürger der Meinung gewesen, dass die Kriminalität in Deutschland zunehme, 2014 seien dies bereits 60 Prozent gewesen und mittlerweile empfinden das ganze 69 Prozent so, wobei der Flüchtlingszustrom die wachsende Besorgnis vergrößert habe.

    Laut den Umfragewerten sind ganze 79 Prozent der Befragten überzeugt, dass mit dem Flüchtlingsansturm auch die Kriminalität zunehmen wird. Dabei machen sich 43 Prozent auf einen mäßigen Anstieg der Straftaten bereit, 36 Prozent rechnen gar mit erheblichen Auswirkungen. Von den über die Flüchtlingskrise besonders besorgten Umfrageteilnehmern befürchten 60 Prozent erhebliche Auswirkungen allein auf die Anzahl der Delikte.

    Weiter erwähnt die Allensbach-Leiterin auch das Problem der sogenannten No-Go-Areas: „Der Anteil derer, die in der Nähe ein Gebiet benennen können, in dem sie nachts nicht allein unterwegs sein möchten, hat in den vergangenen zehn Jahren von 33 auf 44 Prozent zugenommen. Auch hier zeigt sich: 30 Prozent der Männer, aber 56 Prozent der Frauen äußern diese Ängste. Das Bedrohungsgefühl hat bei Frauen stärker zugenommen als bei Männern“, so Köcher.

    Diese Angst und Unsicherheit im öffentlichen Raum verbanden 24 Prozent der Bürger (18 Prozent der Männer und 31 Prozent der Frauen) direkt mit dem Flüchtlingsproblem in Deutschland.  

    Darüber hinaus hätten Deutsche heute mehr Angst vor einem landesweiten Anstieg von Kriminalität und Gewalt: Seit 2014 sei diese Befürchtung von 52 auf erschreckende 82 Prozent angestiegen.

    „Die Sorge, persönlich durch Kriminalität gefährdet zu sein, nimmt seit Jahren auffallend zu. Vor fünf Jahren fühlten sich noch zwei Drittel sicher; 26 Prozent machten sich Sorgen, sie könnten Opfer eines Verbrechens werden. 2014 lag dieser Anteil bereits bei 45 Prozent, jetzt bei 51 Prozent.“, schreibt Köcher. Dabei hätten vor fünf Jahren sich 71 Prozent der Männer und 60 Prozent der Frauen an angegeben, sie fühlten sich weitgehend sicher. Heute hätten noch 54 der Männer, aber nur 37 Prozent der Frauen dieses Gefühl. Laut Köcher, verstärkt die Tatsache, dass Flüchtlinge größtenteils  junger Männer sind solche Ängste.

    „Nur“ 9 Prozent der Befragten würden sich heute „akut bedroht“ fühlen. Von den subjektiv „akut Bedrohten“ sind 41 Prozent Männer und 60 Prozent Frauen. Überdurchschnittlich besorgt seien vor allem Frauen, ältere Menschen über 60 und die Einwohner von Ostdeutschland. Eine solche „akute Bedrohung“ empfänden insgesamt fünf Prozent der Männer und 12 Prozent der Frauen.

    In diesem Zusammenhang seien zwei Drittel der Befragten bereit, der Polizei mehr Kompetenzen und Rechte zuzuweisen, wie zum Beispiel die Möglichkeit, Terrorverdächtige ohne Nachweis einer bestimmten Straftat festzunehmen. 90 Prozent hätten sich für eine ständige Kameraüberwachung von Flughäfen und Bahnhöfen, 84 Prozent für die Registrierung von Fingerabdrücken aller einreisenden Personen und 50 Prozent sogar für die Speicherung aller Fingerabdrücke im Land ausgesprochen. 81 Prozent würden eine Erleichterung der Abschiebung von einer Straftat verdächtigten Asylbewerbern begrüßen. 

    17 Prozent der Befragten unterstützen auch die Wiedereinführung der Todesstrafe, 18 Prozent die Gründung von Bürgerwehren, ganze 9 Prozent sprachen sich dafür aus, dass der Besitz und Einsatz von privaten Waffen erleichtert werden sollte.

    Dies hänge jedoch, so Köcher, auch damit zusammen, dass Wohnungseinbrüche stark zugenommen hätten: 2006 seien nach Polizeiangaben 106.000 Wohnungseinbrüche registriert worden, 2014 bereits 152.000. Die Zahl der Einbruchsversuche sei von 39.000 auf 63.000 angestiegen.

    „Insgesamt lässt sich die erheblich gewachsene Beunruhigung mit der faktischen Entwicklung der Kriminalität nur teilweise erklären“, so Köcher. Die wachsende Besorgnis verändere jedoch sicher das Verhalten und die Erwartungen der Menschen an die Politik.

     

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    Tags:
    Angst, Delikt, Straftaten, Waffeneinsatz, Übergriffe, Flüchtlingskrise, Kriminalität, Migranten, Terrorismus, Allensbacher Institut für Demoskopie, FAZ, Renate Köcher, Deutschland