01:00 25 September 2017
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    Flying Spaghetti Monster

    Opium fürs Volk: Im Namen von Frühstücksspeck, Spaghetti und Maradona

    © Foto: Youtube/Kirill bro
    Gesellschaft
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    Das neuseeländische Innenministerium hat Trauungen in der Landeskirche des Fliegenden Spaghetti-Monsters erlaubt. Am vergangenen Montag hat die Behörde der Vereinigung eine entsprechende Lizenz erteilt, berichtet das Nachrichtenportal Lenta.ru.

    Damit würden die Behörden des Landes die pastafarianische Kirche als eine vollwertige religiöse Institution anerkennen.

    Zwar habe Mose das auserwählte Volk davor gewarnt, sich einen Götzen zu erschaffen. Doch viele Menschen verletzten dieses Gebot nach wie vor, schreibt das Portal: „Die einen beten Essen an, für die anderen sind berühmte Persönlichkeiten Götter. Die einen meinen es ernst, die anderen wollen nur provozieren, um den Konformismus und die Absurdität eines Glaubens an das Unbeweisbare bloßzustellen“, schreibt Lenta.ru. Das Online-Portal klärt über weitere extravagante Konfessionen auf.

    Die Welt ist eine Nudel!

    Im Jahr 2005 habe der US-Amerikaner Bobby Henderson sich zu energischem Handeln entschlossen. Aus Protest gegen die Entscheidung der Bildungsbehörde des Bundesstaates Kansas, die Schöpfungstheorie als eine Alternative zur Evolutionstheorie ins Schulprogramm aufzunehmen, habe der Amerikaner in einem offenen Brief auf seiner Homepage den Glauben an einen transzendenten Schöpfer – das fliegende Spaghetti-Monster – konzeptionell begründet.

    Die ersten Pasta-Farianer seien Piraten gewesen, schrieb Henderson laut dem Nachrichtenportal. Um eine Trauung zu vollziehen, würden unbedingt ein paar Schwerter sowie etwas Pasta und Spaghetti benötigt. Die Spaghetti-Gläubigen selbst fassten ihren Glauben mit einer gehörigen Portion Humor auf.

    Auch vor Russland machten die Gourmets unter den Spaghetti-Anbetern keinen Halt. Im Juli 2013 sei die russische pastafarianische Kirche registriert worden. Die Organisation weise alle Attribute einer religiösen Vereinigung auf: eine Gemeinde, einen Bischof und auch ein Oberhaupt – Kama Pasta I. – genannt „der Pastriarch“.

    Das Fliegende Spaghettimonster übergibt die acht „Am liebsten wäre mir’s“ an Kapitän Mosey.
    Das Fliegende Spaghettimonster übergibt die acht „Am liebsten wäre mir’s“ an Kapitän Mosey.

    „Konkrete Riten schreiben wir nicht vor. Das wichtigste für uns ist, dass die Pasta-Gemeinde sich an die acht Das-hättest-du-lieber-nicht-getan-Gebote hält. Jeder Pastafarianer kann eigene Riten pflegen und sie der Kirche vorschlagen. Über unsere Homepage machen wir unsere Pasta-Gemeinde mit den neuen Ritualen vertraut“, sagte Kama Pasta I. im Interview mit dem Nachrichtenportal. Momentan arbeite das Oberhaupt gemeinsam mit der Gemeinde ein Hochzeitsritual aus – auf den Wunsch eines jungen Paares hin, nach pastafarianischem Brauch zu heiraten.

    Der zweite Pastriarch nenne sich selbst Husama Pasta II. oder einfach Hu. Im November 2014 sei Pura Pasta III. zum Hu-Nachfolger ernannt worden.

    Um Bischof zu werden müsse der Anwärter seine katechetischen Fähigkeiten unter Beweis stellen – etwa die Kenntnis des Kanons und das Vermögen, den Neugläubigen die Pasta-Botschaft nahezubringen. Die Chancen stünden für alle recht gut.

    Der berühmte russische Pastafarianer Andrej Filin habe mitgeteilt, am 9. Januar einen Führerschein erhalten zu haben, auf dem er mit einem gestrickten Nudelsieb auf dem Kopf abgelichtet sei. Damit bekenne er sich zum Pastafarianertum, schreibt Lenta.ru.

    Diego ist der wahre Zeus

    Zum 38. Geburtstag des berühmten argentinischen Stürmers Diego Maradona am 30. Oktober 1998 sei in der Stadt Rosario eine Kirche zu seinen Ehren eingeweiht worden. Das Kern-Dogma: Maradona sei der beste Fußballer aller Zeiten und Nationen.

    Maradona-Kapelle
    © AP Photo/ Natacha Pisarenko
    Maradona-Kapelle

    Die Idee, einen Fußball-Glauben zu begründen, sei den Gründervätern Alejandro Veron und Hernan Ames im Jahr 1986 gekommen, als ihr Angebeteter Argentinien bei der WM an die Spitze des Welt-Fußballs geschossen habe. Die Fußball-Fanatiker dazu: „Ich bin katholisch, doch es gibt auch eine andere Religion, die mein Herz entfacht hat, die zu meiner Leidenschaft geworden ist. Und das ist Diego Maradona“, zitiert das Nachrichtenportal einen der Gründerväter. Inzwischen habe er Tausende Anhänger weltweit.

    Die zehn Gebote Diego Maradonas:

    Die Iglesia Maradoniana
    © AFP 2017/ Daniel Garcia
    Die Iglesia Maradoniana

    1. Der Ball soll sauber bleiben.

    2. Du sollst Fußball über alles in der Welt lieben.

    3. Du sollst dich öffentlich zu deiner bedingungslosen Liebe zu Maradona und der Schönheit des Fußballs bekennen.

    4. Du sollst das Nationaltrikot verteidigen.

    5. Du sollst überall das Wissen um die Wunder Maradonas verbreiten.

    6. Du sollst die Tempel ehren, in denen er gespielt hat.

    7. Du sollst niemals Diego zum Mitglied eines anderen Nationalteams erklären.

    8. Du sollst die Grundsätze der Maradona-Kirche predigen.

    9. Diego soll dein zweiter Vorname werden.

    10. Dein Erstgeborener soll Diego heißen.

    Großzügige Majestät

    Die Bürger von Vanuatu, einer Inselgruppe in Ozeanien östlich von Australien, verehrten den 94-jährigen Ehemann von Queen Elisabeth. Prinz Philipp sei – so die Ältesten des Yaohnanen-Stammes – in Wirklichkeit der Sohn eines antiken Geistes, der in den Bergen der Tanna-Insel lebe.

    Die Bürger von Vanuatu verehrten Prinz Philipp
    Die Bürger von Vanuatu verehrten Prinz Philipp

    Im Jahr 1971 habe er die damals britischen Inseln besucht und bei den Einheimischen Assoziationen mit dem Helden einer Legende über einen tapferen Mann hervorgerufen, der eine weite Reise unternommen hätte, um seine Ehefrau zu finden. Zwar sei Vanuatu seit 1980 unabhängig, der Kult um seine Majestät treibe aber weiterhin Blüten.

    Die britische Königsfamilie wisse um den Glauben des indigenen Volkes. Prinz Philipp höchst persönlich habe es erlaubt, seine Portraits auf die Inseln zu schicken. Ein weiteres Relikt seien Briefe aus dem Buckingham-Palast, die jedoch von Feuchtigkeit und Mäusen stark beschädigt worden seien.

    Einer der Stammesältesten – Jack Naiva – habe seinem Götzen mehrmals angeboten, ihr Land zu besuchen, habe aber zugleich angemerkt, er würde sich auch mit einem Geschenk zufriedengeben: Reis, Geld oder ein Land Rover seien ihm schon recht.

    Dem Frühstücksspeck sei Dank

    In Las-Vegas sei eine weitere ungewöhnliche Glaubensgemeinschaft entstanden. Ihre Mitglieder verehrten Bacon, den Frühstücksspeck.

    Geistliche, Hierarchien und Rituale seien hier Fehlanzeige. Der Bacon diene auch nur als ein Symbol für die Absurdität einer jeden Religion. Der Anhänger-Zustrom versiege nicht, denn die Gemeinschaft veranstalte religionsfreie Hochzeiten, Taufen und Begräbnisse – hauptsächlich in Las Vegas. Dafür spare die Einrichtung auch nicht an Leuchtreklame.

    Angefangen habe alles 2010, als Penn Jilette, Moderator der Comedy-Sendung Penn´s Sunday School, mit der Idee gekommen sei, eine offiziell registrierte Kirche mit einem witzigen Namen zu gründen und danach für sie die gleichen Rechte wie für andere Religionen zu beanspruchen – das Recht etwa, heilige Stätten zu errichten und Andachten zu feiern.

    Aus Mangel an Gedankengut

    Die Kreativitätskirche aus dem US-Bundesstaat Illinois vertritt die Überlegenheit der weißen Rasse. Ihr Gründer und ideologischer Anführer, Ben Klassen, hatte 1973 mit seinen Predigten angefangen. Ungeachtet der Bezeichnung „Kirche“ bekennt sich diese Organisation zum Atheismus und lehnt alle immateriellen Erscheinungen ab.

    Nach dem Tod Klassens 1993 habe die Kirche praktisch aufgehört zu existieren. Auferstanden sei sie drei Jahre später, durch das Engagement ihres obersten Bischofs, Matthew F. Hale. 2003 sei er allerdings wegen Mordes verurteilt worden.

    Zwei Organisationen würden sich zum Gedankengut Klassens bekennen: „Die kreative Bewegung“ und „Die kreative Allianz“. Beide führen vier Rituale durch: Hochzeiten, Konfirmationen von Jugendlichen und Neugläubigen, und Begräbnisse.

    Die US-amerikanische Menschenrechtsorganisation Southern Poverty Law Center gabe die Bewegung als neonazistisch eingestuft.

    Auf ins Gelobte Land!

    Fast wie eine Antwort auf die Kreativitätsbewegung sei die Religion der Yahweh-Nation entstanden. Die von Hulon Mitchell 1979 in Miami gegründete, größtenteils afroamerikanische Organisation habe zu ihrem Ziel erklärt, ihre Anhänger, die sich selbst für dunkelhäutige Juden hielten, in ihre israelische Heimat zurückzuführen.

    Die ideologische Grundlage dieser Bewegung bildeten das Juden- und das Christentum. Mitchell komme die Rolle eines Gottesgesandten zu, der sich selbst Yahweh ben Yahweh genannt habe. Die Europäer habe er als weiße Dämonen bezeichnet. Seiner Überzeugung nach seien die Juden ursprünglich dunkelhäutig gewesen.

    Auch diese Bewegung seivom Southern Poverty Law Center als rassistisch eingestuft worden.

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    Tags:
    Bacon, Spaghetti, Hulon Mitchell, Bobby Henderson, Prinz Philipp, Diego Maradona, Rosario
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