SNA Radio
    Arktis

    Russlands Anspruch auf Arktis-Schelf: „Wir haben keine Feinde und Konkurrenten“

    © Flickr/ David McSpadden
    Gesellschaft
    Zum Kurzlink
    Russland erschließt Arktis (171)
    10774

    Je schneller Russland und seine arktischen Anrainer den Festlandsockel untereinander aufteilen, desto besser für sie, denn die Arktis nehmen bereits Länder aus anderen Regionen ins Visier. Diese Meinung äußert ein zuständiger Fachmann aus Moskau mit Blick auf die jüngste UN-Präsentation des russischen Antrags auf mehr Schelfgebiete.

    Jewgeni Petrow, Berater des Chefs der russischen Behörde für Bodenschätze, sagte im Radiosender Kommersant FM: „Der russische Antrag enthält eine Riesenmenge von geologischen und metrischen Daten (…). Diese wurden mit Hilfe verschiedener Methoden gesammelt, die im Westen anerkannt sind. Und selbst wenn man uns beispielsweise in Bezug auf eine Methode sagt, dass wir uns irren, können wir anhand einer anderen Methode unser Modell doch belegen.“

    „Bei der Arktis-Erforschung liegt Russland faktisch mit einem kolossalen Abstand vorne. Derzeit bieten wir ein maximal objektives Bild an. Nur wenige Geologen können dagegen Einwände vorbringen“, so Petrow.

    Den jetzt präsentierten Antrag hatte Russland am 3. August 2015 gestellt. Demnach sollen insbesondere der Lomonossow- und der Mendelejew-Rücken als unterseeische Fortsetzung der Kontinentalmasse betrachtet werden. Falls Russland seine Ansprüche erfolgreich durchsetzt, vergrößert sich die Fläche seines Kontinentalschelfs um rund 1,2 Millionen Quadratkilometer.

    Mit dem russischen Antrag beschäftigt sich die UN-Kommission zur Begrenzung des Festlandsockels. Doch selbst wenn sie eine positive Entscheidung fällt, ist die Sache noch nicht erledigt, wie Petrow erläuterte: „Dann haben wir uns mit allen arktischen Staaten zu verständigen, wo die Grenze verlaufen soll. Es wird also eine nächste Phase beginnen. Dabei soll es sich um einen Dialog zwischen den jeweiligen Anrainern handeln, und zwar bereits ohne internationale Gremien. Wir können dann nicht etwa einseitig erklären: ‚Unsere Grenze verläuft hier.‘ Denn Dänemark und Kanada haben womöglich eine etwas andere Meinung. Wir werden eine einheitliche Linie finden müssen.“

    Archipel Franz-Joseph-Land
    © Sputnik / Vladimir Baranov
    „Wir haben keinen Kampf. In Wirklichkeit führen wir mit allen arktischen Ländern, darunter mit Dänemark, Kanada und den USA, einen intensiven Dialog im Hinblick auf die geologische Begründung ihrer Anträge. Wir wissen, wer was tut, und sie wissen, was wir tun. Zwar ist dieser Dialog angesichts einiger außenpolitischer Faktoren etwas komplizierter geworden, doch er läuft weiter. Wir haben keine Feinde und Konkurrenten, denn alle arbeiten im Rahmen der entsprechenden UN-Konvention. Diese soll besagen, ob das jeweilige Land den Schelf beanspruchen darf. Die konkrete Grenzziehung soll später und im Rahmen eines anderen Paragrafen stattfinden. Damit hat die Festlandsockel-Kommission nichts mehr zu tun“, so Petrow weiter.

    Er sagte weiter: „Alle Länder wie Dänemark, Kanada und die USA begreifen: Je länger wir uns mit der Aufteilung der arktischen Gewässer beschäftigen, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass noch jemand anders sie beanspruchen wird.“

    Petrow wies darauf hin, dass die meisten arktischen Meeresgebiete momentan als international gelten: „Niemand besitzt sie. Und keiner weiß, was weiter kommt. Indien und China geben sich beispielsweise verstärkt Mühe, um im Arktischen Rat zu landen. Sie sind schon Beobachter in diesem Gremium. Niemand kann prognostizieren, wie sich die Situation weltweit in fünf bis zehn Jahren entwickelt.“

    Deshalb sollten die arktischen Staaten laut Petrow sich möglichst schnell den Schelf vorbehalten, um dann ohne Eile konkrete Grenzen untereinander zu ziehen und Spannungen mit anderen Ländern zu vermeiden.

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren
    Themen:
    Russland erschließt Arktis (171)

    Zum Thema:

    Arktis – ein Territorium geopolitischer Interessen
    Lawrow: Arktis ist Region fruchtbarer internationaler Zusammenarbeit
    Russland stationiert S-300-Raketensysteme in der Arktis
    Wo Panzer versagen: Russische Arktis-Soldaten satteln bei minus 30°C auf Rentiere um
    Russland baut alten Atomeisbrecher zu Kommandoschiff für Arktis um
    Tags:
    Arktis, USA, Russland