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14:48 18 August 2019
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    Krebserregendes Bier: „Brauereien versuchen das Problem kleinzureden“ – Experte

    © REUTERS / Michael Dalder
    Gesellschaft
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    Die 14 beliebtesten Biere Deutschlands enthalten laut der neuen Studie des Umweltinstituts München den krebserregenden Unkrautvernichter Glyphosat. Brauereien versuchen als Reaktion, das Problem kleinzureden, die Forscher warnen: Bei Krebserregung kommt es nicht auf die Grenzwerte an.

    „Als das meisteingesetzte Pestizid in Deutschland ist Glyphosat natürlich ein wichtiges Thema für uns, und man weiß aus Untersuchungen, dass man Glyphosat mittlerweile auch in der Nahrungskette finden kann. Wir sind nun darauf gekommen, dass über das Getreide möglicherweise auch das Bier betroffen sein könnte“, berichtet Jurek Vengels, Referent für Verbraucherschutz des Münchener Umweltinstitutes, im Interview für Sputniknews. „Wir haben die 14 beliebtesten Biere Deutschlands untersucht und festgestellt, dass alle diese Biere den Unkrautvernichter Glyphosat enthalten. Und Glyphosat, also ein Pestizid, wurde im letzten Jahr von der Weltgesundheitsorganisation als wahrscheinlich krebserregend eingestuft“, sagt Vengels.

    Ab wann die Glyphosat-Menge im Bier als gefährlich gelte, sei schwierig zu behaupten: „Es gibt keinen eigenen Grenzwert für Bier, wir haben uns deswegen am Wert für Trinkwasser orientiert. Insgesamt sind die Mengen klein. Aber es handelt sich um einen krebserregenden Stoff, und wenn der Stoff tatsächlich krebserregend ist, dann gibt es keinen Wert, wo man sagen kann, dass er sicher ist.“

    Laut Vengels gehe es jetzt um die Frage, ob Glyphosat erneut für 15 Jahre zugelassen werde. „Wir wünschen uns, dass dieser Stoff keine erneute Zulassung erhält. Da muss die Politik ran. Die Brauereien versuchen jetzt, das Problem kleinzureden, aber es kommt jetzt auch auf den Druck der Verbraucher an. Ich kann mir gut vorstellen, dass die Brauereien noch reagieren und ihre Politik an der Stelle ändern“, meint Vengels.

    Für Verbraucher sei es tatsächlich schwierig, zu wissen, welches Bier als sicher gelte. „Grundsätzlich würde ich zu Bier mit dem Bio-Siegel raten, weil im biologischen Anbau Pestizide nicht erlaubt sind, das heißt, biologische Biere sollen nicht belastet sein“, sagt er.

    Marc-Oliver Huhnholz, Pressesprecher und Referent für politische Kontakte des Deutschen Brauer-Bundes, dagegen will die deutschen Verbraucher entwarnen. „Um gesundheitlich bedenkliche Mengen von Glyphosat aufzunehmen, müsste ein Erwachsener jedoch an einem Tag rund 1000 Liter Bier trinken“, sagt er gegenüber Sputniknews. Zum Vergleich führt Huhnholz an: „Wir haben einen durchschnittlichen Konsum pro Kopf und Jahr von 107 Litern Bier, dazu zählen aber auch die alkoholfreien Varianten. Das heißt, ein durchschnittlicher Deutscher trinkt maximal pro Tag 0,5 Liter Bier, also völlig unbedenklich.“

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    Tags:
    Glyphosat, Bier, Deutschland