06:01 25 April 2019
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    Riesen-Graffiti des leblosen Kinderkörpers in Frankfurt, Symbolbild

    Pietätlos: Schwimmbad in Brasilien wirbt mit Foto von ertrunkenem Flüchtlingsjungen

    © REUTERS / Kai Pfaffenbach
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    Wenn Werbung die Grenzen des guten Geschmacks weit überschreitet: Ein Aquazentrum in der brasilianischen Stadt Esteio hat auf eine ganz sonderliche Art und Weise für sein Angebot geworben – das auf dem Werbeplakat platzierte Foto des ertrunkenen Flüchtlingsjungen Aylan sollte allem Anschein nach Eltern für einen Kinder-Schwimmkurs motivieren.

    Der ertrunkene dreijährige Flüchtlingsjunge Aylan liegt einsam, mit dem Kopf nach unten an einem türkischen Strand — dieses Foto ging um die Welt und sorgte überall für Entsetzen und Mitgefühl. Die Bekanntheit des Fotos ist für manche Menschen offensichtlich aber Grund genug gewesen, um damit Marketing zu betreiben:   Einige Zeit lang hingen in der brasilianischen Stadt Esteio Plakate, in denen mit dem Foto des verunglückten Aylan Werbung für Kinder-Schwimmkurse gemacht wurde.

    Duvido muito que você já tenha visto um anúncio mais sem noção do que esse.

    Опубликовано Publicidade e Propaganda da Depressão 23 марта 2016 г.

    Der Slogan auf dem Plakat heißt „Schwimmen ist kein Luxus. Es ist eine notwendige Bedingung für die Entwicklung und die Sicherheit des Kindes“.  Das Bild von Aylan wurde neben einen zweiten fragwürdigen Spruch gesetzt: „9 Monate für die Geburt, 3 Jahre für das Wachstum, zwei Minuten, um verloren zu gehen und eine Minute um zu ertrinken“.

    In den Sozialnetzwerken wurde man darauf sehr schnell aufmerksam: Die Facebook-Gruppe „Armselige Werbung und Propaganda“ (Publicidade e Propaganda da Depressão) veröffentlichte das Foto des Posters mit dem Kommentar „Ich habe Zweifel, dass ihr jemals eine so dumme Werbung gesehen habt“.

    Nachdem tausende User sich über diese Werbung empörten, waren die Betreiber des Schwimmbads gezwungen, die Poster zu entfernen. In einer öffentlichen Erklärung schrieben sie Folgendes:

    „Ende Februar, nachdem ein Kind in einer Familie, die in der Nähe unseres Zentrums lebt, ertrunken ist, haben wir beschlossen, etwas zu tun, um die Aufmerksamkeit auf dieses Problem zu lenken und dann diese Anzeige veröffentlicht. Wir wollten zeigen, dass Kinder nicht nur im Krieg sterben, sondern dass sie auch hier in der unmittelbaren Nähe ertrinken können. In Brasilien es die zweithäufigste Ursache für Kindersterblichkeit“, zitiert die Zeitung Folha de São Paulo die Erklärung.

    „Das ist richtig — wenn Ihr Kind in eine solche Schwimmgruppe kommt, wird es zu einem solch coolen Schwimmer, dass es gleich ein ganzes Meer im europäischen Winter nachts durchschwimmen kann.“, kommentierte ein Facebook-User.

    Der dreijährige Aylan war im September  tot am Strand nahe dem türkischen Badeort Bodrum angespült worden. Medienberichten zufolge hatte der Junge gemeinsam mit seiner Familie von der türkischen Küste aus, wie tausende seiner Landsleute, ein Schlepperboot zur griechischen Ferieninsel Kos bestiegen. Doch das überladene Boot kenterte bei hohem Wellengang, die türkische Küstenwache barg insgesamt zwölf Tote. 15 Menschen konnten sich an Land retten. Aylan starb zusammen mit seinem fünf Jahre alten Bruder Galip und seiner Mutter Rehan. Nur Vater Abdullah überlebte.

     

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    Tags:
    Schwimmbad, Schwimmen, Werbung, Flüchtlingskrise, Aylan Kurdi, Brasilien, Syrien