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18:49 17 Juli 2019
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    Brand in Flüchtlingsunterkunft in Bautzen

    Bautzen: Jubel und Applaus zum lodernden Flüchtlingsheim

    © AFP 2019 / Rico Loeb
    Gesellschaft
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    Fremdenfeindlichkeit und Gewalt gegen Flüchtlinge bleiben weiterhin ein Dauerthema, das am Wochenende wieder Nahrung bekam. In Bautzen brannte in der Nacht von Samstag auf Sonntag der Dachstuhl des Husarenhofs nieder. In dem ehemaligen Hotel sollten ab März 300 Flüchtlinge untergebracht werden.

    Spuren von Brandbeschleuniger, die am Brandort gefunden wurden, lassen nach derzeitigen Erkenntnissen darauf schließen, dass es sich um einen gezielten Brandanschlag handelte.  Außerdem hatte sich vor dem Husarenhof eine Gruppe von teilweise alkoholisierten Schaulustigen versammelt, die jubelten und applaudierten sowie die Feuerwehr bei den Löscharbeiten behinderten.
     
    Eine Anwohnerin beschreibt auf ihrer Facebook —Seite das Bild, das sich ihr am Morgen nach dem Brand geboten hat:
     
    „Feuerwehrautos am Morgen, Polizei, heute Nacht ist die zukünftige Bleibe für Flüchtende abgebrannt, in der Straße, wo meine Eltern wohnen. In Bautzen. Es war ein Stadtteilpolitikum, es gab eine Bürgerversammlung vor ein paar Wochen im Theater, die brechend voll war. Vergebens. Warum kann man diese Gebäude nicht bewachen? Zwei Polizisten vor dieses Gebäude setzen… ich bin beschämt und stehe vor dem noch dampfenden Haus, halb selber dampfend und bestürzt, ein paar Mal habe ich gedacht, dass das passieren wird, seitdem ich hier war, und da ist es. Ein Herr mit Hund läuft vorbei und sagt: ‚Na hier werden erstmal keine Ausländer wohnen‘. Ich sage ihm, dass ich traurig und wütend bin, und so weiter… er zuckt mit den Schultern und geht weiter.“
     
    Zu der Brandursache gab Irene Schott von der Staatsanwaltschaft Görlitz an, man gehe von Brandstiftung aus, da am Brandort Brandbeschleuniger gefunden wurden, Tatverdächtige seien aber noch nicht ermittelt worden, sagte sie in einem Sputniknews-Gespräch. Auch werde geprüft, ob gegen die Schaulustigen der Vorwurf der Volksverhetzung erhoben werden kann. 
     
    Im Fall der drei jungen Männer, die die Feuerwehr bei den Löscharbeiten behindert haben sollen, würden ebenfalls die Vorwürfe geprüft: „Da sollen drei Heranwachsende aus Bautzen die Arbeiten der Feuerwehr massiv behindert haben. Insoweit werden wir prüfen, ob der Tatbestand des Widerstandes gegen Personen, die Vollstreckungsbeamten gleich stehen, verwirklicht wurde, oder eventuell auch eine sukzessive Beteiligung an der Brandstiftung in Betracht kommt.“ 


     
    Oberbürgermeister Alexander Ahrens kann sich das fremdenfeindliche Verhalten der etwa dreißigköpfigen Gruppe der Schaulustigen nicht erklären:  „Das ist in der Tat eine Geschichte, die nicht erklärbar ist, außer mit einer weit fortgeschrittenen Verrohung  und einer gewissen – muss man in dem Fall so hart sagen – Primitivität. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass die Mehrheit, auch der Asylgegner hier in Bautzen, entsetzt ist, dass das Gebäude abgebrannt ist. Ich bin allerdings auch der Ansicht, dass jeder einzelne, der sich da hinstellt und jubelt, einer zu viel ist.“

     

     

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    Tags:
    Brandstiftung, Fremdenhass, Flüchtlingsheim, Bautzen, Deutschland