12:32 07 Dezember 2019
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    Ein Bär (Symbolfoto).

    „Feindbild Russland“: Historiker untersucht Dämonisierung der Russen

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    Gesellschaft
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    Asiatisch, ungläubig, schmutzig und kriecherisch – das alte Feindbild des „bösen Russen“ wird heute in den Medien zunehmend wiederbelebt. Der österreichische Wirtschafts- und Sozialhistoriker Hannes Hofbauer verfolgt das Phänomen der Russophobie in seinem neuen Buch „Feindbild Russland: Geschichte einer Dämonisierung“.

    „Die Vernunft würde natürlich sagen, dass Deutschland, die deutsch geführte EU, überhaupt keine Auseinandersetzung mit Russland braucht, aber die USA scheinen das anders zu sehen“, sagt Hannes Hofbauer gegenüber Sputniknews. „Hinter der derzeitigen Situation, die sehr stark von den USA ausgeht,  steht also eine Auseinandersetzung der USA mit der Europäischen Union“, erklärt der Historiker.

    Gegenwärtig erleben wir, führt der Autor weiter aus, tatsächlich einen Wirtschaftskrieg, der mit den Sanktionen gegen gewisse Persönlichkeiten begonnen habe. „Die Sanktionen sind eine wirtschaftskriegerische Handlung und sie haben beträchtliche Auswirkungen. Wen das nicht betrifft, sind die USA. Und da kann man schon erkennen, wie die Interessen gelagert sind“, so Hofbauer.

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    Das Stereotyp eines „asiatischen, barbarischen, ungläubigen“ Russen lasse sich bis ins 15. Jahrhundert zurückverfolgen, aber es sei nicht immer vorherrschend gewesen, erläutert der Historiker etwa mit Hinweis auf die Zeiten von Peter dem Großen – dem Beginn einer Epoche der besonderen gegenseitigen Annäherung zwischen den Deutschen und den Russen.

    „Es wurde in letzter Zeit eine unheimliche mediale Anstrengung gemacht, um Russland in ein schlechtes Licht zu stellen und eine russlandfeindliche Stimmung zu erzielen“, sagt der Autor. Ihm zufolge sei plötzlich ein Zusammenhang zwischen dem Syrien-Eingriff und der Fluchtbewegung in den Medien hergestellt worden. Zur Zeit der amerikanischen und der syrischen Angriffe sei nie darüber gesprochen worden, dass es einen Zusammenhang gebe.

    „Also wenn Russland eingreift, heißt es: „Russland greift ein und wir haben dann die Flüchtlinge – schrecklich.“ Aber die Amerikaner, die Franzosen, die Briten greifen schon länger ein und dieser Link wurde nie hergestellt. Auch dieses Thema — Syrien und die Flüchtlingskrise — wird also antirussisch instrumentalisiert“, findet Hofbauer.

    „Das Buch versucht, die Beziehungen zwischen Russland und dem Westen historisch zu erklären. Es gibt eine Anzahl von Facetten, wie sich diese Beziehungen und das Russland-Bild geändert haben“, sagt der Autor.

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    „Feindbild Russland“, das Anfang März in den Buchläden erscheint, erzählt die Beziehungsgeschichte des Westens mit Russland und spürt den wirtschaftlichen und geopolitischen Grundlagen der Russophobie nach.

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    Tags:
    Migranten, Syrien, Deutschland, USA, Russland