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12:10 20 Juli 2019
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    Zugnetzfischen am Gülper See

    Gut für Brassen, schlecht für Fischer: Russland-Sanktionen treffen Familienbetriebe

    © Foto: Fischerei Schroeder
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    Der Fischereibetrieb Schröder aus dem brandenburgischen Strodehne kann den Hauptteil seines Fangs wegen der russischen Wirtschaftssanktionen nicht mehr absetzen. Die in Russland als Delikatesse geltenden Brassen sind bei den deutschen Konsumenten nicht beliebt und alternative Absatzmärkte sind nicht in Sicht.

    Der Familienbetrieb Schröder verkauft Süsswasserfisch aus dem Gülper See. Neben Zander und Hecht sind es vor Allem Brassen, die in den Schleppnetzen von Fischer Wolfgang Schröder landen. Bisher hat er die Brassen hauptsächlich nach Russland exportiert, wo sie als Delikatesse gelten. In Deutschland ist der Fisch wegen seiner vielen Gräten unbeliebt und kann nur als Filet verkauft werden.

    Die Umsatzeinbußen für Schröder belaufen sich auf mehrere Tausend Euro: „Normalerweise habe ich im ersten Quartal zwischen 10 und 15 Tonnen dorthin verkauft. Es ist ungefähr ein Verlust von 7000-8000 Euro bis jetzt“, so der Fischer im Interview mit der Sputnik-Korrespondentin Ilona Pfeffer.

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    Zugnetzfischen am Gülper See

    Dem Fischer bleibt vorerst nichts anderes übrig, als die Brassen im See zu lassen. Alternative Absatzmärkte, wie beispielsweise Belgien, sind mit einem zu hohen Aufwand verbunden: „In Belgien hatte ich auch schon Kunden. Da gehen die aber in Angelteiche, wo sie dann auch geangelt werden. Aber das ist alles viel komplizierter, da muss man den Fisch sehr schonend behandeln, der muss sehr glatt sein. Das ist bei Brassen nicht so einfach.“

    Zugnetzfischen am Gülper See
    Zugnetzfischen am Gülper See

    Der Fischereibetrieb versucht nun, wenigstens kleine Mengen Brassen als entgrätete Filets an deutsche Kunden zu verkaufen, um seine wirtschaftliche Situation unter Kontrolle zu bekommen.

    Der Deutsche Landwirtschaftsverband fordert indes die Aufhebung der Wirtschaftssanktionen.

    Zahlreiche deutsche Landwirte ächzen unter den Wirtschaftssanktionen gegen Russland. Seit die EU im Jahr 2014 die Sanktionen verhängt hatte und Russland seinerseits ein Embargo für Lebensmittel aus der EU beschloss, verzeichnen deutsche Landwirte Umsatzeinbußen von fast einer Milliarde Euro im Jahr. Weil der russische Markt wegfällt, gibt es für viele landwirtschaftliche Produkte ein Überangebot. Dadurch sind die Preise beispielsweise für Fleisch, Milch und Getreide stark gesunken.

    Das komplette Interview zum Nachhören:

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