03:15 23 Oktober 2018
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    Aktivisten in Lwiw

    „Russische Musik ein Verbrechen“: Restaurants in Ukraine kommen auf schwarze Liste

    © RIA Novosti . Pavel Palamarchuk
    Gesellschaft
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    Wenn Denunziation zum Lebensstil wird: Aktivisten der sogenannten „Ukrainischen Galizischen Partei“ haben in der westukrainischen Stadt Lwiw eine „Schwarze Google-Karte“ für Cafés und Restaurants erstellt. Nun darf jeder Facebook-Nutzer eine Art Anzeige gegen diejenigen Lokale erstellen, wo russischsprachige Musik erklingt.

    „Wir sind der Meinung, dass das Anhören russischer Musik in öffentlichen Einrichtungen ein Verbrechen ist. Besonders auf dem Territorium von Galizien, wo die meisten Einwohner ukrainisch-sprachig sind. Seid bitte so lieb und teilt in den Kommentaren mit, wo ihr in letzter Zeit russische Musik gehört habt“, heißt es auf der Facebook-Seite der Aktivisten.

    Screenshot der Google-Karte
    screenshot
    Screenshot der Google-Karte

    Auf der „Schwarzen Karte“ sind bereits 15 Lokale sowie elf Supermärkte verzeichnet, Dutzende User  hinterließen in den Kommentaren zu der Facebook-Nachricht Adressen von verschiedenen Orten, wo sie russische Musik gehört haben.

    Laut dem Vorsitzen des politischen Rates der „Ukrainischen Galizischen Partei“, Orest Drul, ist diese Initiative dafür gedacht, dass die „Anzahl“ der russischen Musik reduziert wird, da sie „die Aura von Lwiw“ zerstöre, dessen Besonderheit stets die ukrainische Sprache gewesen sei.

    Dabei werde nicht nur die Pop-Musik von russischsprachigen Kompositionen dominiert: „Wenn man sich das Repertoire von akademischen Institutionen anschaut, so gibt es auch dort einen sehr hohen Anteil an russischer Musik“, betonte Drul. 

    Die Initiative der Aktivisten ist allerdings nicht von allen Usern mit Beifall quittiert worden:

    „Das Argument der Mehrheit ist kein Argument für das Vertreiben einer Sprache. Was würdet ihr sagen, wenn zum Beispiel ungarische Dörfer die ukrainische Sprache verbieten würden, da die Mehrheit ungarisch-sprachig ist? Eure Initiative ist noch schlimmer als russische Pop-Musik. Ich weiß nicht, wie ich jetzt antworten soll, wenn mir ein Deutscher erneut sagt, dass der Maidan die russische Sprache verbieten wollte“, schrieb der User Steve Nauke. 

    In der Ukraine wurde bereits ein Verbot gegen russische Filme verhängt. Laut der zentralen Behörde für Filmwesen, Goskino, erhielten 400 russische Filme und Fernsehserien seit August 2014 eine Absage für die Ausstellung von Filmverleih-Bescheinigungen, oder diese wurden zurückgenommen.

    Zuvor hatte die Regierung in Kiew mit einem kulturpolitisch umstrittenen Gesetz alle Filme mit positiver Darstellung russischer und sowjetischer Staatsorgane verboten. Betroffen sind, unabhängig vom Herkunftsland, alle Streifen, die nach dem 1. August 1991 produziert wurden, sowie alle russischen Filme und Fernsehserien, die nach 2014 gedreht wurden.

    Russische Regisseure hatten die Entscheidung der ukrainischen Regierung als Bestrafung für die Ukrainer selber bezeichnet. Ihnen zufolge solle Russland jedoch keine Gegenmaßnahmen treffen.

    Im August des vergangenen  Jahres hatte das ukrainische Staatskomitee für Fernsehen und Rundfunk eine Liste von in Russland herausgegebenen Büchern veröffentlicht, deren Einfuhr in die Ukraine verboten ist.

     

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    Tags:
    Musik, Google-Karte, Schwarze Liste, Galizien, Lwiw, Ukraine