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10:22 20 August 2019
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    Chemnitz: Unbekannte verüben Farbattacke gegen russischsprachige Zeitung

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    Das Hauptbüro der russischsprachigen Zeitung „Berliner Telegraph“ in Chemnitz ist diese Woche an zwei Tagen hintereinander von Unbekannten angegriffen worden. Neben großflächigen Schmierereien an den Außenmauern des Gebäudes und Sachbeschädigungen in den Redaktionsräumen wurde auch fast die komplette neue Ausgabe der Zeitung vernichtet.

    Anlässlich des Internationalen Frauentags war das Gebäude am 8. März nicht besetzt. Die Mitarbeiter des „Berliner Telegraph“ stellten am Morgen des 9. März fest, dass das Gebäude mit brauner und weißer Farbe und Parolen beschmiert worden war. Weitere Sachschäden wurden im Inneren des Gebäudes festgestellt. Im Lager sind außerdem ca. 90 Prozent der neuen Auflage der Zeitschrift, die auf ihre Auslieferung wartete, vernichtet worden – die Täter hatten darauf uriniert.

    Der Chefredakteur Alexander Boyko hat Sputniknews gegenüber erklärt, dass die Täter verhältnismäßig leicht und unauffällig ins Gebäude gelangen konnten, weil die Eingangstür nicht richtig schließt:

    „In dem Gebäude, wo wir die Büroräume mieten, also das Hauptbüro des Blattes, sind mehrere Institutionen untergebracht. Die Eingangstür schließt nicht immer gut, und wenn man hart genug dagegen schlägt, kann man sie öffnen.“

    Die Mitarbeiter der Zeitung haben umgehend die Polizei gerufen. Diese nahm den Schaden auf und leitete ein Ermittlungsverfahren ein.

    „Die Abschreckung neuer Werbepartner nicht mit eingerechnet und dass Sachsen die Exemplare nicht erhalten hat, die wir haben drucken lassen, beläuft sich der Schaden auf 9.000-12.000 Euro insgesamt“, so Boyko.

    Bezüglich der Hintergründe der Tat und möglicher Tatverdächtiger tappt die Chemnitzer Polizei bisher im Dunkeln. So heißt es in ihrer Pressemitteilung lediglich:

    „Auf einer Länge von etwa 20 Metern wurde in der Nacht von Dienstag (8. März 2016) zu Mittwoch eine Gebäudefassade in der Brauhausstraße mit weißer Farbe beschmiert. Bereits am Vortag hatten Unbekannte die Fassade mit brauner Farbe befleckt. Zum Sachschaden ist noch nichts bekannt.

    Ergänzend zu unseren Medieninformationen kann ich Ihnen mitteilen, dass das Dezernat Staatsschutz in die Ermittlungen eingebunden ist, da eine politisch motivierte Straftat nicht ausgeschlossen werden kann. Die Schmierereien betrafen das ganze Gebäude, in dem sich mehrere Firmen und Büros befinden. Gegen wen sie gerichtet waren, ist noch nicht bekannt. Die Ermittlungen dauern an.“

    Alexander Boyko und seine Kollegen vermuten allerdings einen gezielten Angriff gegen ihre Redaktion:

    „In letzter Zeit ist die Lage in unserer Stadt sehr instabil seit es das Auffanglager in Chemnitz gibt. Es gibt viele Unzufriedene. Vor kurzem haben wir in unserer Zeitschrift über diese Situation berichtet. Wir schreiben oft über Themen im Zusammenhang mit Flüchtlingen und versuchen, alle Seiten dieses Konfliktes zu zeigen. Es gab da einen Artikel darüber, wie Russlanddeutsche und Deutsche gemeinsam in Chemnitz Patrouille laufen, in 4-5 Stadtteilen. Sie patrouillieren mit dem Ziel, Sicherheit herzustellen und damit syrische und andere Flüchtlinge niemanden angreifen. […] Wir vermuten es [dass es aufgrund dieses Artikels passiert ist]. Ich kann es nicht mit Sicherheit sagen, aber wir vermuten, dass unsere Publikationen vielen nicht gefallen.“ 

    Boyko hält außerdem für möglich, dass der Anwalt Martin Kohlmann, dessen Kanzlei ebenfalls im Gebäude ansässig ist, Ziel der Attacke gewesen sein könnte. Kohlmann kooperiert eng mit der Zeitschrift. Er ist Politiker der Deutschen Sozialen Union (DSU) und Mitbegründer der Bewegung „Pro Chemnitz“, die sich derzeit gegen die Unterbringung von Flüchtlingen in Chemnitz einsetzt.

    Aus Angst vor erneuten Übergriffen hat die Redaktion ihren Hauptsitz in der Brauhausstrasse am 10. März geräumt und ist in ihr zweites Redaktionsgebäude in der Theaterstraße in Chemnitz umgezogen.  

     

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